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Weinkollegs 2017

Weinkolleg vor Ort VDP-Weingut Dautel "Spätburgunder" am 4. November

 

Die sehr sensible Diva

 

Das letzte Weinkolleg vor Ort dieses Jahres, fand am vergangenen Samstag im VDP-Weingut Dautel in Bönnigheim statt. Die Weinsorte des Monats November, „Spätburgunder“, hat nahezu 40 Gäste und Bönnigheimer Vinothekare zu einem informativen Gedankenaustausch in das Weingut in Bönnigheim geführt.

 

In den Begrüßungsworten bedanken sich die Vorsitzende der Freunde der Vinothek, Regine Jung, für die Einladung und der Hausherr Ernst Dautel für die nun nahezu zehn Jahre andauernde gelungene Unterstützung des Kulturgutes „Wein der Strombergregion“ bei den ehrenamtlichen Vinothekaren. Schnell kam der Weinerzeuger dann auch zu seiner „sehr, sehr sensiblen Diva, die gehätschelt werden muss“, dem Spätburgunder, der nach dem Lemberger die zweitwichtigste Sorte in der Rotweinregion Württemberg repräsentiert. Weltweit gehört er zu den bekanntesten Sorten und rangiert in Frankreich, besonders im Burgund, in den Spitzenpreisklassen – ähnlich dem Bordeaux in seiner Region. Er ist einer der ältesten Rebsorten in Württemberg, gedeiht jedoch auf den schweren, lehmbetonten Böden nicht so ertragreich wie seine erst ca. 200 Jahre später angebauten Konkurrenten Trollinger und Lemberger.

Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts holte das Weingut Dautel Klone des „Pinot noir“ aus Frankreich nach Bönnigheim, weil diese ertragsgeringer angelegt waren und auf den hiesigen Böden und dem Klima im Südwesten die besseren Ergebnisse versprachen. Die älteste Spätburgunderanlage Dautels ist aus dem Jahr 1978.

Dass der Spätburgunder sein Versprechen auf einen erstklassigen Wein auch  hält, konnten die Gäste schon beim ersten Verkostungswein, dem 2016er Gutswein Spätburgunder, in Nase und Mund erleben. Alle vier Qualitätsstufen des Weinguts Dautel durften nacheinander probiert werden, was zu einigen „Ahs“ und „Ohs“ bei den Gästen führte. Alle sind aus reduziertem Anbau, in der Regel von Hand gelesen und werden auf der Maische vergoren, wobei meist die natürlichen Hefen den Anstoß zur Gärung geben und Zuchthefen erst dann eingesetzt werden, wenn die Richtung des Weins verstärkt oder korrigiert werden soll. Eine Neuerung bei diesem Wein ist die Klärung durch Sedimentation und nicht durch Filtrierung, wobei ein kleines Depot wie bei den französischen Weinen in der Flasche sein kann, was aber die Qualität eher unterstreicht. „Allerdings“, so Ernst Dautel, „ sind die hiesigen Weinkonsumenten an die leichte Trübung am  Flaschenboden noch nicht gewöhnt und verbinden dies oft mit negativen Erwartungen. Zumindest an diesem Nachmittag gab es keinen Gast, der sich daran störte.

Während der erste Wein sich als ein kerniger Essenbegleiter zu erkennen gab, zeigte sich der folgende Ortswein „Spätburgunder Schilfsandstein“ von 2015 schon reifer, weicher und runder, obwohl auch er durchaus noch Lagerfähigkeit besitzt. Ganz besonderen Wert legte der Hausherr auf das ausgewogene Süße- und Säurespiel seiner trockenen Weine, wobei er deutlich betonte, dass nicht die höheren Oechslegrade die höhere Qualität beim Spätburgunder ausmache. Starke Reduzierung des Lesegutes schaffe in jeder einzelnen Beere mehr Gehalt und damit mehr Qualität. Auch der richtige Zeitpunkt der Ernte spiele eine entscheidende Rolle. „Häufig bekommen zu spät geerntete Spätburgunder dann leicht einen marmeladigen, pflaumenbetonten Geschmack“, so Ernst Dautel.

