Wein-Erlebnisse

Weinkolleg November 2018: Trollinger, der verkannte einstige Lieblingssohn der Weinfamilie

Das November-Weinkolleg der Freunde der Vinothek Bönnigheim lockte fast 40 Weinfreunde in die Kellerei der WG Stromberg-Zabergäu. Selbst für Kellermeister Uwe Hirschmüller war das große Interesse am oft verkannten einstigen Lieblingssohn der Schwaben, dem Trollinger, ein besonders bewundernder Willkommensgruß wert.

Interessant für alle Weinfreunde waren die Ausführungen Hirschmüllers zu den Möglichkeiten eines Kellermeisters aus einer Weinsorte –hier dem Trollinger- aus ein und der selben Lage, den Kirchheimer Stillagen, zwei so unterschiedliche Weine erzeugen zu können. Zuerst durften die Gäste den 2017 Trollinger feinherb aus dem Kirchheimer Kirchberg verkosten. Ein ehrlicher Trollinger, dessen Preis-Leistungsverhältnis außerordentlich fair und kundenfreundlich ist und als leichter, halbtrockener Wein gerne auch mal gekühlt getrunken werden kann. Den zweiten Wein hätte Uwe Hirschmüller gerne als Blindverkostung angeboten, zumal er schon in der Farbe, als auch bei den Aromen und erst recht auf der Zunge eine Überraschung nach der anderen bot. „Grundbedingung für beide Weine ist absolut gesundes Lesegut“, so der Kellermeister. Außerdem seien beide natürlich von Hand gelesen, wie das in den Steillagen üblich ist. Die Trauben des trockenen Premiumtrollingers sind aus den alten Anlagen, welche von Haus aus schon einen geringeren Ertrag haben. Außerdem werden nur die kleinen, etwa faustgroßen Trollingertrauben mit den kleinen Beeren in kleinen Kisten gelesen, so dass dieses aromenintensive Lesegut völlige verletzungsfrei bei ihm im Keller ankomme. Um diese unterschiedliche Stilistik jedoch ins Glas zu bringen, zeigte Hirschmüller die unterschiedlichen Verfahren der Rotweinherstellung nun für die Vinothekare und Gäste auf. So wird der erste Trollinger nach dem Erwärmen der Maische auf ca 60˚C  wieder heruntergekühlt und nach einer nächtlichen Standzeit abgepresst, so dass der klassische ziegelrote Farbton entsteht. Nach dem Gärprozess, bei dem der Zucker in der Regel durchvergoren wird, lagert dieser Wein bis zur Abfüllung in großen Tanks und bekommt seine Restsüße über die selbst hergestellte Süßreserve vor der Abfüllung zugesetzt. Der trockene Premiumtrollinger entsteht durch den Maischeansatz der zunächst ca. 5 Tage durch Kaltmazeration ohne Alkohol steht, mit Hefe zur Gährung gebracht wird und nach kurzer Nachextration dann in gebrauchte Barriquefässer gelegt wird. Nun konnten die Gäste sich auch erklären, warum dieser Trollinger eine Farbe wie ein Spätburgunder mitbrachte, so milde, weiche Tanine und herrliche Aromen von schwarzen Kirschen auf Zunge und Gaumen legte.

„Ein toller Wein“, war die einhellige Meinung der Weinfreunde. „Dass das ein Trollinger ist“, wurde verwundert und anerkennend an Uwe Hirschmüller weitergegeben. Die anschließende sehr lebhafte Diskussion über die Preise, die Vermarktung, das zum Glück wieder neu entstehende Trollinger-Image und die Bedeutung der Steillagen in unserer Region führte zu der einhelligen Erkenntnis, dass es sich lohnt und dringend notwendig ist, dieser besonderen Rebsorte ihren Wert zurückzugeben. „Deshalb muss auch der Weinkonsument, der Verbraucher, den Steillagen-Weinbauern den gerechten und verdienten Arbeitslohn zu zahlen bereit sein, wenn wir diese herrliche Kulturlandschaft auch in einigen Jahrzehnen noch bei uns im Ländle vorfinden wollen“, wie die Vorsitzende der Vinothek, Regine Jung, in ihren zusammenfassenden Dankesworten an Uwe Hirschmüller das gehaltvolle letzte Weinkolleg des Jahres 2018 abschloss.

 

Hannelore Tiedke

Weinkolleg im Oktober 2018: „Wein – ein Geschenk des Himmels und der Erde“

Pfarrer Martin Burger überrascht die Gäste des Weinkollegs mit einer ungewöhnlichen Weinprobe

 

Manchmal hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so konzentriert und aufmerksam waren die Gäste und Freunde der Vinothek am vergangenen Samstag beim Weinkolleg des Monats Oktober. Ein goldener Oktobertag unterstrich die Wertschätzung, die die fast 30 Zuhörer dem Referenten und Bönnigheimer Pfarrer Martin Burger entgegenbrachten.

