Wein-Erlebnisse

Startseite> Tourismus & Wein> Reizvoll> Wein> Vinothek> Veranstaltungen> Weinkollegs 2019 - Vinothek vor Ort

Weinkollegs 2019 - Vinothek vor Ort

Weinkolleg mit Lothar Neumann: Chancen und Risiken bei der Neuanpflanzung im Weinberg

Samstag, 11. Mai 2019: Das, was getrunken wird, muss angebaut werden

 

Das Juni-Weinkolleg für die Vinothekare der Vinothek Bönnigheim fand dieses Mal in den Weinbergen statt. Der Treffpunkt bei der Schutzhüte Steingrübe war von der Vorsitzenden Regine Jung klug gewählt, da dicke Regenwolken sich mit der Sonne immer wieder ablösten und die gespannt lauschenden Zuhörer immer wieder einmal mit ein paar Tropfen von oben benetzten. Referent zu den Überlegungen der Winzer, welchen Wein sie wo und wann neu anpflanzen wollen war Lothar Neumann. Neumann, ein gelernter Winzer und dem an der Hochschule Geisenheim abgelegten Examen in Önologie ist in der Erwachsenenbildung als Dozent tätig für die Weinerlebnisführer aber auch Berater für Landwirte und Weinbauern vor Ort. Beschäftigt ist er beim Landratsamt Heilbronn im Landwirtschaftsamt.

 

Seinen Vortrag für die Vinothekare eröffnete er mit der Frage, welche Entscheidungskriterien ein Wengerter haben muss, wenn er einen Weinberg neu erwerben oder pachten möchte. Außer dem Bodenpreis- der laut Neumann in den letzten Jahren moderater geworden sei und der Bodenbeschaffenheit, sowie der Ausrichtung auf eine mögliche Süd-Westlage, sei die Steilheit des Weinbergs und damit die Bearbeitungsintensität ein Hauptkriterium. Wenn ein Weinbauer davon leben müsse, benötige er heute ca. 15 bis 20 Hektar, so Neumann.

 

Im weiteren Verlauf der Fortbildung für die Freunde der Vinothek ging Neumann auf die Sortenwahl, die Veredelungsmöglichkeiten und die vorbereitende Bodenbearbeitung einer Neuanlage ein. Es sei eigentlich ganz einfach: „Das, was der Verbraucher trinken möchte, muss angebaut werden“, so Neumanns scheinbar simple Philosophie. Jedoch wisse heute niemand, was den Weinkonsumenten in zehn oder 20 Jahren schmecken wird, schränkte er seine erste These gewaltig ein. Immerhin können gesunde Reben 50 oder mehr Jahre gute Erträge bringen und niemand wisse heute, welche Tendenzen im Konsumverhalten dann vorherrschten. An dieser Stelle bemängelte Neumann auch den von ihm so genannten „Discountismus“, der nicht nur für Geräte und Sportausstattungen, die nicht mehr in den kleinen Fachgeschäften erworben würden, sondern auch für die Sonderangebote für Wein beim Discounter gelte. Auch dies gehöre zu den Risiken, die unsere Winzer alle eingehen müssten, klärte der Referent auf.

 

Eine besondere Form der Neuanlage konnte Neumann den Vinothekaren direkt im Wengert zeigen. Hier ist eine ältere Muskatelleranlage radikal erneuert worden, indem eine andere Weinsorte auf die alten, abgesägten Weinstöcke gepfropft wurden. Diese Form der „Standortveredelung“ sei auch möglich, um auf einem Weißwein-Wengert nun Rotwein anzubauen. Besonders gut gelinge diese Form der Neuanlage in warmen Jahren, wie beispielsweise 2018 eines war.

