Wein-Erlebnisse

Weinkollegs 2016

Weinkolleg vor Ort "Spätburgunder", 3. Dezember, Strombergkeller

Nobilis zum Abschied

Weinkolleg „vor Ort“ im Strombergkeller

 

Zahlreich waren die Besucher, unter ihnen auch Bürgermeister Kornelius Bamberger, die am vergangenen Adventssamstag der Einladung der Freunde der Vinothek zum letzten Weinkolleg des Jahres im stimmungsvollen Fasskeller des Strombergkellers gefolgt waren, galt es doch, nicht nur, einen Spitzenwein zu verkosten, sondern auch den langjährigen Moderator des Weinkollegs Fritz Wachter gebührend zu verabschieden.

Bei seiner Begrüßung dankte der Vorsitzende Hans-Joachim Jaeger den Vertretern der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, stellv. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Händel, Önologie Vorstand Albrecht Hauber sowie Kellermeister Uwe Hirschmüller, für die Einladung und für die stets gute Zusammenarbeit und verband dies mit Glückwünschen für das herausragende Ergebnis bei der diesjährigen Landesweinprämierung und die Erfolge bei zahlreichen Prämierungen im zurückliegenden Jahr. Zum Einstand gab es eine Kostprobe des jüngst abgefüllten 2016er Mann im Fass Rivaner trocken, der durch seine schöne Frucht und jugendliche Frische gefiel. Die Vertreter der Weingärtner Stromberg-Zabergäu gaben dabei einen kurzen Überblick über das Weinjahr 2016, ein aufregendes Jahr mit vielen klimatischen Extremen, angefangen vom Spätfrost im April bis zu Extremniederschlägen im Juni und einem heißen und trockenen August.„Dass sich dieReben noch so gut entwickelten, hat uns alle überrascht und wir können heute erfreut feststellen, dass nach einem schwierigen Start dank des Einsatzes unserer Wengerter und Kellermeister ein gutes Ende erreicht wurde; Menge und Qualität stimmen“, so Albrecht Hauber. Ausgeschenkt wurde dann zum Thema Spätburgunder ein Wein aus dem Spitzensegment der Weine der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, ein Epos I Spätburgunder trocken Jahrgang 2012, im Barrique gereift. Fritz Wachter führte zunächst wie immer sehr sachkundig in das Thema ein mit dem Fazit: „Als wohl bekanntestes Mitglied der Burgunderfamilie steht der Pinot Noir für anspruchsvolle, elegante Weine. Diese sehr alte und bei uns seit Jahrhunderten heimische Rebe stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden, der nicht zu trocken und vor allem tiefgründig sein sollte“. Hier gab Wolfgang Händel unter Hinweis auf das Weinkolleg „em Wengert“ kurz vor der diesjährigen Lese Einblick in die Anbauregelungen für die Premiumweine. Nur Rebstöcke, die auf ausgesprochenen Filetstücken stünden, würden ausgewählt und einer  intensiven Vegetationskontrolle und Selektion unterzogen, damit das Lesegut das erforderliche Potential für den Ausbau im Barriquefass aufweise. Uwe Hirschmüller ergänzte mit einem Hinweis auf die Festlegung des optimalen Lesezeitpunktes, bei dem es nicht nur auf die Öchslegrade ankomme, sondern vor allem auf Frucht und Geschmack. „Der Epos-Spätburgunder präsentiert sich – so Hirschmüller weiter - mit dichter rubinroter Farbe und feinen Fruchtaromen von Kirschen, die von feinen Vanillenoten unterstützt und von angenehmen Holztönen abgerundet werden. Ein vielschichtiger und fülliger Körper, in dem sich der hohe Extraktgehalt widerspiegelt und die weichen Tannine geben diesem Wein Kraft und Potential. Ein Rotwein mit intensiver Frucht, feiner Würze und kraftvollem Nachklang“. „Dem kann man nur uneingeschränkt zustimmen“, fasste Fritz Wachter die Diskussion der Weinfreunde zusammen.

