Wein-Erlebnisse

Weinkollegs 2021

Weinkolleg vor Ort, Samstag, 10. Juli 2021 im Weingut Dautel, Bönnigheim

Bei schönstem Wetter im herrlich schattigen Innenhof des Weingutes Dautel in Bönnigheim trafen sich 15 Vinothekare und auch einige Gäste zum ersten „Weinkolleg vor Ort“ der „Freunde der Vinothek Bönnigheim“. Sehr herzlich begrüßten Jungchef Christian Dautel und seine Mutter Hannelore ihre Gäste zu dieser ersten Fortbildungsveranstaltung -nach immerhin 16 Monaten Pause im gemütlichen Rund der weißen Stehtische unter blauem Himmel.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstandvorsitzenden Manfred Schmälzle übernahm Chistian Dautel sofort das Thema: „Die Bedeutung der Lage und des Terroirs für einen Württemberger Riesling am Beispiel des Besigheimer Wurmberg trocken aus erster Lage.“

Um auch die Unterschiede von gleichen Weinen unterschiedlicher Jahrgänge mit allen Sinnen erfahren zu können, kredenzte der Referent zunächst den zart goldgelb schimmernden Riesling des Jahrgangs 2017 seinen Zuhörern. Diese in der Lage Wurmberg im Gewann Niedernberg Besigheim wachsende Rebstöcke reifen im Vergleich zu den umliegenden Rieslingen, die auf Schilfsandstein oder Gipskeuper angebaut werden, auf dem „super speziellen Muschelkalk“, so Christian Dautel. Die in der Bearbeitung zu flacheren Weinlagen vier- bis fünfmal so aufwendige steile Terrassenlage etwa 230m über dem Neckartal, bietet dem Weingut beste Lagenweine wie dieser Wurmberg trocken aus Erster Lage. Viele Rebstöcke sind hier 60 bis 80 Jahre alt. Erkennbar sind diese Grand Cru- und Erste Lagen-Weine des Hauses an ihren goldenen Kapseln, während die Stufen weiße und schwarze Kapseln den Gutsweinen und den Ortsweinen vorbehalten sind.

Bei der Vinifizierung legt Dautel Wert auf Spontanvergährung seiner Trauben, ein kleiner Teil kommt ins Holzfass, ansonsten wird mit Edelstahltanks gearbeitet. Obwohl 2017 ein sehr „warmer Jahrgang“ gewesen sei, hat der Riesling eine gute Säure und könne als schlanker Riesling beschrieben werden. Alle Trauben für jeden Jahrgang werden an einem Tag gelesen, wobei in der Regel zwei Durchgänge notwendig sind, um nur die besten Trauben für diese edlen Weine in den Keller zu bekommen. Da Dautels seit einigen Jahren auf den ökologischen Weinbau umstellen, werden die ca. 70 Ar Fläche nicht mit Herbiziden behandelt, sondern auch hier wird von Hand gemäht. Beim Spritzen ist an einen Zusammenschluss mit umliegenden Winzern gedacht, um kooperativ mit dem Hubschrauber arbeiten zu können. Als Plan B ist auch an ein Spritzen mit Drohnen gedacht, wie dies in einigen sehr steilen Weinregionen wie zum Beispiel dem Schweizer Wallis schon praktiziert wird.

Mit dem Wurmberg Riesling trocken des Jahrgangs 2019 verkosteten die Weinkolleg-Teilnehmer einen völlig anderen Wein. Deutlich heller im Glas, in der Nase erkennbar reduktive Aromen, die mit weiterer Flaschenreife im eigenen Keller daheim sich weiter verwandeln werden, entwickelte sich dieser Riesling „viel gradliniger und deutlich schlanker“ auf der Zunge und im Abgang. Ein schöner Körper, viel Dichte und schöne Frucht zeichnen diesen Wein aus oder wie Christian Dautel abschließend bekannte: „2019, ein super Riesling-Jahr“

Dass der alte Rebenbestand am Wurmberg, hier wachsen Reben, die bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gepflanzt wurden, ist auch den Freunden der Vinothek ein besonderes Anliegen. Immerhin gebe es nirgends in Deutschland so viele Trockenmauern wie im Landkreis Ludwigsburg betonte Dautel, auch wenn alles von Hand über die 175 Treppenstufen bei teilweise 35 Grad Celsius bearbeitet werden müsse. Dennoch seien die Lagen hervorragend für Weißweine geeignet. So erinnerten sich einige Kollegteilnehmer auch an die Grünveredlung eines Weinbergs, in dem bisher Merlot gestanden hatte. Hier war der alte Stock bis auf ein Auge abgesägt worden und dann das neue Chardonnay-Grünholz aufgepropft. Andere Wengert wurden ganz gerodet, lagen dann vier Jahre brach und sind erst 2018 neu bepflanzt worden. So sind auch dies jetzt ebenfalls beste Böden für elegante Rieslinge, Chardonnays oder den Cabernet Blanc, denen die wärmespeichernden Trockenmauern, von denen 125 Meter neu aufgeschichtet wurden, außerordentlich gut bekommen. Durch diese Arbeit wird eine Landschaft erhalten, die unsere Gegend prägt und kennzeichnet. Dass bei dieser intensiven Landschaftspflege und die Härte der Arbeit viel Idealismus gefragt ist und der Preis für diese Weine deutlich höher sein müsste, ist allen Anwesenden erneut deutlich geworden und der Respekt der Zuhörer für diese Arbeit unserer Wengerter sowie die Wertschätzung für die tollen Weine wurde in den Schlussworten von Manfred Schmälzle nochmals deutlich hervorgehoben.

Mit großem Applaus und dankenden Worten verabschiedeten sich die Gäste für diese gelungene Fortbildung bei Christian und Hannelore Dautel.

 

Text und Fotos: Hannelore Tiedke

Impressionen vom Weingut Dautel bei schönstem Wetter