Der Materie Wein von Kind auf vertraut, gestand der in Hohenhaslach aufgewachsene Sohn eines Nebenerwerbswengerters zu Beginn seines Vortrags wie er als Pubertierender sich an einem Samstag während der Weinlese mit seiner Kreidler RNC 50 nach Bissingen ins Kino fortgeschlichen hatte und noch heute etwas von dem schlechten Gewissen spürt, das er damals seinem Vater gegenüber hatte. Gerne helfe er heute bei der Weinlese- auch weil das Kulturgut Wein so fest in der Bibel verankert sei, dass allein das Wort „Weinberg“ gut 50 mal, der „Wein“ sogar über 200 mal vorkomme.

Entlang einer fiktiven Weinprobe führte der Referent, der das blumige Vokabular von Weinbeschreibungen hervorragend beherrscht, seine Zuhörer mit launigen und ernsten Worten durch das Alte und das Neue Testament. Damit die Kollegstunde nicht zu trocken blieb, hatte Vinothekar Joachim Mann einen Lemberger Biowein aus der WG Stromberg Zabergäu bereitgestellt. Mal berichte die Bibel leicht und spritzig, mal aber auch warnend schwer und wuchtig vom Weinanbau, von Weinbergen, Weinbauern und Weintrinkern, so Burger. Ebenfalls sei das vermutlich erste Weinschorle in der Bibel erwähnt. So ist bei Timoteus 5,23 zu lesen: „Trinke in Zukunft nicht nur Wasser! Nimm ein wenig Wein dazu, um deinen Magen zu stärken und weil du so oft krank bist“. Der Wein sei eben mehr als ein Getränk, er könne auch Medizin sein für Körper, Geist und Seele, so Burger weiter. Es werde auch vom ersten Rausch, den ein Mensch hatte, im Alten Testament berichtet. In der Genesis 9, 20 wird erzählt von Noah, der nach dem Verlassen der Arche von dem leckeren Rebensaft aus dem eigenen Weinberg so berauscht war, dass er unbekleidet einschlief. Der moralische Zeigefinger galt jedoch nicht dem trinkenden Noah, sondern seinen Söhnen, von denen Ham seinen entblößten Vater nicht zugedeckt habe, wie es seine Sohnespflicht gewesen wäre. Erst seine Brüder Sem und Jafet erfüllten diese moralische Aufgabe.

Da Wein in der Bibel immer als Gabe Gottes und als „Blut der Erde“ gesehen werde, komme diesem Getränkt neben Korn und Öl höchste Wertschätzung zu. Allerdings werde auch in der Bibel vor maßlosem Weingenuss gewarnt. So ist im Buch der Sprichwörter zu lesen: „Schau nicht nach dem Wein, wie er rötlich schimmert, wie er funkelt im Becher, er trinkt sich so leicht! Zuletzt beißt er wie eine Schlange, verspritzt Gift gleich einer Viper (Sprüche 23, 31-33).

Nicht vergessen werde aber in der Bibel auch die Freude, die der Wein schenke –so Burger - denn Gott selbst handelt hier seinem Volk gegenüber wie ein Weinbergbesitzer, der „…die Steine entfernte, mitten im Weinberg einen Turm baute und eine Kelter aushub…, dass der Weinberg süße Trauben brächte“ (Jesaja 5,2). Dennoch bringe die Arbeit Gottes an seinem Volk nur saure Trauben hervor, weshalb Trockenheit und Ödland gesandt wurden.

 

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielen Beispielen, die Pfarrer Burger seinen Gästen darbot. Auch im „Hohelied der Liebe“ heißt es zu Beginn: “Süßer als Wein ist deine Liebe“ (1,2) und die Freunde werden vom Bräutigam aufgefordert: „Freunde esst und trinkt und berauscht euch an der Liebe“(5,1). So mancher Zuhörer mag an dieser Stelle gedacht haben, diese äußerst erotischen Passagen in der eigenen Bibel nochmals durchlesen zu wollen. Als dann das Weinberglied Jesajas (Jesaja 5, 1-7) von Pfarrer Burger mit Gitarrenbegleitung vorgetragen wurde, applaudierten die gespannt zuhörenden Gäste des Weinkollegs spontan und langanhaltend.