Hans-Joachim Jaeger würdigte sodann den Moderator für seinen unermüdlichen und engagierten Einsatz in den vergangenen 7 Jahren. “Wir bedauern Deinen Entschluss ganz außerordentlich, haben aber auch Verständnis dafür, dass du Deinen 80. Geburtstag zum Anlass nimmst, aufzuhören.“ Fritz Wachter sei es vor allem zu danken, dass sich das Weinkolleg zur Erfolgsgeschichte entwickelt habe und zu den etablierten Veranstaltungen im Veranstaltungskalender der Stadt gehöre. Wolfgang Händel und Albrecht Hauber schlossen sich dem Dank und der Anerkennung an und würdigten, ebenso wie Bürgermeister Kornelius Bamberger, auch die Arbeit der Vinothekarinnen und Vinothekare für den regionalen Weinbau und die Weinkultur.

Passend zu dem Anlass wurde ein Wein aus der Schatzkammer ausgeschenkt, ein 2009er Nobilis, seinerzeit das Flaggschiff der Strombergkellerei, „da schnalzt man mit der Zunge“ meinte Fritz Wachter, der seine Dankesworte unter großem Beifall mit dem Hinweis schloss, „ich höre ja nicht ganz auf, ich engagiere mich natürlich weiterhin bei den Freunden der Vinothek“!

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 5.12. 2016

Weinkolleg "Lemberger" vor Ort VDP-Weingut Dautel 5. November

Weinkolleg vor Ort, Samstag, 5. Oktober 2016 

 

Das vorletzte Weinkolleg vor Ort dieses Jahres, fand diesmal im VDP-Weingut Dautel in Bönnigheim statt. Die Weinsorte des Monats November, „unser Lemberger“, hat mehr als 40 Gäste und Bönnigheimer Vinothekare zu einem informativen Gedankenaustausch und spannenden Diskussionen in den Präsentationsraum des Weingutes geführt.

 

In seiner Begrüßung freute sich der langjährige Leiter der Weinkollegs, Fritz Wachter, so viele interessierte Weinfreunde begrüßen zu dürfen. Seine besondere Freude galt aber dem Umstand, dass der wieder genesene Vorstandsvorsitzende, Hans-Joachim Jaeger, nach einer langen „Durststrecke“ erstmals wieder an einem Kolleg teilnehmen konnte. Das erste Thema war dann auch der Probeschluck des ertragsreduzierten auf Gipskeuperböden gewachsenen, trocken ausgebauten Drei-Sterne-Lemberger des Jahrgangs 2014. Nach der offenen Maischegährung reifte er in großen und in kleinen Holzfässern heran. Mit einem Alkoholgehalt von 13% vol und einem sehr elegant ausgewogenen Restzucker-Säure-Verhältnis (1,7g/l - 4,7g/l) entfaltete sich in den Gläsern ein herrlich rubinroter Lemberger, der mit seinem sehr feinen, würzigen Duft und dem dunkelbeerigen Geschmack alle Anwesenden überzeugte.

 

So ging dann auch Ernst Dautel in seinen ersten Ausführungen auf die besondere Bedeutung des Terroirs für die einzelnen Weinsorten ein. Während der tiefer liegende Muschelkalk des Enz-und Neckartales eher für filigrane, schlanke Rieslinge geeignet sei, bevorzugten die Lemberger- und auch die Spätburgunderrebe fettere, nährstoffreichere Böden des Gipskeupers und Schilfsandstein im Zabergäu, die sie zu mehr Kraft, Dichte und Komplexität der Weine führten. Weitere Voraussetzungen für die exklusiven Weine sind eine kräftige offene Maischegährung und ganz besonders auch das wirklich perfekte Lesegut, das sehr schonend geschnitten und ausgelesen, sowie behutsam transportiert werden müsse. In diesem, wie im letzten Jahr habe es glücklicher Weise kaum Ausfall durch die gefürchtete Kirschessigfliege gegeben, ergänzte der Winzer seine Ausführungen.