 

Während die beiden letzten Spätburgunder des Nachmittags verkostet wurden, der eine aus der  Ersten Lage „Sonnenberg“ und ein Großes Gewächs vom „Forstberg“, erfuhren die Vinothekare noch allerhand über Grünveredlung, wobei Weißweinreiser auf Rotweinstöcke aufgepropft werden, oder über die Bedeutung der Barriquefässer, sowie die Terroirunterschiede. Aber auch die Rolle der Kirschessigfliege und die Nützlinge im Weinberg wurden angesprochen. Ernst Dautels umfangreiches Wissen, seine humorvolle und selbstkritische Art des Vortrags und die tiefen Einblicke in die Seele eines Herzblutwinzers rundeten auch dieses Kolleg für die Vinothekare und Gäste zu einem interessanten Fortbildungsnachmittag ab, wie Regine Jung in ihren Schlussworten betonte. 

Hannelore Tiedke

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 6.11.2017

 

Weinkolleg am 2. September - Blick hinter die Kellertüre mit Kellermeister Uwe Hirschmüller

Weinkolleg im Strombergkeller

 

„Blick hinter die Kellertür“ mit Kellermeister Uwe Hirschmüller

Zu einem nicht alltäglichen Besuch im Strombergkeller der Weingärtner Stromberg-Zabergäu hatten die Freunde der Vinothek am 2. September zum ersten Weinkolleg nach der Sommerpause eingeladen. Der „Blick hinter die Kellertür“ mit Kellermeister Uwe Hirschmüller gestaltete sich denn auch für die gut 30 Besucher zu einem sehr informativen Rundgang, bei dem alle wesentlichen Fragen, „wie der Wein in die Flasche kommt“ beantwortet und mit verschiedenen Kostproben verdeutlicht wurden

 

Der Rundgang durch die modernen Bönnigheimer Betriebsanlagen der mit 1100 Genossenschaftsmitgliedern momentan drittgrößten Weingärtnergenossenschaft (WG) in Württemberg  begann bei der Traubenannahme. Die im Ertrag stehende Weinbau-Betriebsfläche von rund 760 ha verteile sich etwa hälftig auf die Gemarkungen der 2012 fusionierten WGs in Bönnigheim und Brackenheim, so Hirschmüller. Bestockt seien die Flächen zu etwa 75 % mit Rotweinsorten und 25 % Weißweinsorten (neben neuen Sorten und Züchtungen vor allem Lemberger, Trollinger und Rote Burgundersorten, sowie Riesling, Müller-Thurgau, Kerner und Weiße Burgundersorten). Die Weinproduktion liege – je nach Jahrgang - bei durchschnittlich 8 bis 10 Mio. kg bei einem Jahrgangsabhängigen Durchschnittsertrag von 110 bis 140 kg/a. Traubenannahme und Weiterverarbeitung erfolgten Computergesteuert. Die durch das Abbeeren der Trauben entstehende Maische könne in 6 Rohrleitungssystemen den jeweiligen Verfahren zur Extraktion zugeführt werden. Die wertvollen Inhaltstoffe der Beeren, z.B. Farbe, Tannine, Phenole seien in der Schale konzentriert, es gelte, diese bestmöglich und schonend zu extrahieren und damit die Voraussetzungen für die verschiedenen Geschmacksprofile der Weine zu schaffen.

Rosé-Weine und Weißherbst stünden  vor der Gärung nur wenige Stunden auf der Maische. Dann würden sie abgepresst und der Most wie Weißwein vergoren. Deshalb zeichneten sich Roséweine durch den Körperreichtum und den Alkoholgehalt von Rotweinen aus, aber auch durch die Frische und die Fruchtigkeit eines Weißweins. Bei der thermischen Extraktion, die für die Basis-Qualitäten bei Rotweinen zum Einsatz komme, würden die Zellen bei 82 bis 85 Grad unter Druck für 2 bis 3 Minuten erhitzt und der Wein anschließend in Edelstahltanks vergoren; bei allen Rotweinen werde durch biologischen Säureabbau Stabilität und Sensorik verbessert. Als Kostprobe eines so vinifizierten Weines verkosteten die Besucher einen 2016er Bönnigheimer Sonnenberg Lemberger trocken, ein im Geschmacksprofil typischer, fruchtbetonter schwäbischer Rotwein. Bei der alkoholischen Extraktion durch die traditionelle Maischegärung wirke der entstehende Alkohol extrahierend. Wichtig sei, dass die Prozesse in geschlossenen Systemen abgewickelt würden, um den Zutritt von Sauerstoff zu verhindern, der u.a. zu Essigbildung führen könne. Bei der Maischegärung liege der Wein im Durchschnitt 2 bis 3 Wochen auf der Maische und werde dann im großen Holzfass und – je nach Qualitätsstufe – auch in gebrauchten Barriquefässern ausgebaut. So entstünden körperreiche, kräftige Rotweine, wofür der verkostete 2015er Rother Lemberger trocken ein wohlschmeckendes Beispiel lieferte. Die Frage nach einer Vermeidung zu hoher Alkoholgehalte nahm der Kellermeister zum Anlass, auf die Wichtigkeit des optimalen Lesezeitpunktes hinzuweisen, mit dem zu hohen Mostgewichten und damit der Tendenz zu höheren Alkoholgehalten begegnet werden könne.. Nicht der maximale Zuckergehalt der Trauben sei somit entscheidend, sondern die physiologische Reife, also die Ausgewogenheit der bestimmenden Qualitätsfaktoren wie Farbe, Phenolgehalt, Aromastoffe sowie Säuren und Zucker. Die Verkostung eines 2014er Epos Lemberger trocken, selektiert und Ertragsreduziert gelesen, Maischevergoren und im großen Holzfass und gebrauchten Barriquefässern ausgebaut, im Geschmack sehr ausgeprägt mit viel Kraft und Fülle, gab dann Anlass für eine vertiefende Diskussion, die die Vorsitzende der Weinfreunde Regine Jung mit dem Dank an Kellermeister Uwe Hirschmüller für „diese Kellerführung der Extraklasse“ abschloss.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 6.9.17