Dass auch im Neuen Testament die elementare Bedeutung und die Symbolik, die im Wein stecken, fortgeführt werde, zeigte der Referent mit dem ersten öffentlichen Auftreten des Jesus von Nazareth bei seiner Teilnahme an einer Hochzeitsfeier, bei der große Mengen Weingetrunken wurden. Im Johannesevangelium sagt Jesus die berühmten Worte: „ Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben….“(Johannes 15,5). Nicht zuletzt habe der Wein beim letzten Abendmahl eine große Bedeutung, schließlich feierten noch heute Christen in aller Welt diese letzte „Festmahl mit Tischgesprächen“, in dem der schon zum Tode verurteilte nochmal seine ganze Liebe und damit seine Kernbotschaft in einem von ihm gesegneten Wein an seine Jünger weiterreichte.

In geradezu andächtiger Dankbarkeit genossen die „ Weinkollegianer“ zum Ende dieser spirituell gehaltvollen Weinprobe den wohltemperierten Rebensaft und ließen die Fülle an Gedanken und Worten in sich nachklingen. Ein besonderes „Erlebnis in Gemeinschaft mit einem lang anhaltenden Finale“ hatte Pfarrer Burger den Freunden der Vinothek geschaffen. Mit den Worten: „Man schaut sich in die Augen und freut sich an der Gemeinschaft, die heute für viele Menschen zu einer tiefen Sehnsucht geworden sei“, beendetet Pfarrer Martin Burger dieses tief beeindruckende Weinkolleg.

 

Hannelore Tiedke

Weinkolleg am 1. September 2018: Weinbau in Deutschland

Hans-Joachim Jaeger schlägt einen großen Bogen

 

Das September-Weinkolleg der Freunde der Vinothek Bönnigheim hatte es in sich. Nicht nur der Umfang des hervorragend recherchierten und vorgetragenen Referates von Ehrenvorstand Hans-Joachim Jaeger, sondern auch die Kostproben, die er aus 7 der 13 deutschen Weinregionen präsentierte, begeisterte die mehr als 30 aufmerksam lauschenden Gäste und Freunde der Vinothek.

Mit einem kurzen Abriss in die Geschichte des Weinbaus und des Weintrinkens in Deutschland, welches schon um 400 v. Chr. durch eine griechische Amphore in einem Keltengrab nachgewiesen werden konnte, startete der Referent seinen Vortrag. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen die immens wichtige Rolle der Klöster und die ersten Gesetze für den Weinbau, die von Kaiser Karl dem Großen (um 800) erlassen worden waren. Bereits im Hochmittelalter habe eine Rebfläche von 400 000 Hektar an Rhein, Mosel, Neckar und anderen kleineren Gebieten  bestanden, so der Referent. Heute beträgt die Rebfläche in Deutschland etwa 102 000 Hektar in den 13 Anbaugebieten, wobei Rheinhessen mit knapp 27 000 ha das größte vor der Pfalz und Baden-Württemberg ist. Sachsen belegt mit nur 447 ha Weinanbaufläche den letzten Platz.

Die Weinkollegianer erfuhren außerdem, dass 140 Rebsorten zur Weinproduktion in Deutschland zugelassen sind, wobei in Deutschland zu 2/3 Weißweine auf ca. 68 000 ha  und Rotwein auf ca. 35 000 ha angebaut würden. Die beliebtesten Sorten seien in unserem Land der Riesling und der Müller-Thurgau, während der Spätburgunder erst den dritten Rang belegt und der hier in Württemberg sehr geschätzte Lemberger sogar erst auf Platz 13 von 14 dargestellten Sorten zu finden ist. Diese sehr präzise vorbereiteten Daten, die sich auch auf Weinkategorien und Qualitätsstufen bezogen und die einzelnen Lagen detailliert darlegten, wurden dann recht bald auch praktisch im Glas untermauert. Hans-Joachim Jaeger hatte sieben Weine aus unterschiedlichen deutschen Weinbaugebieten zusammengestellt und begann mit einer Blindverkostung einer sehr alten Weißweinsorte, welche die Zuhörer erraten sollten. Riesling, Grau- und Weißburgunder wurden vorgeschlagen, bevor das Rätsel aufgelöst wurde: Ein Moselelbling, den der Referent als „trinkigen Wein mit fein abgerundeter Säurestruktur“ präsentierte. Elbling war bereits bei den Römern als „Vitis alba, Weiße Rebe“ bekannt und die häufigste Weißweinsorte in Deutschland bis ins 17. Jahrhundert.