 

Die Abhängigkeit der Weinbauern von Wetter und Klima zeigte Dautel auf, indem er das Jahr 2016 für die Zuhörer nochmals kurz Revue passieren ließ. Kein richtiger Winter, kaum Frosttage und ein kühles Frühjahr hätten die Insekten und Schädlinge nicht genügend reduziert. Die fehlende Wärme mit viel Regen im Frühsommer führte dann zu einer üppigen Vegetation, die immer wieder nach Laubschnitt verlangte. Durch den starken Wuchs seien die Zellen der Pflanzen nicht so widerstandsfähig gegen Pilzbefall, so dass gerade im Bioweinsegment, z. B. in der Pfalz,  in diesem Jahr extrem häufig (bis zu 14 mal) gespritzt wurde. Im konventionellen Anbau sei allerdings nur einmal mehr als in den vergangenen Jahren Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig gewesen, so Dautel. Dieses von der Arbeitsintensität sehr schwierige Jahr sei jedoch durch einen tollen August und einen super September abgerundet worden, so dass eher noch stärker als sonst die Erträge reduziert werden mussten.

 

Ein neues Thema des Weinkollegs waren die in Österreich unter dem Namen „Blaufränkisch“ angebotenen (Lemberger-)Weine, welche in den letzten Jahren eine viel bessere Vermarktungsstrategie als „unser Lemberger“ erfahren haben, so dass außerhalb Württembergs – besonders im Norden der Bundesrepublik - viel „Blaufränkisch“ gekauft und getrunken werde. Eine hitzige Diskussion löste anschließend der Hinweis aus, dass es von einzelnen Winzern Bestrebungen gebe, den Lemberger in „Blaufränkisch“ umzubenennen.

Nicht erst nachdem der 2013er Vier-Sterne-Lemberger Sonnenberg trocken als zweiter Wein des Weingutes Dautel verkostet werden konnte, waren alle Weinfreunde der einhelligen Meinung, dass der Name „Lemberger“ unbedingt erhalten bleiben müsse. Der Vorsitzende Hans Joachim Jaeger bedankte sich anschließend sehr herzlich für die bereichernden Informationen, die Wertschätzung der Arbeit der Vinothekare und die Gastfreundschaft von Hannelore und Ernst Dautel.

 

Da der Monat November von den Vinothekaren als der Lemberger-Monat auserkoren wurde, können die Besucher der Vinothek an den nächsten Wochenenden noch drei weitere Lemberger-Weine  der Bönnigheimer Erzeuger verkosten- und erwerben.

Am kommenden Wochenende (11.-13.11.16) wird der 2013 Signum I Lemberger trocken der Weingärtner Stromberg-Zabergäu der Wein der Woche sein. Ein Spitzenlemberger des Premiumsegments mit 13%vol. Alkohol, einem Restzuckergehalt von 2,9g/l und einem Säurewert von 5,1g/l wartet darauf von Ihnen verkostet zu werden.

 

Hannelore Tiedke

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 15.11. 2016

3. September "vor der Lese em Wengert"

Weinbergbegehung  mit Wolfgang Händel und Fritz Wachter

Mehr als 20 Weinliebhaber und Vinothekare waren am Samstag der Einladung in die Weinberge gefolgt. Unter sachkundiger Führung durch den stellvertretenden Vorstandvorsitzenden der WG Stromberg-Zabergäu, Wolfgang Händel, verbrachte die Gruppe mehrere Stunden bei schönstem Spätsommerwetter in den Reben. Beeindruckend war für viele das neue GPS-gesteuerte Flächenmanagement, das W. Händel an seinen kleinen Tablet demonstrierte. Basis sind Luftbildkarten mit Flur-und Gewannnamen, die die gesamte Fläche des Weinanbaus der Bönnigheimer Gemarkung detailgenau abbilden, so dass jede Rebanlage, ja sogar jeder einzelne Weinstock auffindbar ist. Der Qualitätsphilosophie der Kellerei entsprechend können so besonders die Premiumlagen, in denen gezielte Produktion erwartet wird, punktgenau überwacht und kontrolliert werden, um den jeweiligen Winzern rechtzeitig Beratung und Unterstützung anbieten zu können.