 

Zu beachten sei wegen der Frostgefahr, dass spät reifende Sorten wie z.B. Trollinger oder Cabernet Sauvignon nie in Tallagen gepflanzt werden dürfen. Durch die gemeinsame Verkostung des Bioweines „Cabernet Blanc“- eine Piwi-(pilzwiderstandsfähige)Sorte von der WG Stromberg-Zabergäu angeregt, ging Neumann im Folgenden auf die Bodenbeschaffenheit und die vorbereitende Bearbeitung bei einer Neubepflanzung ein. Ein besonderes Problem seien Viren, die sich lange Jahre im Boden halten und von Nematoden in die Neupflanzen übertragen werden können. Da helfe oft nur eine dreijährige Brache und ein drei Spaten tiefes so genanntes „Rigolen“ bei tiefen Bodenverdichtungen. Diese sehr mühsame Umgrabe-Technik sollte dann von einer Gründung-Bepflanzung, z. B. Lupinen unterstützt werden, um zu verhindern, dass der Stickstoff während der Brache ausgewaschen wird.

 

In einem letzten Gedankengang zeigte Neumann seinen Zuhörerinnen und Zuhörern die Möglichkeiten der Crispr-Cas9-Methode auf, bei der im Pflanzen-Gen durch Herausschneiden von pilzanfälligen Bestandteilen und das Einsetzen von pilzresistenten Genteilen, neue Rebpflanzen entstehen könnten. Neumann dachte dabei z. B. an einen Piwi-Riesling. Dies könnte dazu führen, dass viel weniger Pflanzenschutzmittel im Weinbau eingesetzt werden müssten. Eine gezielte Erbgutveränderung werde jedoch weltweit sehr kontrovers diskutiert und der Europäische Gerichtshof hat 2018 das weitere Anbauen gentechnisch veränderter (GV) Pflanzen in Deutschland verboten. Dadurch sei natürlich auch das Weiterforschen an dieser Genschere bei uns deutlich eingeschränkt und die Möglichkeit des Reduzierens der Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu anderen Nationen wie beispielsweise den USA nicht möglich. Da allerdings auch die Freunde der Vinothek diese „Büchse der Pandora“ nicht weiter öffnen wollten und vom Michaelsberg dicke grauschwarze Wolken ein Unwetter ankündigten, verabschiedeten sich die Vinothekare nach gut zwei Stunden hochqualifizierter Information mit großem Applaus und einer guten Flasche Rotwein von Lothar Neumann.

 

Text und Fotos: Hannelore Tiedke

Eindrücke aus dem Weinberg

Weinkolleg im April 2019 mit Rolf Häusser: Ökoweinbau - nicht immer hilft der Mondkalender

Samstag, 6. April 2019

Mit Rolf Häusser, einem Weinproduzenten des Ökologischen Weinbaus der ersten Stunde und Mitglied der „Freunde der Vinothek“, konnte die Vorsitzende der Vinothek Bönnigheim, Regine Jung, erneut einen hochqualifizierten Referenten für das monatliche Weinkolleg gewinnen. Sein Thema, „Der ökologische Weinbau“, fand großen Anklang bei den Vinothekaren und Gästen, zumal drei verschiedene Bioweine zur Verkostung anstanden. Zunächst schimmerte der 17er Riesling „N“ in den Gläsern. Das „N“ steht für einen Naturwein, der von der WG Stromberg-Zabergäu im Jahr 2012 erstmals ausgebaut wurde. Hier erläuterte Rolf Häusser die Besonderheiten, die bei den Bioweinen beim Ausbau zum Tragen kommen. Handernte nur äußerst gesunder Trauben, kurze Maischestandzeit und ab dem Moststadium wird der Wein durch kontrolliertes „Nichtstun“ gepflegt. Der Most vergärt also nur durch Hefen, die aus dem Weinberg mitgebracht werden, diese sind auch als „Wildhefen“ bekannt. Da diese Hefen den Fruchtzucker nicht so leicht zu Alkohol umbauen können, geht die Gärung sehr langsam vor sich, kann bis Mitte Januar andauern, wenn im Oktober geerntet wurde. Nach dem Verkosten war man sich in der Kollegrunde einig: die fruchtige Aromatik nach reifem Apfel und einem Hauch Pfirsich, die Mineralik des Keuperbodens und die fein eingebundenen Süße in eine harmonische Säure haben einen Bio-Riesling in die Gläser gezaubert, der ganz einfach überzeugt.