Die Fülle aller Daten und Informationen, die der Referent präsentierte und die zu verkostenden weiteren Weine führten dazu, dass der spannende und sehr kurzweilig präsentierte Vortrag das Publikum für zwei Stunden in Bann schlug. Gutedel aus dem Markgräfler Land, Müller-Thurgau aus Baden oder auch ein Silvaner aus Rheinhessen durften unter anderem verkostet werden. Zum Glück hatte die Gattin ein köstliches, selbstgebackenes Brot beigesteuert, so dass die Gaumen immer wieder neutralisiert werden konnten. Der lang anhaltende Applaus für dieses besondere Weinkolleg zeigte die Begeisterung aller Anwesenden und den Dank für ein außergewöhnlich umfangreiches Wissen und den feinen Humor, den der Ehrenvorstand der Vinothekare nicht zuletzt mit einem selbstgedichteten Spottvers im Stil des „Wirtshauses an der Lahn“  gesungen zum Vortrag brachte. Im Archiv der Vinothek wird auch dieser Weinkollegvortrag erhalten bleiben, so dass alle Vinothekare von dieser Fortbildung noch lange zehren können.

 

Hannelore Tiedke

Weinkolleg vor Ort "Riesling und Terroir" am 14. Juli im VDP-Weingut Dautel

 Riesling – der König der Rebsorten

 

Dass trotz des sommerlich schwülen Wetters und der noch nicht abgeschlossen Fußball-WM so viele Teilnehmer zum „Weinkolleg vor Ort“, diesmal ins VDP-Weingut Dautel in Bönnigheim gekommen waren, spreche einerseits für die Attraktivität der seit über zehn Jahren monatlich stattfindenden Weinkollegs der Vinothek, andererseits aber auch für die bekannte Qualität  der Fortbildungen im Hause Dautel in fachlicher und produktbasierter Hinsicht, wie Regine Jung, die Vorsitzende der Freunde der Vinothek in ihren Begrüßungsworten ausführte.

 

Christian Dautel, der wie schon sein Vater an der Hochschule Geisenheim Weinbau und Önologie studiert hat, konnte 25 Freunde der Vinothek begrüßen. Seit 2010 ist Dautel jun. nach vertiefenden Studien in Australien, Österreich, Südafrika, Oregon, Burgund und Bordeaux wieder im elterlichen Betrieb, hat diesen 2013 übernommen und weiterentwickelt. Unterstützt wird der Jungchef weiterhin von seiner Mutter Hannelore und dem Vater Ernst Dautel. Christian Dautels Spezialgebiet war während seiner Zeit im Burgund die „Qualitätseinstufung der Weine in Abhängigkeit von Terroir und Lagen“ gewesen, was auf den Riesling in besonderem Maße zutreffe, so Dautel.

Da der Monat Juli in der Vinothek dem Riesling gewidmet ist, war diese im 14. Jahrhundert erstmals in Deutschland urkundlich erwähnte und hier alteingesessene und damit autochthone Rebsorte das Kernstück des erkenntnisreichen Weinkollegs.

Der Riesling ist eine Kreuzung aus einer schon den Germanen und Römern bekannten Rebe mit der alten Rebsorte Heunisch und darf als „König der Rebsorten“ bezeichnet werden. Er zählt zu den hochwertigsten kulturprägenden Gewächsen. In Deutschland werde fast die Hälfte des weltweiten Anbaus an- und ausgebaut. Damit liege Deutschland vor den USA auf dem ersten Platz erläuterte der Referent. Der Riesling reife spät und sei damit fürs bisherige Klima in Deutschland auch durch seine Frostresistenz bestens geeignet. In Württemberg werden etwa 20% Riesling angebaut. Die Lage und das Terroir, auf dem er wächst, spiegelt er in seiner Säure, den Aromen und seiner Mineralität besonders wider.

An drei Rieslingweinen des Jahrgangs 2016 konnten die wie immer sehr interessierten Vinothekare und Gäste das neu Gelernte dann praktisch erfahren und überprüfen. Zunächst wurde aus der Ortsweinserie der Gipskeuper Riesling ** mit dem Duft von Weinbergpfirsich und Zitrusfrüchten verkostet. Ein sehr dichter Wein, der mineralisch geprägt ist und seine Riesling typische Säure fein eingebunden hat, wie die Gäste befanden. Dautel bezeichnete ihn „opulent und voluminös“.

Als nächstes kam der „Wein der Woche“ ins Glas. Der Riesling „Besigheimer Wurmberg Riesling***, trocken“ ist ein Wein aus der Einzellage Niedernberg auf Muschelkalk gewachsen. Ein filigraner Wein –was einerseits aus dem Muschelkalkboden resultiert, andererseits auch durch die Vinifizierung im Keller geprägt ist. 50% sind im Holz vergoren, wobei die Hefe durch das wärmere Holzfass besser gärt, die anderen 50% waren im Edelstahltank.

Nach diesem deutlich anderen Geschmackserlebnis, duften die Gäste noch das Große Gewächs GG, Riesling 2016 vom Südhang aus den ältesten Rieslingreben des Hauses verkosten. Der leichte Boden, ein Schilfsandstein im Bönnigheimer Gewann Steingrüben, bringt sehr edle Trauben in den Keller, die selektiert und selbstverständlich von Hand gelesen werden. Dort werden sie schonend weiterverarbeitet, die Spontangärung von natürlichen Hefen findet in 500l Holzfässern statt. Dieser von hoher Mineralität geprägte Wein hat den ersten Platz in der Verkostung „Königsklassenrieslinge“ gemacht und wird demnächst in den Verkauf gelangen.