„Im Weinbau befinden wir uns auf der Zielgeraden“, so Wolfgang Händel. Das ideale Wetter mit geringer Luftfeuchtigkeit und einer angenehmen Wärme unter 30°C lässt die Trauben derzeit sich herrlich verfärben. Die Gefahren durch Pilzbefall oder durch die allseits gefürchtete Kirschessigfliege seien momentan glücklicher Weise sehr gering. Dennoch konnten die interessierten Kollegbesucher auch über diese Schädlinge viel erfahren. So zeigte Händel eine Weinrebe, die vom Peronospora (Pilz) befallen ist. Auf den Blättern zeigte sich eine Art Ölfleck, dem kurze Zeit später ein weißer Pilzrasen auf der Blattunterseite folgt. Auch die von der Glasflügelzikade übertragene Schwarzholzkrankheit konnte W. Händel demonstrieren und erläutern.

Angefangen bei einer normalen Ertragslage von 120 – 140 kg je Ar der Sorte Spätburgunder, arbeitete sich die Gruppe zum Grauburgunder in Premiumqualität, der ein Ertragsziel von ca. 100kg hat. Hier verändert sich gerade der grünlich-graue Schimmer der Beeren zu einem zarten Rostrosé, das dem Grauburgunder die schöne goldene Farbe im Glas verleiht. Diesen Premiumwein mit dem Glas in der Hand gleich vor Ort zu genießen, war ein besonders gelungener Einfall des Weinexperten.

Aber auch der Sonnenbrand der Trauben oder die Fäulnisgefahren kamen zur Sprache. Wie stark eine Extremauslese für Exklusiv-Weine sein kann, zeigte Händel an einer Rebanlage  ganz oben in den Weinbergen, wo schon die Abendsonne durch die Weinstöcke leuchtete. Nur 30 bis 40 kg werden hier je Ar von Hand geerntet werden, nachdem die Trauben durch Herausschneiden oder rechtzeitiges Halbieren ausgelesen wurden. Diesen hervorragenden Spätburgunder – allerdings von 2013- durften die mit vielen neuen Erkenntnissen und Gedanken angereicherten Vinothekare im Abendlicht genießen. Wie alle Anwesenden sichtlich beeindruckt, bedankte sich der Weinkolleg-Leiter Fritz Wachter im Namen aller Teilnehmer und der Vinothek für den gelungenen Ausflug und die hervorragend vorgetragenen Einblicke in ein extrem kompetentes und  nahezu  unerschöpfliches Wissen bei Wolfgang Händel.

Selbst die am Schluss geäußerte Sorge, ob in Zukunft noch genügend Nachwuchs für diese mühsame Arbeit in den Weinbergen vorhanden sei,  zerstreute der im Hauptberuf als IT-Berater und Supporter tätige Jungvinothekar und Nebenerwerbsweinbauer, Frank Martin, mit den Worten: „Wenn ich in meiner Freizeit Golf spielen würde, müsste ich noch dafür zahlen!“

2. Juli

4. Juni

Sommerweine im Fokus

Angeregte Diskussionen beim Weinkolleg

 

Was einen typischen Sommerwein ausmacht, darüber diskutierten die Freunde der Vinothek mit ihren Gästen jüngst beim Weinkolleg mit Fritz Wachter am Beispiel des 2015er Charmeur des VDP-Weingutes Dautel.

 