Weinkolleg am 1. Juli - Äußere Einflüsse auf den Weingenuss

Weinkolleg 1. Juli 2017

Werner Krapf: „Äußere Einflüsse auf den Weingeschmack“

 

 

 

Wer kennt nicht die folgende Situation: Man sitzt mit guten Freunden im Urlaub an einem herrlichen Sommerabend bei einem guten Glas Wein nach einem köstlichen Abendessen aus der Küche des Gastlandes und genießt den Sonnenuntergang. Selbstverständlich schmeckt der Wein umwerfend gut, so dass ganz klar ist: davon nehmen wir ein paar Flaschen mit auf die Heimreise um diesen Genuss auch auf der eigenen Terrasse fortzusetzen. Leider stellt sich dann oft heraus, dass der Wein vollkommen anders schmeckt. Nicht selten kehrt Enttäuschung ein und mancher glaubt, dass der Transport dem Wein nicht gut getan habe. „Der Wein passt sich der Umgebung an“, so Werner Krapf, der Referent des Juli-Weinkollegs in der Vinothek Bönnigheim. Unzählige Umwelteinflüsse wie Gerüche, Klima, sogar das Parfüm der Nachbarin beeinflussen den Weingenuss. Unsere eigene Stimmung und die psycho-sozialen Einflüsse trügen in weit größerem Maße als die reine Qualität des Weines zu unserem subjektiven Geschmackserlebnis bei, so der Referent weiter. Heiter und gespannt lauschten die etwa 20 Besucher des Weinkollegs dem Theorieteil, der auch die Einflüsse von Temperatur, der Beleuchtung und der Form sowie des Materials der Trinkgefäße thematisierte. Blaues Licht lässt Rotwein beispielsweise wasserklar erscheinen und so schmeckt der Wein dann auch nach Wasser. Während ein Weißwein in gleicher Beleuchtung kräftiger und wohlschmeckender werde, so Krapf zu der „Gehirnmanipulation“. In einem kleinen Abriss aus der Geschichte der Weingefäße zeigte der Referent auf, wie zunächst das Trinkhorn oder Tongefäße genutzt wurden, bis ca. 1600 Jahre vor Christus die Ägypter die Glasherstellung entwickelten. Warum Rotwein bei uns oft zu warm getrunken werde, erklärte Krapf so: Die Zimmertemperatur habe in der Zeit, als der Begriff entwickelt wurde, etwa bei 16- 18 Grad Celsius gelegen. Die Häuser waren kälter. Heute haben wir oft 20 - 24 Grad C in der Wohnung, weshalb der Rotwein oft zu warm getrunken werde. Dass das Weißweinglas kleiner sein sollte, wird ebenfalls mit der Temperatur begründet. Der Wein bleibe kühler, wenn er nicht zu lange im Glas sei.