In der Fachdiskussion, die wie immer sehr rege und interessiert war, ging es u.a. um die Klimaveränderung und das daraus resultierende Sortenspektrum, aber auch um Fragen zu Wetterextremen und den kürzlich entstandenen Hagelschäden.

Bei der Fülle an Informationen und den besonderen Geschmackserlebnissen verging die Zeit wie im Flug, so dass das sonst einstündige Weinkolleg erst nach fast zwei Stunden abgeschlossen werden konnte. Regine Jung dankte in ihren Schlussworten  nicht nur dem kompetenten Referenten, sondern auch der „Zauberfee im Hintergrund“, Hannelore Dautel, ganz besonders für die herzliche Gastfreundschaft, die die Freunde der Vinothek wieder einmal genießen durften.

 

Hannelore Tiedke

 

Weinkolleg "Weissburgunder" vor Ort mit Heiz Kölle am 5. Mai

 

Intensives Wochenende in der Vinothek in Bönnigheim

Weißburgunder- Weinkolleg vor Ort in der Kellerei Kölle und

Mit ém Wengertshütz durch Bönnigheim

 

 

Am Samstag 5. Mai pflegten die Freunde der Vinothek die gute Tradition, einen Teil der monatlichen Weinkollegs bei den Bönnigheimer Erzeugern stattfinden zu lassen. Zum Thema Weißburgunder, der Weinsorte des Monats Mai, hatte Heinz Kölle jun. in den Schmiedsberger Weg nach Bönnigheim geladen.

 

Diese weiße Rebsorte, eine Mutation des Grauburgunders, ist in den letzten Jahren zu einem leichten Sommerwein auch in Süddeutschland geworden, obwohl die Traubensorte mit ihren dünnhäutigen Schalen bei schlechter Witterung recht anfällig für Pilzerkrankungen, ansonsten aber im Anbau recht unkompliziert ist. Im Glas zeigt sich der Weißburgunder sehr hell, gelblich grün und entwickelt einen zarten Duft mit dezenten Aromen von frischen Ananas, Birnen oder auch Aprikosen und Zitrusfrüchten. Auch für die Versektung wird Weißburgunder gerne verwendet.

 

Im Hause Kölle nimmt der Weißburgunder immerhin 25% der Weißweinproduktion ein, er ist auch ein wichtiger Teil der weißen Cuvée Svenja aus dem Hause Kölle. Die 18 Teilnehmer des Weinkollegs verkosteten dann auch den fruchtigen drei Sterne-Weißburgunder und die neue trockene Version, die jedoch noch in der Entwicklung und noch nicht im Handel erhältlich ist. Nach Aussagen von Heinz Kölle boomen gerade die Burgunderweine auch in unserer Region. Er habe alle seine Burgunder-Weinberge in Bönnigheim wegen des guten Bodens, der genügend Wasserspeicherfähigkeit besitzt, da der Burgunder keinen Trockenstress vertrage. Außerdem sei der Weißburgunder durch die dünnen Schalen und die kompakte Traube anfällig für Botrytis.

 

Nach sehr angeregter Fachdiskussion über verschiedene Themen des Weinbaus endete der Besuch im Hause Kölle mit dem Dank an den Gastgeber und der Erkenntnis, dass der Weißburgunder noch immer für viele Konsumenten „die große Unbekannte“ sei, die „schön schlank, filigran, spritzig und frisch“ daherkomme und mehr als einen lauen Sommerabend verdient habe.

 

Passend zum ersten Kultursonntag am 6. Mai hatten auch die Vinothekare sich ein Angebot ausgedacht. Eine mit vier Weinkostproben versehene Stadtführung zu den verschiedenen Keltern und anderen Kostbarkeiten wurde von Mike Etzel geführt und von den Vinothekaren Manfred Schmälzle und Rolf Häußer begleitet. Außerdem zeigte Häußer den Umgang mit der Rätsche, dem traditionellen Instrument zum Verscheuchen der Stare in den Weinbergen. In der Vinothek selbst konnten Fünf (Weine) für Fünf (Euro) verkostet werden.

 

Hannelore Tiedke

 

Bönnigheimer Zeitung vom 16.5.2018

 

 

Bönnigheimer Zeitung vom 7. Mai 2018

Mit der Rätsche durch die Stadtgeschichte

 

Bönnigheim / Uwe Deecke 07.05.2018

Beim ersten Bönnigheimer Kultursonntag in diesem Jahr zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite. Es war auch die Premiere für die Vinothek, die erstmals mit einer Führung dabei war und die Bewirtung übernahm. Morgens um 11 Uhr war als Termin da eher mutig, sodass nur ein halbes Dutzend Gäste teilnahmen.