„Belebend, frisch, jung, spitzig, zurückhaltend im Alkohol, feine Säure und deutliche Aromen, fruchtig, trocken, feinherb“ waren die wichtigsten Stichworte, die auf die entsprechende Eingangsfrage des Moderators fielen. Die so charakterisierten Sommerweine hätten in den letzten Jahren, so der Moderator, zunehmende Bedeutung im Weinmarketing erlangt, was auch daraus hervorgehe, dass der Weinbauverband in diesem Jahr erstmals eine eigene Prämierung für Sommerweine im Rahmen der Landesweinprämierung durchgeführt habe, zu der auf Anhieb 150 Weine des Jahrgangs 2015 angestellt worden seien. Im Mittelpunkt der Prämierung, bei der die Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG ganz hervorragend abgeschnitten hätten, seien leichtere, fruchtige Weiß-, Rosé-, Weißherbst und Blanc de Noir-Weine mit einem moderaten Alkoholgehalt gestanden, aber auch leichte Rotweine, „stellen Sie sich beispielsweise einen gut gekühlten fruchtigen Trollinger vor. So kann sich der Weinfreund ganz nach dem Motto, ‚erlaubt ist, was gefällt‘, seinen Sommerwein aus einer breiten Palette aussuchen.“ Dann leitete der Moderator zum Charmeur über, den er als „echten Sommerklassiker“ charakterisierte, der als Cuvée aus den Rebsorten Müller-Thurgau, Riesling und Scheurebe seit den 90er Jahren auf dem Markt sei und sich seitdem – auch dank der gelungenen Namensgebung, die zwischenzeitlich einer regionalen Marke gleichkomme -  ungebrochener Beliebtheit erfreue. Der aus Riesling und Madeleine Royal gekreuzte Müller-Thurgau stehe für ausgeprägte Aromen von Apfel und Zitrone, während der Riesling Struktur, Extrakt, Frische und feine Säure beisteuere. Die Scheurebe schließlich, die aus Riesling und einer unbekannten Wildrebe gekreuzt worden sei und vorzugsweise in Rheinhessen, der Pfalz und Franken angebaut werde, präge die Cuvée mit ihrem feinen Muskatton und ihren rassigen Aromen, die ihr gelegentlich auch die Bezeichnung „deutscher Sauvignon blanc“ eingetragen hätten. Der Charmeur moussiere leicht, was ihm zusätzliche Frische verleihe. Schon beim ersten Probierschluck der Weinfreunde erwies sich die Ansprache des Weins durch den Moderator wie immer als treffend und nachvollziehbar und gab Anlass für einen anregenden Gedankenaustausch.

14. Mai

Spargelwein Weißburgunder im Fokus beim Weinkolleg

 

Zum monatlichen Weinkolleg der Freunde der Vinothek, bei dem es diesmal um die weißen Burgunder und deren Abstammungslinien ging,  trafen sich kürzlich die Weinfreunde und Gäste in der Vinothek. Etwa 20 „Kollegiaten“ lauschten den wie immer sorgfältig vorbereiteten Ausführungen von Moderator Fritz Wachter. Erstaunt vernahmen die Zuhörer, dass der Weißburgunder als inzwischen zunehmend gefragte Weißweinsorte erst seit etwas mehr als 20 Jahren im Heilbronner und Bönnigheimer Anbaugebiet heimisch geworden ist und deshalb in älteren Weinkundebüchern über den heimischen Weinbau  noch gar nicht zu finden ist.

„Ursprünglich kommt die Rebe aus dem Burgund und entstand durch Mutation vom Pinot Noir - unserem Spätburgunder. Fälschlicher Weise wurde er in Frankreich zunächst als Chardonnay identifiziert“, so Fritz Wachter. Chardonnay, der eine Kreuzung aus der alten - inzwischen nicht mehr vorhandenen - Sorte „Heunisch“ und dem „Spätburgunder“ sei, werde ebenso wie der Weißburgunder gerade jetzt in der Spargelzeit immer mehr nachgefragt. Beide würden Marktanteile hinzu gewinnen. Dennoch könnten sie bei uns noch als „Nischenprodukte“ bezeichnet werden, zumal in unserem Raum die Anbaufläche derzeit bei nicht viel mehr als etwa 100 ha liege. Noch seien diese Sommerweine keine ernst zu nehmende Konkurrenz für den Riesling. Welche Auswirkungen eventuell zunehmende Klimaveränderungen haben werden, wurde im Gespräch ebenso angerissen, wie die Erkenntnis, dass sowohl der Weißburgunder als auch der Riesling hohe Anforderungen an Boden und Klima stellen und so auch hier Konkurrenten seien. Ein kurzer Ausflug in die Anbaugeschichte zeigte, dass zum Anpflanzen neuer Sorten immer Mut und Stehvermögen gehörten. So stellte Fritz Wachter am Beispiel des Chardonnay den „Mut zur Zuwanderung“ dar. Nur mit großer Mühe und Durchsetzungsfähigkeit sei es Ernst Dautel gelungen, dass 1991 der erste Chardonnay in Bönnigheim angepflanzt werden konnte.

