Aus dem Rathaus (Bönnigheim)
Erinnerungen an den Bönnigheimer Auswanderer Fritz Späth - In Südafrika heimisch geworden, spendete er im Herbst 2025 einen jungen Spitzahorn am Kleeblattheim, den die Stadt dankbar als ehrendes Andenken pflegt
„Das Heimweh ist noch da.“ So schrieb der vor 43 Jahren nach Pretoria in Südafrika ausgewanderte Bönnigheimer Fritz Späth noch vor wenigen Wochen im Mai in einem Brief an die alte Heimat. Sein großer Wunsch war, nochmal zum Heidewald und zur Pfeiffer Hütte zu kommen, die Weinberge und den vertrauten Köllesturm zu sehen. Sein Herzensanliegen hat sich nicht mehr erfüllt. Er ist am 16. Juni 2026 im Alter von 82 Jahren unerwartet gestorben.
Und doch, obwohl er die Heimat nicht mehr gesehen hat, ist etwas von ihm hier fest verwurzelt. Noch im Herbst 2025 spendeten er und seine Frau Gisela aus ihrer tiefen Verbundenheit zu Bönnigheim den Senioren einen Baum. Der Spitzahorn ist am Kleeblattheim an der Ecke Amannstraße und Hofener Straße gepflanzt und treibt nun kräftig Wurzeln.
Starke Wurzeln hat auch das Lebenswerk von Fritz Späth ausgebreitet: Das Unternehmen „Späths Cold Meat“, das in Südafrika Fleisch- und Wurstwaren nach schwäbischer Rezeptur herstellt und sich großer Beliebtheit erfreut. Nachdem das Ehepaar 1983 nach Verabschiedung im Bönnigheimer Gemeinderat die Heimat verließ und mit den beiden 12- und 14-jährigen Kindern nach Pretoria aufgebrochen war, setzte der ausgebildete Metzger alles dran, mit eigenen Händen eine tragfähige Existenz für die Familie aufzubauen. Bereits 1986 eröffneten sie in Pretoria City ein kleines Fleischereifachgeschäft. Das sprach sich herum. Und schon bald belieferten die Späths Geschäfte wie Spar und auch große Shopping-Center mit schmackhafter deutscher Qualität. Die Zeichen standen auf Expansion und so „kauften wir eine kleine Farm außerhalb Pretorias“, schrieb Fritz Späth unlängst in einem handschriftlich verfassten Brief an Frank Sartorius in Bönnigheim. 16 Hektar groß, bot sie genug Platz, auch den Wohnort und die Produktion dorthin zu verlegen. Also wurde wieder tatkräftig angepackt und das Vorhaben zuwege gebracht. Eine glückliche Fügung führte Rudi Löwe, dritte Generation deutscher Auswanderer, in den 1990-er Jahren zur Familie Späth. Er qualifizierte sich beim Fleischereifachmann und übernahm das Unternehmen mit seiner Frau Sonja später als Nachfolger. Doch zunächst machten sie gemeinsame Sache und bauten „Späths Cold Meat“ zu einem größeren Betrieb im Gewerbegebiet aus. Mit beachtlichen 40 Mitarbeitern stellt das Unternehmen seither in der Woche acht Tonnen schwäbische Wurstwaren her, die in den Geschäften besten Absatz finden - ein beachtlicher Erfolg. Die Kinder Andreas und Tina Späth indes, gingen eigene berufliche Wege.
Im Jahr 2000 baute sich das Ehepaar Späth im Wildreservat 160 Kilometer nördlich Pretorias ein traumhaftes Anwesen, das sie als „privates Paradies“ bezeichneten. Doch kam es im September 2023 zu einem schlimmen Buschbrand, bei dem das Haus vollständig niederbrannte und die Späths alles verloren. „Alles von daheim ging in Rauch und Flammen auf“, schrieb Fritz Späth in seinen Erinnerungen. Zwei Jahre später bauten sie das Haus dort wieder auf. Was das Ehepaar in schweren Zeiten wie diesen getragen habe, war die Familie mit den Kindern Andreas und Tina und deren Familien, ihr Glaube und in der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde aufgehoben zu sein.
Bürgermeister Albrecht Dautel sendet Witwe Gisela Späth und Ihren Angehörigen im Namen der Stadt Bönnigheim seine herzliche Anteilnahme.


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