Mit dem Leiterwagen und vier gekühlten Weinen ausgerüstet ging es zunächst zur Kronenscheuer, die Stadtführer Mike Etzel erklärte. Sie hat heute noch einen der größten Gewölbekeller, in denen damals Wein ausgebaut wurde. „Im Jahr 793 sind hier schon Weinberge geschichtlich belegt“, so Etzel zur Geschichte der Wein- und Museumsstadt. Das große Tor der Scheuer erklärte der Stadtführer damit, dass auch Pferdegespanne durchfahren konnten, um dort direkt anzuliefern.

 

„Im Zwinger“ ist das Viertel, wo damals die meisten Winzerhäuser standen und das schön saniert wurde. Fast jedes Haus hat hier seinen eigenen Keller mit Zugang von außen, das Fachwerk steht meist auf einem Sandsteinsockel. Die Ursprünge des Rivaners, die man mit Hilfe von Gentechnik nachweisen konnte, wurden hier bei einem Gläschen geklärt, erläutert von Rolf Häußer von der Vinothek.

Dass es momentan zu heiß und zu trocken für die Reben sein könnte, widerlegte der Bönnigheimer Wengerter. Der Boden speichere immer noch genügend Wasser. „Wir haben momentan ein Rebenwachstum wie es ganz selten vorkommt“, so Häußer. Das sei deshalb problematisch, weil die Reife langsam erfolgen sollte.

Am Burgplatz war die erste Genossenschaftskellerei, nachdem hier zu Ganerbenzeiten die Herren von Sachsenheim und Liebenstein ihre Keltern hatten. Doch die Kellerei wurde bald zu klein. Zunächst kam die Fusion mit Kirchheim und Hohenhaslach, später fusionierte man mit Brackenheim zur Weinkellerei Stromberg-Zabergäu.

Eine unterirdische Verbindung zum Burgkeller gab es auch, die genutzt wurde, wenn der Platz in der Kellerei nicht mehr ausreichte, erklärte Stadtführer  Etzel. Auch die Stadtmauer ist hier noch teilweise erhalten, die ebenfalls mit Wein zu tun hat. Für ihren Mörtel sei Wein statt Wasser verwende worden, so lautet die Überlieferung.

Der Meiereihof, der Marktplatz und die Cyriakuskirche waren weitere Stationen der Vinothek-Führung, die mit einer stilechten Rätsche ausgestattet war. Wie man die Stare aus Meimsheim lange Jahre an der Cleebronner Straße mit der Weinbergpistole vertrieb, daran erinnerte sich Vinothekar Manfred Schmälzle noch genau. War man am frühen Morgen rechtzeitig an ihrem Treffpunkt, dann wurden die eigenen Weinberge verschont. „Stare sind Gewohnheitstiere und unsere Wengertschützen begrüßten sie“, so Schmälzle. Schließlich galt es 180 Hektar Weinbaufläche zu verteidigen. Zwölf automatische Schussanlagen stehen zudem noch dort. Die Rätsche hat da heute meist ausgedient 

Weinkolleg "Luxemburger Weine und Crémants" mit Ulrich Bechtel am 7. April

 

Weine und Crémants aus Luxemburg 

Freunde der Vinothek verkosten Luxemburger Weine

 

In Luxemburg gibt es Wein? Diese Frage stellten sich die meisten Anwesenden beim April-Weinkolleg mit Ulrich Bechtel am vergangenen Samstag in der Vinothek in Bönnigheim.

Diesen Zweifel konnte der Referent auf sehr anschauliche Weise schnell ausräumen, obwohl das kleine europäische Land mit seinen gerade mal 600 000 Einwohnern, von denen etwa 300 000 ausländische Bürger sind und zusätzlich täglich 150 000 Pendler nach Luxemburg zur Arbeit kommen, eher durch andere Geschäftszweige, wie beispielweise die Banken bekannt ist. An der Mosel entlang zieht sich jedoch die 42 km lange Weinstraße, an der die meisten der 450 Winzer ihre Lagen haben, oft als Nebenerwerbsbetrieb. Die Weinbaufläche beträgt nur 1295ha. In Württemberg wird vergleichsweise auf ca. 12.000ha Wein angebaut. So kann in Luxemburg nur die Qualität der Erzeugnisse zu einem Erfolg führen, wie Ulrich Bechtel ausführte und seine Gäste praktisch an drei ausgewählten Kostproben erfahren ließ.