Um die Besucher in die Praxis zu führen schenkte der Gastgeber ein und denselben Wein in sechs verschiedenen Gefäßen aus. Aus dem Kunststoffbecher, über das dickwandige Henkelglas, zum Wasserglas und dann zu verschiedenen Stilgläsern konnten die Gäste erleben, wie sich Geruch, Farbe und Geschmack tatsächlich veränderten. Beeindruckend war für alle, dass ein sehr hochwertiges Stielglas, dessen Oberfläche besonders behandelt wurde, gerade die Aromen am besten zur Geltung brachte. Die Gäste dankten Werner Krapf, unterstützt durch die wertschätzenden Schlussworte der neuen Vorstandsvorsitzenden Regine Jung, für dieses gelungene Weinkolleg

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 12. 7. 2017.

 

Weinkolleg "Sommerweine" vor Ort im Strombergkeller am 3. Juni

 

 

„Aus der Terrasse für die Terrasse“

 

Mit freundlichen Dankesworten begrüßte der Vorsitzende der „Freunde des Weines“, Hans-Joachim Jaeger die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weinkollegs am Pfingstsamstag in den schön kühlen Kellerräumen der Weingärtnergenossenschaft in Bönnigheim. Er danke nicht nur den etwa 25 Vinothekaren und Gästen, die sich zu Beginn des langen Wochenendes für diese Fortbildung interessierten, sondern auch den Gastgebern dafür, dass sie die angenehm kühlen Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Auch dankte er dafür, dass sie sich zu Dritt sich Zeit nähmen die Anwesenden in die Kategorie „Sommerweine“ einzuführen und damit ihre persönliche Wertschätzung für die ehrenamtliche Tätigkeit der Vinothekare zum Ausdruck brächten. Es standen nicht nur der Vorstand für Önologie und Technik, Albrecht Hauber, und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Händel für Information und Fragen zur Verfügung, sondern der Kellermeister Uwe Hirschmüller präsentierte persönlich die vier ausgewählten „Sommerweine“ den Gästen.

 

 

Albrecht Hauber stellte in „seiner Heimat, dem Weinkeller“ allerdings gleich klar, dass der Begriff „Sommerweine“ keine Kategorie für Weine darstelle, denn der Begriff ist nicht durch Kriterien definiert; anders als beim Sommertag, wovon die Meteorologen klimatologisch sprächen, wenn mindestens 25˚Celsius erreicht würden. Hier zog er auch die Verbindung zu den Weinbergen, wo inzwischen die Blüte bei den meisten Rebsorten in vollem Gange und bald abgeschlossen sei. Vorbehaltlich der Hoffnung, die Hauber aussprach, dass die angekündigten Wetterkapriolen wie Starkregen und Hagelschlag an der Region vorbeiziehen mögen.

Als erstes wurde der Riesling der Basisqualität aus der Literflasche verkostet, der mit seinen 11,5%vol. Alkohol, einer Restsüße von 5g/l und einer angenehmen erfrischenden Säure von 6g/l durchaus als „Durstlöscher“ für heiße Sommertage bezeichnet werden könne- dann allerdings mit der entsprechenden Menge Wasser, wie Hauber launig ergänzte. Anschließend probierten die Kolleggäste den Wein der Woche der Vinothek, den Rivaner trocken aus der Serie „Mann im Fass“. Rivaner ist die modernere Bezeichnung für den trockener ausgebauten Wein der Rebsorte Müller-Thurgau, die allerdings beim Verbraucher eher für halbtrockene oder süß-fruchtige Weine als Namensgeber bekannt sei. Nur noch 8% der Gesamtmenge mache dieser Wein aus, denn er brauche kräftige Boden, sei aufwändig in der Arbeit im Weinberg und oft der Wein, der im Dezember zur ersten Abfüllung komme, so Hirschmüller. Da aber der Trend zu süßfruchtigen Weinen anhalte, sei auch er eines der Nischenprodukte.

Noch intensiver sei der Aufwand im Weinberg und im Keller der spannenden und sensiblen Rebsorte Sauvignon Blanc, von der der Epos 2016 nun verkostet werden konnte. Hier brauche man 3-4 Lesetermine, damit zuerst die grünen, grasigen Noten, später dann die bis zu 90˚ Öchsle mitbringenden Trauben geerntet würden, damit auch die süßen, intensiven Maracuja-Noten eingefangen werden können. Im Keller muss dann mit Einsatz von Trockeneis unter Sauerstoffabschluss gearbeitet werden, um einen so hervorragenden Wein wie den Epos Sauvignon blanc 2016 in die Gläser zu bringen.

