Wein-Erlebnisse

Weinkollegs 2015

5. Dezember

Spätburgunder auf dem Prüfstand

 

Herbst und Winter stehen in der Vinothek traditionell im Zeichen von Lemberger und Spätburgunder. So war auch das Thema für das letzte Weinkolleg des Jahres der Freunde der Vinothek vorgegeben, das am Beispiel eines Drei-Sterne-Spätburgunders trocken Jahrgang 2012 aus der Weinkellerei Kölle von den Weinfreunden mit Engagement diskutiert wurde, geht es doch auch immer wieder um die Frage, wer ist der „König der Rotweine“, der Spätburgunder oder der Lemberger. Dabei geriet die Diskussion Dank sachkundiger Beiträge von Vinothekar Ulrich Bauer gelegentlich auch zu einem kleinen Seminar über Essen und Wein.

Zum Einstieg gab Moderator Fritz Wachter einen Überblick über die Ergebnisse der Weinlese, die man zusammenfassend auf den Nenner bringen könne: „in jeder Beziehung außergewöhnlich, so etwas habe ich noch nicht erlebt!“: gesundes, optimal ausgereiftes Lesegut („die Kirschessigfliege bereitete in diesem Jahr keine Probleme“), vollreife Trauben, ganz hervorragende Qualität mit hohen Mostgewichten bei allen Sorten und einer „stimmigen Säure“. Abgerundet werde das hervorragende Bild auch noch dadurch, „dass die Menge passt“. Fritz Wachter führte dann wie immer sehr sachkundig in das eigentliche Thema ein. „ Der Blaue Spätburgunder  wird hier  auf 884 ha angebaut und steht unter den Rotweinen nach Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger an 4. Stelle; zum Vergleich: in Baden wird Spätburgunder auf 5743 ha angebaut, er nimmt mit weitem Abstand Platz eins in der Anbaustatistik ein. Als wohl bekanntestes Mitglied der Burgunderfamilie steht der Pinot Noir für anspruchsvolle, elegante Weine“. Diese sehr alte und bei uns seit Jahrhunderten heimische Rebe stelle hohe Ansprüche an Klima und Boden, der nicht zu trocken und vor allem tiefgründig sein sollte. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich zum Thema Mariafelder, einem Klon des Spätburgunders, dessen Trauben nicht so dichtbeerig sind wie beim Spätburgunder und der damit weniger anfällig gegen Fäulnis ist. Auch durch seine längere Reifezeit (der Mariafelder wird in der Regel 2 bis 3 Wochen später als der Spätburgunder gelesen) hat er Vorzüge mit einer Tendenz zu höherer Qualität.

Vor dem Verkosten gab Fritz Wachter noch einen kurzen Überblick über die Klassifikation der Weine in der Weinkellerei Kölle, verbunden mit einem Glückwunsch an Heinz Kölle für das gute Abschneiden  bei der diesjährigen Landesweinprämierung (20 Medaillen, davon 6 Gold). So stünden beispielsweise  3 Sterne für Weine, die zur Qualitätssteigerung um rund 30 %  reduziert seien und bei Rotweinen der klassischen Maischegärung unterzogen worden und im großen Holzfass gereift seien. Beim Verkosten des 2012er Spätburgunders überzeugten sein dunkles Kirschrot und sein Bukett von dunklen Fruchtaromen. Man pflichtete gerne dem Urteil von Fritz Wachter bei: „ein, aromatischer, sehr trocken ausgebauter Wein mit elegantem Körper und gutem Finale".  Vinothekar Joachim Mann nutze die Gelegenheit, um die Besucher auf einige Ergänzungen im Sortiment der Vinothek hinzuweisen.  So seien beispielsweise die Siegerweine bei der Prämierung „bester Württemberger“ im Bereich Barrique, der Lemberger Signum I und die Rotweincuvée Octavio der Weingärtner Stromberg-Zabergäu nun ebenso vertreten wie der Lemberger GG St. Michaelsfeder vom VDP-Weingut Dautel und der im Barrique ausgebaute 5-Sterne-Lemberger Edition Paradies der Weinkellerei Kölle. Schließlich gab es vom Vorsitzenden Hans-Joachim Jaeger nach Dankesworten an den Moderator Fritz Wachter und die treuen Besucher des Weinkollegs noch einen Überblick über die Veranstaltungen 2016. Im Mittelpunkt stünden wieder die Weinkollegs, erstmals auch ein Kolleg zur Weinlese vor Ort in den Weinbergen mit Wolfgang Händel. Bei den Fortbildungsveranstaltungen sei die Fassweinprobe im Strombergkeller im Februar und der Besuch des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamtes in Fellbach  Ende März zu den Themen Pflanzenschutz und Weinkontrolle besonders hervorzuheben. Der Jahresausflug führe im Juli nach Franken mit dem Ziel Volkach und Umgebung.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 8. 12. 2015