Da 90% als Weißweine ausgebaut werden, passte ein Auxerrois aus dem Ort Wintrange als Einstieg in die Praxis hervorragend. Der Auxerrois ist eine Kreuzung aus der alten Sorte Heunisch und dem bekannten Pinot blanc, an den der erste Eindruck die Gäste auch erinnerte.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass einige Winzer ihre Weinberge sowohl in Frankreich, als auch in Deutschland und in Luxemburg bewirtschaften. So entsteht ein Dreiländerwein, der ein echter Europäer ist. Der zweite Wein, ein Pinot blanc kam mit seiner schön eingebundenen Säure ebenfalls gut an, zumal auch hier das Preis-Leistungsverhältnis wirklich stimmte. Nicht ganz so überzeugte der abschließende Riesling Grand Premier Cru aus der Serie „Jongwënzer“, der dem hiesigen Riesling nicht ganz die Hand reichen könne, zumal ihm das typische „Riesling-g´fährtle“ fehle, wie erfahrene Rieslingkenner urteilten. 

 

Besonders stolz seien die Luxemburger auf ihre Crémants, berichtete Bechtel abschließend, für die immerhin 25% der erzeugten Weine verwendet werden um sie dann nach klassischem Champagnerverfahren zu vollenden. „Von den Formel 1-Fahrern werden zwar die Magnusflaschen Champagner nach dem Sieg verspritzt, hinter den Kulissen wird jedoch der Luxemburger Crémant getrunken“, zitierte Bechtel den größten Crémanterzeuger Luxemburgs schmunzelnd.

Die gut zwanzig Gäste des Weinkollegs und die Vorsitzende der Vinothek, Regine Jung, bedankten sich mit kräftigem Applaus für den lehrreichen und interessant gestalteten Vortrag bei Ulrich Bechtel, der versprach, auf seinen Weinreisen weitere Weinkostbarkeiten entdecken zu wollen.

 

Hannelore Tiedke

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 19.4.2018

Weinkolleg "ohne Wein kein Schnaps" mit Kurt Sartorius am 3. März

 

Ohne Wein kein Schnaps 

 

Passend zum 25jährigen Jubiläum des Bönnigheimer Schnapsmuseums trafen sich die Freunde der Vinothek und Gäste beim Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft Kurt Sartorius im Steinhaus zum Weinkolleg des Monats März. Schnell machte der Refernet klar, weshalb Wein und Schnaps so eng zusammenhängen. Da der Alkohol des Weines schon bei 78° Celsius vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand übergeht, muss die Kühlung den „Geist“ wieder verflüssigen, damit er in die Flasche zurück kann. Schon im 11.Jahrhundert  wurden an der Universität von Salerno Gefäße mit gut funktionierender Kühleinrichtung zum Brennen von Wein verwendet, so übernahmen in unseren Breitengraden zunächst Frauen, die Heiltränke durch Brennen gewannen, die Arbeit an der Brennblase.

 

Derzeit gibt es in Baden-Württemberg ca. 19500 Kleinbrennereien. Sie sind auch die Garanten dafür, dass in unseren Regionen die Streuobstwiesen erhalten bleiben. „Deshalb ist jeder, der gerne mal ein Schnäpsle trinkt, ein wichtiger Umweltschützer“, so Kurt Sartorius. Mit viel Witz und einem nahezu unerschöpflichen Wissen klärte Kurt Sartorius die gespannt lauschenden Gäste über Brennblasen, verschieden Kühlsysteme, Schwarz- und Geheimbrennereien, sowie die Firmengeschichte der Heilbronner Hammerbrennerei in einem Rundgang auf, bevor die Ergebnisse der Destillation im Keller probiert werden konnten. Es gibt vier verschiedene Produkte, die aus Wein gebrannt werden. Zunächst der klassische Branntwein- nur in Frankreich darf er Cognac heißen-, der sehr häufig im Eichenfass reift und daher seine schöne rotgolden leuchtende Farbe hat. Dann gibt es den Traubenbrand, der direkt aus der Maische destilliert wird. Sehr bekannt ist der Tresterbrand. Nur in Italien darf er Grappa genannt werden. Allerdings dürfen dort bis zu 30g Zucker je Liter zugegeben werden- bei uns maximal 10g/l. Begonnen wurde die Verkostung mit einem Hefebrand, der aus dem Hefesatz, auch Trub genannt, der Wein- oder Fruchtmoste gebrannt wird.  Joachim Mann, der zweite Vorsitzende der Vinothek, bedankte sich nach diesem kurzweiligen Weinkolleg bei Kurt Sartorius mit der launigen Aufforderung aus dem mitgebrachten Weingeschenk nicht unbedingt einen Weinbrand herstellen zu wollen.