Zum Schluss des Weinkollegs kam der Trollinger Weißherbst aus besten Kirchheimer Steillagen in die Gläser. Ein Wein „aus der Terrasse für die Terrasse“, wie Hirschmüller elegant formulierte. Leider würden aufgrund der mühsamen Arbeit in den nächsten Jahren nicht alle Steillagen erhalten werden können, ergänzte Wolfgang Händel die Gedanken zu diesem Klassiker, der sowohl bei den Konsumenten wie auch bei den Prämierungen höchste Wertungen erhalte.

Der Dank der Vinothekare gilt diesem sich optimal ergänzenden Team der wie immer authentischen und offenen Gastgeber des Sommerweinkollegs.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 8. Juni 2017

Weinkolleg Weinbau in der Slowakei am 6. Mai

Weinbau in der Slowakei Thema beim Weinkolleg der Freunde der Vinothek 

Die Bönnigheimer Weinfreunde blickten beim jüngsten Weinkolleg mit Ulrich Bechtel „über den Grenzpfahl“ auf ein aufstrebendes Weinbaugebiet.

 

Seit Jahren, so der Vorsitzende Hans-Joachim Jaeger bei der Begrüßung der zahlreich erschienenen Weinfreunde, sei eine fortschreitende Globalisierung des Weinmarktes zu beobachten. „Wer hätte es in den hohen Zeiten der Rebflurbereinigungen, die die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Weinbau in Baden-Württemberg geschaffen haben, für möglich gehalten, dass heute der Weinmarkt in Deutschland zu etwa 50 % von ausländischen Weinen geprägt ist. Umso wichtiger ist es, „über den Grenzpfahl“ zu blicken und den Blick zu weiten“. Dabei sollten wir gerade auch solchen Anbaugebieten Aufmerksamkeit schenken, bei deren Nennung man nicht auf Anhieb an erfolgreichen Qualitätsweinbau denke, so Jaeger.

 

Ulrich Bechtel übernahm es dann, über seine Erfahrungen bei einer Weinreise 2016 zu berichten und zunächst mit einem Blick auf die geographischen Gegebenheiten der 1993 aus der Aufteilung der Tschechoslowakei gebildeten Slowakischen Republik mit einer Fläche von etwa 49.000 Quadratkilometern und rund 5,5 Millionen Einwohnern in das Thema einzuführen. Umschlossen von den angrenzenden Ländern Österreich, Ungarn, Ukraine, Polen und Tschechien sei das Land vom Gebirgszug der Karpaten und den Ausläufern der Ungarischen Tiefebene geprägt. Es herrsche Kontinentalklima mit heißen Sommern und kalten Wintern vor. Die Rebfläche liege bei etwas mehr als 20.000 Hektar (zum Vergleich: Württemberg ca. 11.400 ha) und verteile sich auf 6 Weinbauregionen, größtenteils im weiteren Umkreis um die Hauptstadt Bratislava gelegen. Den Schwerpunkt bilde mit Abstand, so der Referent weiter, die Produktion von Weißweinen mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln; die Erzeugung werde überwiegend national vermarktet, beispielsweise gebe es keinen nennenswerten Export nach Deutschland. Der Weinbau habe eine Jahrhundertealte Tradition und gehe auf die Kelten und Römer zurück. Nach dem 2. Weltkrieg seien im Wesentlichen billige Massenweine produziert worden, aber seit 2 bis 3 Jahrzehnten sei eine deutliche Hinwendung zur Qualitätsweinerzeugung zu beobachten, die von gut ausgebildeten, jungen und engagierten Önologen und Betriebswirtschaftlern verantwortet werde. Überraschend sei nicht nur der hohe bauliche und kellertechnische Standard in den besuchten Betrieben gewesen, sondern auch das Preisniveau, das im Schnitt deutlich höher liege, als bei unseren Genossenschaften. Sicher trage zu der positiven Entwicklung insbesondere in jüngerer Zeit auch die Förderung der EU bei, deren Mitglied die Slowakei seit 2004 sei. Eine der wichtigsten Anbauregionen seien die Kleinen Karpaten, nordöstlich von Bratislava gelegen, die an das österreichische Burgenland angrenzten, das auch die Weinbautradition deutlich präge. Das zeige sich schon an den vorherrschenden Rebsorten wie Welschriesling, Müller Thurgau und Veltliner sowie Blaufränkisch, Portugieser und St.Laurent, aber auch zunehmend Pinot Noir (Spätburgunder). „Hiervon sollten wir uns nun aber am


besten selbst überzeugen“ leitete Ulrich Bechtel zur Verkostung über, die die Weinfreunde einmütig sehr beeindruckte. Zur Beurteilung standen ein Terra Parna Modry Portugal, also ein Portugieser, Jahrgang 2012, ausdrucksstark und kräftig, dann ein sortentypischer, gehaltvoller Pinot Noir Jahrgang 2013 des Weingutes Mrva&Stanko, gefolgt von der sehr aromatischen und frischen Weissweincuvée 4 Elemente (aus Rheinriesling, Grüner Veltliner, Grauburgunder und Aurelius) Jahrgang 2013 von Karpatska Perla. Den krönenden Abschluss bildete eine Silvaner Selektion 2013 aus dem Weingut Vino Matysak, bei der Weinmesse in Paris als bester Silvaner Europas ausgezeichnet.