 

7. November

Ernst Dautel und Fritz Wachter brechen eine Lanze für den Lemberger

Angeregte Diskussion im Weingut Dautel beim Weinkolleg

 

Eine große Runde von Weinfreunden hatte sich am Samstag erwartungsvoll im VDP-Weingut Dautel zum „Weinkolleg vor Ort Lemberger“ mit Ernst Dautel und Fritz Wachter versammelt. Und sie wurde nicht enttäuscht. Fritz Wachter wählte nach dem Dank an die Familie Dautel für die Ausrichtung des Weinkollegs einen eher ungewöhnlichen Einstieg mit dem Bekenntnis in Versform: „Der Wein ist mir lieber als Krankheit und Fieber!“. Damit hatte er gleich mal die Lacher auf seiner Seite, bevor es zunächst an die Vertiefung des Grundwissens zum Einstieg in die Diskussion ging.

 

Herbst und Winter stünden in der Vinothek traditionell im Zeichen von Lemberger und Spätburgunder. So sei auch das Thema für das Weinkolleg im November vorgegeben, das am Beispiel des 2013er  3-Sterne-Lembergers „Gipskeuper“ trocken heute zur Diskussion stehe. „Mit den Weinkollegs vor Ort in den Erzeugerbetrieben sollen die Beziehungen und Bindungen der Vinothekare zu den Erzeugern gepflegt und intensiviert werden.  Zugleich nutzen wir diese Veranstaltungen gerne als Dialogforum". Ernst Dautel, Senior-Chef des Weinguts, nahm diesen Ansatz gerne auf und bekräftigte neben seinen anerkennenden Worten für die Arbeit der Vinothekare („Konzeption und Durchführung stimmen!“), wie wichtig diese Rückkoppelung auch für die Erzeugerbetriebe sei. In Deutschland gebe es – so Fritz Wachter - über den Daumen gepeilt ungefähr 102 000 ha Rebfläche. Mit rund 11 500 ha sei Württemberg nach Rheinhessen, der Pfalz und Baden das  viertgrößte deutsche Weinbaugebiet. Was Württemberg aber von den anderen Anbaugebieten unterscheide, sei die Sortenvielfalt, gerade auch bei den Rotweinen. Traditionsgemäß sei darunter der Trollinger-Anteil immer noch sehr hoch, Trollinger sei nach wie vor die Nummer 1 in der württembergischen Anbaustatistik. Dank seiner stabilen Erträge sei er immer ein wirtschaftlicher Eckpfeiler für viele Betriebe gewesen. Der Lemberger folge noch nach dem Schwarzriesling mit gut 1 600 ha auf Platz 3 unserer Anbaustatistik. So würden württembergische Rotweine immer noch mit dem Trollinger gleichgesetzt, ergänzte Ernst Dautel, und weiter: „ Die deutschen Weinbaugebiete werden gerne über bestimmte Leitsorten definiert. So setzt man zum Beispiel Baden mit dem Spätburgunder gleich, die Mosel mit Riesling und Württemberg eben mit dem Trollinger“. Das würde der Realität überhaupt nicht gerecht. Es gehe ihm überhaupt nicht darum, den Trollinger schlecht zu reden. Aber zur Imagebildung auf dem deutschen und internationalen Rotweinmarkt tauge er weniger.  Mit dem Lemberger gebe es doch eine Sorte, die ebenfalls regionaltypisch sei und sich national und auch international durch ihr Potenzial für kraftvolle und Tannin betonte Rotweine sehen lassen könne und deshalb unter dem Aspekt der Eigenständigkeit als Alleinstellungsmerkmal in Deutschland auch gut platziert werden könne. Man müsse deshalb bei der Diskussion um das Profil des württembergischen Rotweinanbaus und im Marketing noch mehr Anstrengungen unternehmen, den Lemberger stärker nach vorne zu bringen.  Den Österreichern – so ein Einwurf aus der Runde der Weinfreunde - sei dies doch auch mit dem „Blaufränkisch“ exemplarisch gut gelungen. Damit war die Frage aufgeworfen wie denn der Lemberger nach Württemberg kam. „Unser Lemberger geht in der Tat – so der Moderator - auf den Blaufränkisch zurück, der vermutlich vom östlichen Europa nach Österreich gelangt ist.“ Nachweise gebe es seit dem 18. Jh. in Niederösterreich. Von dort sei er schließlich um die Mitte des 19. Jh. zu uns gelangt. Die Rebe stelle hohe Ansprüche an die Lage und bevorzuge tiefgründige Böden, wie sie bei uns in den Keuperformationen des Strombergs vorherrschten. „Stimmen diese Voraussetzungen, dann können große Weine erzeugt werden, davon wollen wir uns jetzt überzeugen“. Damit leitete der Moderator zur Verkostung über. Ernst Dautel stellte zunächst einen vollmundigen, fruchtigen Lemberger Jahrgang 2013 aus der Dautel-Serie „Gutsweine“ vor (Kennzeichen: weiße Kapsel, 2 Sterne). Dann folgte der 2013er Drei-Sterne Gipskeuper aus der Serie „Ortsweine“, (Kennzeichen: schwarze Kapsel), die entsprechend der Bodenformation separat ausgebaut würden und für gehaltvolle, komplexe Weine mit fülligem Charakter stehe, eine Feststellung, der sich die Weinfreunde im Gespräch bei der Verkostung mit dem Dank für ein hochinteressantes und instruktives Weinkolleg gerne anschlossen.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG 10.11. 2015