Nach diesen wie immer launig vorgetragenen Ausflügen in die Historie des durch  Mutation entstandenen Weißburgunders und seines aus einer natürlichen Kreuzung entstandenen Verwandten, dem Chardonnay, lud der Referent  zum Verkosten ein. Zunächst fand sich der Bönnigheimer Weißburgunder Gutswein trocken von 2014 des VDP-Weinguts Dautel im Glas. Durch seine Säure von 6,4 g/l bei einem Restzuckergehalt von 4.6 g/l wurde der Wein von den Kollegiaten als frisch und sehr rund empfunden. „Wer ihn als jungen Wein schon 2015 getrunken hat, muss heute mit Erstaunen feststellen, wie gut ihm die Lagerzeit getan hat“ meinte Fritz Wachter. Als besondere Überraschung wurde dann der sehr fruchtige, extraktreiche und harmonische 2015er Weisser Chardonnay trocken der Weingärtner Stromberg-Zabergäu verkostet, um die fälschliche Gleichsetzung der beiden Sorten praktisch zu untermauern. Nicht schlecht erstaunt waren die  Weinfreunde, als sie dann auch noch den Dautel Weißburgunder von 2015 probierten. „Durch nur 5,7 g/l Säure und einen Restzuckergehalt von 3,3g/l ist dieser Wein mit seinem feinfruchtigen Bukett schon jetzt von hervorragender Qualität“ resümierte Fritz Wachter, beide Weine seien gute Beispiele für den Ausnahmejahrgang 2015. Dazu passte auch die Aussage eines Weinfreundes, der abschließend meinte: „Ich kann gar nicht so viel Spargel essen wie ich Wein trinken sollte“.

 

2. April

TROLLINGER IM FOKUS

 

Sozusagen seine Abschiedsvorstellung beim Weinkolleg Trollinger am vergangenen Samstag gab der Besigheimer Wurmberg Trollinger Terrassenlage des VDP-Weingutes Dautel: Wie unsere Zeitung am 1.4. berichtete, hat Christian Dautel den Trollinger in der Lage Wurmberg in Besigheim gerodet und damit hier die Trollinger-Produktion eingestellt. Stattdessen sollen in dieser Lage am Wurmberg Riesling und Chardonnay angepflanzt werden. Kein Wunder, dass damit die „ewige“ Diskussion um den Trollinger, besonders in den Steillagen, bei den Weinfreunden neu belebt wurde.