Mit herzlichem Beifall für den Referenten und dem Hinweis auf das nächste Weinkolleg am 3. Juni im Strombergkeller zum Thema „Sommerweine“ ging die sehr informative Veranstaltung zu Ende.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 18.5. 2017

Weinkolleg Wein und Tourismus am 8. April

Vinothek: Weinkolleg mit Regine Jung

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (09.04.2017)

Weinerlebnisse der besonderen Art

 

Besonders interessante und für viele der mehr als 30 Besucher des April-Weinkollegs neue Einblicke in die Aufgaben einer Weinerlebnisführerin gab die Vinothekarin Regine Jung in ihrem Vortrag am Samstag in der Vinothek in Bönnigheim.

Den Verein „Weinerlebnisführer Württemberg e.V.“ gibt es seit 2009 in Weinsberg. Es werden spannende Weintouren und Weinproben ebenso angeboten wie aufregende Kellerführungen und unterhaltsame Weinseminare.  Bereits 2008 führte das Weininstitut Württemberg und die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) die erste Ausbildung zum Weinerlebnisführer als Weinbotschafter für Württemberg durch.  Mehr als 150 Weinbotschafter wurden bisher ausgebildet und zertifiziert. Basis der anspruchsvollen Ausbildung ist eine 150 Stunden umfassende neunmonatige Schulung an insgesamt 30 Tagen. Schwerpunkte sind unter anderem Weinbau, Kellerwirtschaft, Sensorik, Ökologie, Flora und Fauna, sowie Geologie. Begleitend werden auch Grundkenntnisse in Didaktik und Kommunikation vermittelt. Erst nach abgelegter Prüfung können die weinkompetenten Gästeführer für die Region Württemberg tätig werden. Sie sollen als Partner der Weinwirtschaft und der Gemeinden weintouristische Dienstleistungen anbieten und so die Weinregion Württemberg für den Weintourismus erlebbar machen. In Bönnigheim sind sowohl die Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu als auch das Weingut Dautel Partner dieses Programms. Auch die 3-B-Städtepartnerschaft Bietigheim-Bönnigheim-Besigheim wird von den Weinerlebnisführern bestens versorgt.

Die Referentin selbst hat ihre Prüfung 2014 abgelegt und die Auszeichnung als Weinerlebnisführerin erhalten.Gäste und Vinothekare

Nach dem sehr heiter und kurzweilig vorgetragenen Einführungsteil, der durch Bilder und Schautafeln für die Zuhörer sehr abwechslungsreich und informativ dargeboten wurde, durften die Gäste einen 2015er Kirchheimer Trollinger feinherb, den Wein der Woche, verkosten. Ein erfrischender „ehrlicher“ Tollinger, mit dem Regine Jung gekonnt zum zweiten Teil ihres Vortrags überleitete. Sie berichtete von den vielen Erlebnis-Möglichkeiten, die die Weinbotschafter zur Belebung des Weintourismus in Württemberg anbieten.

So gibt es mehr als 300 sehr abwechslungsreiche Weinerlebnistouren zu Fuß, per Rad oder Segway, im Planwagen, dem Oldtimerbus oder auf Neckarschiffen. Sogar im Kanu kann man Württemberg erleben. Natürlich werden auch die verschiedensten  Sekte und Weine verkostet und regionale Spezialitäten angeboten. Da steht eine Steillagentour neben einem „Krimi im Weinkeller“, das Wandern mit dem Esel auf den Michaelsberg neben Führungen im Weinberg zu allen Jahreszeiten. Gern gebucht werden auch die aktiven Touren, bei denen Rätschenwettbewerbe ausgetragen werden, das Buttentragen im Steilhang ausprobiert wird oder in Steillagen Pfähle gesetzt werden. „Wer solches einmal selbst gemacht hat- und das vielleicht bei 40 Grad Celsius im Sonnenhang- schätzt die Weine der Region hinterher noch viel mehr!“, so Regine Jung. Mehr als 180.000 Gäste haben ein solches „Weinerlebnis der besonderen Art“, das an allen Wochenenden im Jahr stattfindet, bereits kennen und schätzen gelernt. Weitere Informationen gibt es unter www.weinerlebnistour.de , der Homepage des Vereins. Bevor die Referentin ihren verdienten Applaus von den begeisterten Gästen des Weinkollegs entgegennahm, mussten alle noch eine „Klausur“ schreiben, bei der das Lösungswort „SPASS“ sehr treffend den kurzweiligen Nachmittag umriss.