 

Hannelore Tiedke

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 6.3. 2018

Weinkolleg "Der Wert des Weines" mit Rolf Häußer am 3. Februar

 

Wert-voller Wein

 

Als wäre die Auftaktveranstaltung „Der Wert des Weines“ schon sehnsüchtig erwartet worden, fanden sich nahezu 40 interessierte Besucher und Vinothekare am Samstag in der Vinothek in Bönnigheim ein. Rolf Häußer, der erste Referent der traditionellen Weinkollegs, zog mit seinen klaren Ausführungen rasch die Zuhörer in seinen Bann. Die einzelnen Aspekte seines Referates gliederten sich in gesundheitliche Faktoren des Weines, das Image des Weingenusses sowohl bei den Weinen als auch beim Konsumenten. Weiter führte Häußer aus, welche Motive beim Weinkauf eine Rolle spielen und zeigte abschließend die Kosten auf, die bei der Erzeugung entstehen.

Sehr deutlich wies Häußer zunächst auf die Gefahren des Alkoholkonsums hin. Nicht nur die Dosis, sondern auch die Gemütslage spielten eine erhebliche Rolle bei der Wirkung des Weins. In freudiger Stimmung mit Freuden und auch zur Steigerung der Bekömmlichkeit eines guten Essens genossener Wein- wobei dann durch körperliche Bewegung der Alkohol auch wieder abgebaut werden könne- sei immer besser als Alkoholgenuss in trüber, einsamer Stimmung um vielleicht Sorgen wegspülen zu wollen.

Von der weltweiten Überproduktion von Wein, dem so genannten „Weinsee“ berichtete der Referent anschließend eine erfreuliche Tendenz. Seit dem Jahr 2000 sinke die Erzeugermenge um 10 %, während der Weinkonsum sich ebenfalls um 10 % gesteigert habe. Der „Weinsee beginnt auszutrocknen“, so Häusser. Dies sollte dann auch für die deutschen Weinerzeuger und das Weinland Baden-Württemberg positive Auswirkungen haben. Ein kleiner Wermutstropfen dieser Entwicklung sei allerdings, dass nur 38% des in Deutschland konsumierten Weines auch aus deutscher Produktion seien. Noch von wenigen Jahren waren es immerhin stattliche 55%. „Hier spielt das Image der Produkte und demzufolge auch die Preiskategorie eine entscheidende Rolle“, so Häußer. Gerne ließen sich Kunden von hochpreisigen Weinen oder dem Marken-Image z. B, eines Champagners zum Kauf locken, obwohl der Preis nicht immer etwas über die Qualität aussage.

Sehr ausführlich legte der Referent seine Überlegungen zu den Erzeugerkosten und dem daraus abgeleiteten Preis dar. Deutliche Unterschiede zwischen der Basisproduktion in der Literflasche über die Terrassenlagen und dem Mittelsegment aus reduzierter Produktion und den Premiumprodukten machte Häußer seinen Zuhörern deutlich. Die Arbeitszeit im Weinberg und die beabsichtigte Ertragsmenge führen zu Traubenerzeugungskosten, die bei einem gut geführten Haupterwerbsbetrieb zwischen 1,23€ je Liter und 3,30€ liegen. Sie sind allerdings nur ein Teil der so genannten Vollkosten. Die Kosten für die Arbeit beim Kelterungsprozess, die Aufwendungen für Flaschen, Verschlüsse, Lagerzeiten und nicht zuletzt für Werbung und Vertrieb seien hierin noch nicht enthalten, so Häußer. Dem Erzeuger entstünden in diesem Rechenbeispiel also Kosten in Höhe von 4,53€ für  den Liter Basiswein, während der Kostenaufwand für die Premiumprodukte bei stolzen 13,03€ lägen. Der Referent wies allerdings auch deutlich darauf hin, dass diese Zahlen nur Durchschnittswerte seien und stark von der Größe des Betriebes, den Lohnstrukturen und natürlich auch von Wetter und dem daraus resultierenden Ertrag des jeweiligen Jahres abhingen.

 

Dieser sehr dichte, gehaltvolle und sehr professionell ausgeführte Vortrag führte abschließend zu einer langen, mit großer Kompetenz ausgestatteten Diskussion, in der die Erkenntnis deutlich zum Ausdruck gebracht wurde: „Wir hier in Baden Württemberg haben hervorragende Weine, müssen die Konkurrenz aus dem Ausland nicht fürchten und dürfen beim Marketing durchaus noch zulegen.“ Im Anschluss konnte der Wein der Woche selbstverständlich verkostet werden und die Vorsitzende der Freunde der Vinothek, Regine Jung, bedankte sich bei allen Anwesenden und bei Rolf Häusser für seine Mühe bei der Vorbereitung und die gelungene Präsentation.

  

Hannelore Tiedke