Bevor sich die Runde der Weinfreunde mit dem Thema Trollinger näher auseinandersetzte, standen bei dieser Nachricht aber die Problematik des Steillagen-Weinbaus und der überproportionale Trollinger-Anteil im Fokus, der daher komme, dass der Trollinger hier die besten Standortbedingungen vorfinde. Fritz Wachter, sachkundiger Moderator des Weinkollegs, nahm das Thema mit einem Exkurs zur neuen Pflanzregelung der EU auf mit den Worten von Weinbaupräsident Hohl. für den es bei diesen Rahmenbedingungen nur „ein düsteres Zukunftsszenario für die Steillagen“ gebe. Die EU habe es den Mitgliedstaaten überlassen, bis zu 1 % der aktuellen Rebfläche jährlich neu auszupflanzen, egal, was bisher auf den Flächen angebaut wurde. Für Deutschland hätte dies bedeutet, dass bei einer Rebfläche von ca.100.000 ha jährlich für etwa 1000 ha neue Pflanzrechte hätten vergeben werden können. Zum Glück sei der Satz in Deutschland auf 0,3 % der Rebfläche, also 300 ha, reduziert worden. Habe es bisher 13 Weinbaugebiete in 8 Bundesländern gegeben, könnten künftig also in allen 13 Flächenländern Deutschlands Reben angebaut werden. Neben dieser Regelung für Neupflanzungen gebe es aber auch noch eine sehr kritisch zu bewertende Regelung für die Wiederbestockung: Künftig sei ein Wengerter frei in der Wahl des Grundstücks, also z.B. von der Steillage ins Flachland. Es gebe allerdings eine Bremse gegen allzu willkürliche Verlagerungen: Wer außerhalb ausgewiesener Reblagen etwa auf Ackerboden pflanze, erzeuge dann Wein außerhalb ausgewiesener Einzellagen, und könne diesen dann nur als deutschen Wein vermarkten. Angesichts einer Überproduktion von weltweit jährlich 3,5 Mrd. Litern (zum Vergleich: Deutschland produziert ca. 900 Mio. Liter im Jahr) stieß die Neuregelung als ein Signal in die falsche Richtung auf deutliche Kritik bei den Weinfreunden. „Nun aber zurück zum Trollinger“, so Fritz Wachter, einer Rebe, die ursprünglich aus der Meraner Gegend in Südtirol stamme, wo sie noch heute als „Vernatsch“ angebaut werde und auch dort, wie in Württemberg, die meistangebaute Rebsorte des Landes sei; allerdings gebe es in Südtirol einen zunehmenden Trend weg vom Vernatsch hin zu Weißweinen. Eine Trendwende bei uns sei derzeit nicht in Sicht; der Trollinger bleibe wegen seiner Wuchsfreudigkeit und Ertragsstärke immer noch ein Einkommensgarant für die Wengerter. Einst sei der Trollinger aus Erträgen von 300 und mehr Kilogramm pro Ar gekeltert worden. Was ihm vermeintlich an Farbe gefehlt habe, habe man durch Zugabe von Färbeweinen auszugleichen versucht. „Dabei ist aber oft nicht nur das für den Trollinger so typische Ziegelrot auf der Strecke geblieben, sondern auch der Geschmack“. Der heutzutage gekelterte Trollinger habe indes nicht mehr viel mit den damaligen Weinen gemein. Zur Qualitätssteigerung habe nicht nur die Ertragsreduzierung beigetragen, sondern auch die sich immer mehr durchsetzende Maischegärung. „Viel zur ungebrochenen Beliebtheit des Trollingers bei uns Schwaben hat auch die ‚schwäbische Cuvée‘ beigetragen, der Trollinger-Lemberger, der meist verkaufte und meistgetrunkene Wein in Württemberg. Der Lemberger bringt dabei Kraft, Tannine und Gerbsäure, der Trollinger Fruchtigkeit und moderate Weinsäure.“ Der ausgeschenkte Wein, der Besigheimer Wurmberg vom VDP-Weingut Dautel Jahrgang 2014 sei 2 bis 3 Wochen auf der Maische vergoren und im großen Holzfass bei natürlichem biologischen Säureabbau ausgebaut worden. Er gefalle durch seine Fruchtigkeit und habe Dank seiner Mineralität und der deutlich schmeckbaren Gerbstoffe eine kräftige Struktur, „kein üblicher Trollinger, sondern einer aus dem Muschelkalk mit individuellem Charakter, es ist schade, dass er künftig in unserem Sortenspiegel nicht mehr vertreten sein wird“, resümierte Fritz Wachter zum Abschluss.

6. Februar

Erstes Weinkolleg in diesem Jahr in Bönnigheim - Bio-Trend auch im Weinbau

Weit mehr als 30 Weinfreunde, darunter Gäste aus Marbach und einige Weinerlebnisführer, fanden sich beim Weinkolleg der Freunde der Vinothek am Samstag ein, um über die Themen ökologischer Weinbau und Regent zu diskutieren.

           

"Der Bio-Trend bei Lebensmitteln erfasst zunehmend auch den Weinbau, ökologische Weine liegen im Trend", sagte der Weinkolleg-Moderator Fitz Wachter zum Einstieg in ein Thema, "dem wir uns stellen müssen". Deshalb stehe bei den Weinpräsentationen der Vinothek, die in diesem Monat unter dem Thema "rote Spezialitäten" stünden, zunächst der ökologische Weinbau am Beispiel eines 2012er Regent der Weingärtner Stromberg-Zabergäu im Fokus.