Weinkolleg "Weinbau im Wandel" am 4. März

 

 

 

Faszinierende Einblicke in die Geschichte des Weinbaus

 

Einen historischen Abriss des Weinbaus erhielten die ca. 30 Gäste und Vinothekare, die sich am vergangenen Samstag in der gut gefüllten Vinothek eingefunden hatten. Mit großer Sachkunde schlug Gerhard Krapf aus Brackenheim, seit 2009 Mitglied bei den Vinothekaren, den Bogen von den ersten als Versteinerung in Tiermägen gefundenen Traubenkernen, die aus einer Zeit von vor 140 Mio. Jahren stammen, über die Weinbaufähigkeiten der Römer, die bei Ihrer Besetzung Ägyptens die Kulturpflanze mitbrachten, bis in die Neuzeit. Wildreben waren schon in der Altsteinzeit in unseren Regionen heimisch, was nicht heißt, dass es Weinbau gegeben hätte. Erst durch Selektion der Wildreben und Bodenkultivierung wurde aus der Urform der Rebe die Kulturform, der Weinstock als Arbor Vitae, der „Baum des Lebens“. So sei es auch nicht verwunderlich, dass der Wein 224 mal in der Bibel vorkomme, so Krapf. Der Hinweis, dass Buninchheim/Bönnigheim bereits im Jahr 793 in der Schenkungsurkunde der Nonne Hilteburg aus dem rheinfränkischen Kloster Lorsch mit zwei Weinbergen am Michaelsberg erwähnt wird, löste doch Erstaunen bei einigen Besuchern des Kollegs aus. Rasch führte Gerhard Krapf durch die Zeit des Ganerbiats, in der die Ganerben 1656 eine Weinordnung  für die Bönnigheimer Untertanen erließen, in der der Herbstablauf bis ins kleinste Detail geregelt war. Für Interessierte sei die Bönnigheimer Geschichte des Weins im Bönnigheimer nachzulesen im Stadtbuch: „Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt“, so Krapf. Auf dem Rathaus gebe es noch einige Exemplare.

In seinem zweiten Teil ging der Referent dann auf die Krankheiten der Reben und auf die Bekämpfungsversuche in der Geschichte und in der Neuzeit ein. Kurioses wurde hier berichtet. So war zu erfahren, dass die Reblaus schon 1863 aus Nordamerika eingeschleust wurde und immer noch bekämpft werden muss. Auch die Aufzählung der „Gegengifte“ gegen Mehltau, Viren und andere Krankheiten löste Kopfschütteln aus. So wurde in den frühen Jahren des Weinbaus in reichlichen Mengen mit Nicotinbrühe, Schmierseife, Kupfer und Schwefel, ja sogar mit Arsen - es gab Tote- und später mit  E-605 großzügig experimentiert. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Jetzt werden die Rechtsvorschriften der Weingesetze, deren Einhaltung von der CVUA, einer nachgeordneten Dienststelle des Ministeriums für ländlichen Raum in Baden-Württemberg sorgfältig überwacht.

Der letzte Bereich des Referenten befasste sich dann mit den vielfältigen Facetten der Weinverarbeitung in Vergangenheit und Gegenwart, wobei deutlich wurde, dass die Weine heute reiner, puristischer und ohne die vielfältigen Zusätze, wie algerische Färberweine und Zuckerzugaben produziert werden. Als Krapf von seinen persönlichen Erfahrungen berichtete, wie er als kleiner Bub mit einer brennenden Kerze ins Holzfass gesteckt wurde um mit Wasser und Wurzelbürste diese Fässer auszuschrubben, wurde allen Zuhörern deutlich, dass die Arbeit im Weinberg und im Keller heute durch die technischen Fortschritte um einiges erleichtert werden konnte. Dennoch gehen manche Winzer zu den Wurzeln zurück und produzieren Weine, deren Weinberge sie der Natur überlassen, die in feuchten Jahren sogar von Schafen beweidet werden.  Einen solchen Riesling und einen Lemberger mit dem Namen „Wildwuchs“, bei dem die Reben nicht geschnitten werden und deshalb besonders kleine, aromatische Beeren hervorbringen, hatte Gerhard Krapf zum Verkosten vom Weingut Wolf in Hausen mitgebracht. Nicht nur dafür erhielt der fachkundige Referent sehr viel Beifall, Lob und große Anerkennung von seinen Zuhörern und dem Vorsitzenden Hans-Joachim Jaeger in dessen wertschätzenden Dankesworten.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 7. 3. 2017