 

Im weiteren Verlauf des Kollegs ging Rolf Häusser auf die europäischen Öko-Richtlinen für die Erzeugung von Öko-Trauben ein. Es dürfen keine leicht löslichen Düngemittel, keine chemischen Pflanzenschutzmittel und keine Herbizide im Weinberg eingesetzt werden. Seit 2008 gibt es auch Richtlinien für die Kellerwirtschaft. Dies alles wird äußerst streng kontrolliert – auch unangekündigt, wie Häusser selbst immer wieder erfahren hat. Für das Gelingen dieser Bioweine wird sehr stark auf geschlossenen Betriebsabläufe, den Schutz der natürlichen Ressourcen, sowie die Stärkung der Pflanzen geachtet. Außerdem liegt das Augenmerk auf Biodiversität und Klimaschutz. Mittel hierzu sind: Gründüngung, Brache-Begrünung, behutsame Bodenbearbeitung und die Stärkung der Reben zur Gesunderhaltung.

 

Eine besondere Beachtung legte Häusser in seinem Referat auf die Züchtung der so genannten „PiWi“-Sorten. Diese Resistenzüchtungen gegen Pilze und ihre Widerstandfähigkeit gegen verschiedene Schädlingsgene sind für den ökologischen Weinbau unverzichtbar. Wenn man allerdings weiß, dass dieser Prozess im Schnitt 18 Jahre dauert, ist erkennbar, dass es zur Zeit noch zu wenige Rebsorten für unsere Böden und Klimabedingungen gibt. Besonders fehlen spät reifende Sorten. Rolf Häusser kredenzte seinen Gästen einen 18er Cabernet Blanc, der neben den Sorten Regent, Muskaris, Johanniter und Solaris in der Region angebaut wird. In Bönnigheim hat sich der Cabernet Blanc durchgesetzt. Er hat eine Ähnlichkeit mit dem Sauvignon Blanc, besticht durch feine grüne Aromen und ist ein sehr mundiger, frischer Sommerwein, auf den sich alle Weinliebhaber schon für die beginnende Spargelzeit und die lauen Sommerabende freuen können.

Von Häusser erfuhren die Zuhörer, dass nur 4% der Rebfläche für ökologischen Weinbau verwendet wird und rund die Hälfte der Ökowengerter in einem Verband organisiert sind. Die bekanntesten sind Ecovin, Naturland, Bioland und seit ca. 20 Jahren auch der Demeter-Verband. „Alle haben sich nahezu die gleichen Richtlinien gegeben“, so Häusser weiter „und diese sind alle strenger als die EU-Richtlinien.“

 

In sehr lebhafter Diskussion beantwortete der Referent die vielen Fragen der äußerst interessierten Zuhörer. Zur Düngung können beispielweise Hornmehl oder andere organische Stoffe eingesetzt werden, im Pflanzenschutz bieten sich pflanzliche Öle wie Raps- und Orangenöl oder auch Backpulver an. Jedoch sei in begrenzter Menge auch Kupfer notwendig. Allerdings trage der Öko-Weinbauer, besonders in nassen Sommern immer das Risiko, dass die Ernteausfälle durch Fäulnis und Pilzbefall auch ruinös für den Betrieb sein können. „Da hilft dann auch kein Mondkalender“, wie eine Zuhörerin anmerkte.

Nach abschließender Darlegung was in der Weinverarbeitung alles zulässig und was alles verboten ist, probierten die Weinkollegianer nach diesem gehaltvollen Vortrag am Ende noch den Öko-Lemberger trocken von 2016 und kamen zum Schluss, dass dieser Bio-Wein mit seinen konventionell erzeugten Brüdern absolut mithalten kann, manche gar übertrifft. Mit sehr wertschätzendem Applaus bedankten sich die Vorsitzende der Freunde der Vinothek, die Vinothekare und die Gäste bei Rolf Häusser für diese gelungene Fortbildungsveranstaltung.