10. Oktober

Thema  „Terroir“  im Fokus des Weinkollegs am 10. Oktober

 

Wein der Woche in der Vinothek war der Drei-Sterne-Riesling Besigheimer Wurmberg Terrassenlage trocken vom VDP-Weingut Dautel. So lag es für den Moderator des Weinkollegs Fritz Wachter nahe, dem Thema „Terroir“ und seiner Bedeutung für den Weinbau etwas intensiver nachzugehen. „Geologische Strukturen und die Beschaffenheit des Gesteins beeinflussen wesentlich die Eigenschaften der Weinbergböden. Wasserspeicherfähigkeit oder Nährstoffverfügbarkeit bestimmen nicht nur das Wachstum der Reben, sondern wirken sich auch auf den Charakter der Trauben und somit den Geschmack des Weines aus“.

Schon die Alten – so der Moderator weiter - hätten vom „Bodagfährtle“ gesprochen, das sei nichts anderes als der Einfluss des Bodens auf den Wein. So neu sei das Thema also nicht, nur sei es heute wieder modern und stelle sich auch in einem anderen, übergreifenden Zusammenhang. Welcher Boden den besten Wein ergebe, sei wissenschaftlich nicht erwiesen. Ein Privileg des besten Bodens gebe es nicht. Klar sei aber, dass nicht jede Weinsorte auf jedem Boden gleich gut wachse. „Wenn wir an die Schieferböden der Mosel denken, denken wir automatisch an Riesling, und nicht an Lemberger“. Terroir sei aber mehr als Boden, so der Moderator weiter.  Eine große Anzahl von weiteren Faktoren beeinflusse den Wein: Lage, Tag- und Nachttemperaturen, Verteilung der Niederschläge auf das Jahr, Wasserrückhaltevermögen, Nährstoffvorrat des Bodens, Anzahl der Sonnenstunden, Tiefgründigkeit des Bodens; pH-Wert, die mineralische Zusammensetzung und vieles mehr, all diese Faktoren zusammen bezeichne man heute im Weinbau als Terroir. Wir werden heute einen Riesling mit der goldenen Kapsel verkosten. Diese stehe im VDP-Weingut Dautel für individuelle, charaktervolle Weine. Riesling sei nach seiner Meinung eine der hochwertigsten Rebsorten überhaupt, mit einer unvergleichlichen Bandbreite. Wie kaum ein anderer Wein bringe er die Eigenarten des jeweiligen Anbaugebiets und dessen geologische Beschaffenheit zum Ausdruck, sodass je nach Lage, Boden, Klima und Ausbau die unterschiedlichsten Weine entstehen könnten, wenn auch der Riesling im Zuge des Klimawandels zum großen Verlierer zu werden drohe. Fritz Wachter ging dann näher auf die geologischen Formationen in unserer Region ein. Während etwa die Weine in den Bönnigheimer Spitzenlagen, etwa dem „Sonnenberg“ durch nährstoffreiche schwere Keuperformationen gekennzeichnet seien, wo die Böden aus buntem Mergel, Schilfsandstein, und Gipskeuper in einer Höhenlage von etwa 360 bis 