Weinkolleg "rote Spezialitäten" am 11. Februar

 

Erstes Weinkolleg im neuen Jahr

 

 

Mit besonderer Spannung erwarteten die Weinfreunde Bönnigheims das erste Weinkolleg des Jahres. Nahezu 30 der ehrenamtlichen Vinothekare und Vinothekarinnen sowie zahlreiche Gäste des für alle offenen Weinkollegs hatten sich am Samstagnachmittag in der Weinkellerei Kölle im Schmiedsberger Weg eingefunden. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Vorsitzenden Hans-Joachim Jaeger und den Hausherren, Heinz Kölle, wurde schnell mit einem vier Sterne Pinot-Meunier „Paradies“ des Jahrgangs 2013 in den Praxisteil übergeleitet.

Der Schwarzriesling, eine Burgundersorte, ist schon immer ein wichtiger Bestandteil (etwa ein Drittel) des echten Champagners. Bei uns bis vor wenigen Jahren eigentlich nur als „Vierteleswein“ in Basisqualität bekannt. Junge Weintrinker heute bevorzugen eher geringere Mengen, dafür aber hochwertigere Weine. So entwickelte Heinz Kölle nicht nur eine Abgrenzung zum Basiswein, sondern auch ein völlig anderes Produktionsverfahren für seinen Pinot Meunier. Schon die Traubenmenge wird bei ihm um 50% reduziert, indem im Wachstumsstadium der Trauben, wenn sie eine Beerengröße von etwa Erbsen erreicht haben, die Trauben halbiert werden, andere werden ganz herausgeschnitten. Einer schonenden Weinlese, dieser Auslesequalität folgt eine längere, klassische Maischegärung. Nach dem Abpressen im Dezember darf der „Rohwein“ sich nochmals 14 Tage absetzen, bevor er für mindestens ein Jahr in alte Barrique- oder größere Holzfässer kommt, die als Reifeinstrument nur noch einen sehr zarten Holzton abgeben.

Heute funkelt er rubinrot in den Gläsern der Weinfreunde und entfaltet einen herrlichen Duft nach dunklen Beeren und schwarzen Kirschen. Schnell ist man sich einig, dass dieser Wein ein ganz besonders gelungenes Produkt des Hauses ist. Schön trocken legt er sich an Zunge und Gaumen, überrascht bei einem Säuregehalt von 4 % und einen Restzucker von 0,0g/l mit seiner herrlichen Fülle. Bei einem Alkoholgehalt von 13,5 vol.% ein Wein für Genießer!

Besonders spannend war die Idee des Hausherren seine Gäste diesmal einen Pinot Meunier des Jahrgangs 2015 aus der gleichen Edition als Gegenüber kosten zu lassen. In der Herstellung nahezu gleich- nur ein wenig kürzer auf der Maische, so dass ein Restzuckergehalt von 3g/l geblieben ist- ist dieser Jahrgang deutlich weicher, aber auch noch nicht so kräftig und charaktervoll wie sein Vorgänger von 2013. Da der Ertrag von 2014 keinen vier Sterne Pinot Meunier ermöglichte, müssen die Weinkenner den 2015er noch selbst in den Keller legen, dann rechtzeitig dekantieren um in ein oder zwei Jahren einen ebenso kräftig strukturierten Wein wie den 2013er genießen zu können.

 

Zum Schluss des Weinkollegs bedankte sich der Vorsitzende der Freunde der Vinothek, Hans-Joachim Jaeger, sehr herzlich für den interessanten Nachmittag und den Einblick in die Arbeit und die Philosophie des Erzeugers. Zum bald anstehenden fünfzigsten Geburtstag wünschte er ihm, dass sein Elan und seine Freude an der Arbeit lange erhalten bleiben möge, damit er weiterhin mit Neugier und Kreativität so hervorragende Weine produzieren werde.