 

Text und Fotos: Hannelore Tiedke

Ökoweinbau - Vortrag von Rolf Häussler

Weinkolleg März 2019 - noch mal vor Ort beim Weingut Kölle - dieses Mal mit einer Jungweinprobe

15 Jungweine des Jahrgangs 2018 und einen Winzersekt probiert

 

Zur ersten Jungweinprobe hatte Heinz Kölle jun. die  Vinothekare und Vinothekarinnen der Bönnigheimer Vinothek eingeladen und dabei auch die Studentin des Hauses, seine Tochter,  als Assistentin mitgebracht. Svenja Kölle studiert im dritten Semester Weinbau und Önologie an der Hochschule Geisenheim im Hessischen Rheingau. Sie hat nach Abschluss ihrer Praktika in Baden Württemberg und in Franken in diesem Jahr ihre erste eigene Weißweincuvée für die elterliche Weinkellerei kreiert.

 

Doch zunächst wurden die Gäste mit einem 18er Rohsekt „brut natur“ empfangen. Der in der Flasche vergorene Lemberger Weißherbst Winzersekt enthält noch den trüben Hefesatz, d.h. er ist noch nicht degorgiert. Jedoch präsentiert er sich schon jetzt in einem leuchtenden Himbeer-Roséton und einer ausgesprochen feinen geschmacklichen Komplexität mit feinsten Moussierperlen, was bei allen Gästen ein anerkennend zustimmendes Nicken auslöste. Dermaßen eingestimmt konnte nun die eigentliche Weinprobe der insgesamt 15 Jungweine beginnen. Neun Weißweine und sechs rote Sorten zeigten den fachkundigen Verkostern die Besonderheiten und die Qualität des Hochsommerjahrgangs 2018.

 

In den angeregten Diskussionen und anerkennenden Bewertungen wurde die schon jetzt erkennbare erstaunliche Reife der noch in den Fässern lagernden Weine, die zum Teil nochmals filtriert werden, hervorgehoben.  Ein Merkmal dieses Jahrgangs sind die hohen Alkoholwerte – auch der Weißweinsorten. Erstaunliche Oechslegrade bei der Lese, die oft nur in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden konnte, haben ein Lesegut aus vollreifen Trauben in die Keller beschert. So konnte die von Svenja Kölle entwickelte Cuvée aus 50 Jahre alten Grauburgunder-Rebstöcken nur durch die Vermischung mit einem leichteren Weißburgunder von den ursprünglich 16% vol. Alkohol etwas „heruntergetunt“ werden. Die bereits von der Jungwinzerin sehr stark reduzierten Grauburgundertrauben hatten nämlich durch den Hagelschlag im Juli eine weitere Ertragsminderung erfahren, so dass bei der Ernte nahezu utopische Oechslewerte gemessen wurden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass nach den Möglichkeiten des Alkoholentzugs bei Weinen beim Kellermeister nachgefragt wurde.  Fachkundig erklärte Heinz Kölle die verschiedenen  Methoden, wie beispielsweise die der  Vacuumverdampfung den wissensdurstigen Vinothekaren, die dann jedoch die Möglichkeit jedes Weintrinkers erwähnten, einfach die entsprechende Wassermenge zu jedem Glas Wein zu trinken.

 

Besondere Anerkennung fanden bei den Gästen die trockenen Weine des Hauses Kölle, von denen einige noch eine längere Reifezeit in den Holzfässern gut vertragen können, bevor sie auf Flaschen gezogen in den Verkauf gelangen werden. Regine Jung, die Vorsitzende der Vinothek, bedankte sich nach mehr als drei Stunden beim Gastgeber für die wertschätzende Zusammenarbeit mit den „Freuden der Vinothek“, die großzügige Gastfreundschaft und die kompetent vorgetragenen und lehrreichen Informationen, die die Vinothekare ein weiteres Mal erfahren durften.

 

Hannelore Tiedke

Impressionen aus der Jungweinprobe

Weinkolleg Februar 2019 - Weinkenner vor Ort - die Vinothekare beim Weingut Kölle in Bönnigheim - Ausschnitt aus der Bietigheimer Zeitung vom 11. Februar 2019

Vinothek vor Ort
Vinothek vor Ort