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Ambulanter Hospizdienst Neckar-Stromberg e.V.

Meine erste Begleitung einer schwerkranken Patientin

Es war Herbst, als ich kaum ein paar Monate nach meiner Hochzeit krank wurde und die Ärzte mich in eine Lungenklinik einwiesen. Nach mehreren Untersuchungen kam ich in ein Zimmer zu einer älteren Dame, die mich freundlich anlächelte. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut, sie erzählte mir jeden Tag aus ihrem Leben in Südafrika, wo sie mit ihrem Mann gelebt hatte. Sie erzählte von ihrem Leben, den Höhen und Tiefen, und ich war eine neugierige Zuhörerin. Nachmittags kam fast täglich ihr Mann und am Wochenende war ihre Tochter mit den Kindern zu Besuch. Es war sehr lebhaft und es wurde viel gelacht. Meine Krankheit hatte sich verbessert und ich hätte eigentlich entlassen werden können. Da kam der leitende Stationsarzt zu mir und bat mich, ob ich noch eine Woche länger in der Klinik bleiben könnte. Er sagte, die ältere Dame müsse in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, denn sie konnten nichts mehr für sie tun. Da wir uns ja offensichtlich sehr gut verstanden, wolle er ihr keine neue Zimmernachbarin zumuten in ihrer Situation. Es war für mich kein Problem, länger dazubleiben, es fühlte sich stimmig an, für sie einfach da zu sein. Ich fand es sehr einfühlsam von dem Arzt, ihr nichts mehr zuzumuten, was sie weiter belastet hätte. Das war meine erste Begleitung eines sehr kranken Menschen.

Renate Strobel
© Ambulanter Hospizdienst
Renate Strobel
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