Dieser Wein, der bereits mehrfach höchstprämiert worden sei, zuletzt beim Internationalen Preis für pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwi), eigne sich besonders gut als Beispiel für den ökologischen Weinbau, weil der Regent, wie andere Neuzüchtungen seit den 60er Jahren, auf frühe Reife und weitgehende Robustheit im Anbau gezüchtet worden sei. Im Gegensatz zu manch anderer Neuzüchtung habe er sich auch in der Praxis und am Markt durchgesetzt und bewährt. Der ökologische Weinbau, der in Bönnigheim in Rolf Häußer einen Pionier gehabt habe, erfordere einen wesentlich höheren Aufwand als der konventionelle Weinbau, weil beispielsweise der Verzicht auf Fungizide beim Pflanzenschutz und auf Herbizide bei der Unkrautbekämpfung ein hohes Maß an Bodenbearbeitung erforderten, heißt es in einer Mitteilung der Weinfreunde. Für die Kellerwirtschaft gebe es keine vergleichbaren Einschränkungen. In Europa würden 88.000 Hektar Rebflächen ökologisch bewirtschaftet, davon die Hälfte in Italien.

Nach Fritz Wachter ist der Regent das Ergebnis zahlreicher Kreuzungsversuche im Institut für Rebenzüchtungen Geilweilerhof. 1967 habe man dort aus der weißen Rebsorte Diana (eine Kreuzung aus Silvaner und Müller-Thurgau) und dem roten Chambourcin (eine Kreuzung aus Seyve Villard und Chancellor) eine Rebe mit mittelgroßem, dreilappigem Blatt und früh reifenden, walzenförmigen Trauben und runden, blauschwarzen Beeren gezüchtet. Wachter: "Der rote Regent war geboren." Trotzdem habe es noch 26 Jahre gedauert, bis die Vermehrung und die praktischen Tests so weit waren, dass die Rebsorte in die deutsche Sortenliste aufgenommen wurde.

Es brauche einen langen Atem, um Neuzüchtungen zur Ertrags- und Marktreife zu bringen, ergänzten die Vorstandsmitglieder Albrecht Hauber und Wolfgang Händel von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Und selbst wenn aus der Neuzüchtung ein "trinkbarer Wein" gewonnen werden könne, bedeute das noch lange nicht, dass er auch entsprechenden Erfolg beim Verbraucher habe.

Ein anschauliches Bild liefere der Regent, so Fritz Wachter. Die Weine seien dunkelrot und entsprächen damit einer verbreiteten Verbrauchererwartung, sie seien körperreich und fruchtig mit einem überdurchschnittlich hohen Gehalt des Rotweinfarbstoffes Malvidin, der den Regent zu einem idealen Cuvée-Partner mache. Dennoch tue sich der Regent mit einer Anbaufläche von etwa 59 Hektar in Württemberg, wo Lemberger, Trollinger, Schwarzriesling und Spätburgunder zu Hause seien, schwer und spiele nur eine untergeordnete Rolle im Rebsorten-Spiegel. Allerdings sei er für die eher rotweinarmen Anbaugebiete Pfalz und Rheinhessen, wo mit etwa 1500 Hektar die Anbauschwerpunkte lägen, von größerer Bedeutung.

Die Verkostung führte dann zu einem einhellig positiven Urteil, das in den Stichworten "ausgeprägte Fruchtaromen", "pikante Würze", "kräftige Struktur", "ausdrucksvoll in Geruch und Geschmack", "ausgeglichenes Verhältnis von Zucker und Säure", "anhaltender Abgang", "nicht nur trinkbar, sondern ausgesprochen gut" zusammengefasst werden kann. Sie lieferte zusammen mit den Kriterien des ökologischen Weinbaus viel Stoff für eine angeregte Diskussion unter den Weinfreunden.

 

Info Am kommenden Wochenende kann in der Vinothek eine weitere Spezialität verkostet werden: Ein 2011er Zweigelt S trocken vom VDP-Weingut Dautel, der Nachfolgejahrgang des Siegerweins des Vinum-Rotweinpreises 2013