250 m bestünden, bestehe der an den Ufern der Enz gelegene Wurmberg, auf dem  die Trauben des zur Verkostung ausgeschenkten Weins gewachsen seien,  aus Muschelkalk-Terrassen mit über 50 % Steigung, die oft wieder neu aufgestützt werden müssten,  schwierig zu bewirtschaften seien und ganzjährig hohe Anforderungen an die Bewirtschaftung stellten. Die steinig-trockenen und gelbfarbigen Muschelkalkböden der reinen Südlage speicherten nicht nur die Feuchtigkeit. Sie nähmen auch die Wärme des Tages auf und würden diese nachts langsam abgeben. Das schaffe ein günstiges Kleinklima. Das Terroir Wurmberg stehe so Dank seines mineralstoffreichen Muschelkalkbodens für deutlich mineralisch geprägte Rieslinge, während solche aus dem „Sonnenberg“ etwas fülliger und deutlicher Aromen geprägt seien. Nun endlich ging es aber ans Verkosten des 2013er Drei-Sterne-Rieslings  Besigheimer Wurmberg Terrassenlage trocken. „Im Geruch fallen Aromen von Pfirsich, Mango und Grapefruit auf. Im Geschmack spürt man einen kraftvollen Auftakt mit deutlicher Säure, eleganter gelber Frucht und prägnanten mineralischen Noten. Ein langer Abgang macht den Rieslinggenuss perfekt“, eine Charakterisierung des Moderators, der sich die Weinfreunde mit dem Dank für ein hochinteressantes und sehr instruktives Weinkolleg gerne anschlossen.

5. September

Muskateller-Traube und -Wein im Vergleich beim Weinkolleg

 

Einem seit längerer Zeit zu beobachtenden Trend im Verbraucherverhalten – quer durch alle Altersgruppen - hin zu Weinen mit deutlicher Restsüße wolle man im Monat September mit der Auswahl der Präsentationsweine in der Vinothek entsprechen. Deshalb stünden in diesem Monat unter dem Schwerpunktthema „von feinherb bis fruchtig süß“ Weine im Fokus, die vorzugsweise nicht trocken ausgebaut seien, so Moderator Fritz Wachter zum Einstieg in das erste Weinkolleg nach der Sommerpause.

 

Zahlenmäßig deutlich geworden sei dieser auch heute angesichts der zahlreichen Besucher zu beobachtende Trend bei den Geschmacksprofilen bei der Fortbildungsveranstaltung der Vinothekare im Februar bei der WZG, wo Vorstandvorsitzender Dieter Weidmann anlässlich der Verkostung von Weinen der WZG-Serie „süß und fruchtig“ die neuesten Verkaufszahlen präsentiert habe.  „Wir können und wollen den Weintrinkern nicht vorgeben, was ihnen schmecken soll, sondern müssen uns an der Nachfrage orientieren“, so damals Weidmanns Fazit, dem – so der Moderator - nichts hinzuzufügen sei. Es gelte für die Kellereien, durch die Produktpalette neue Zielgruppen anzusprechen und damit zusätzliche Absatzpotentiale zu gewinnen. Mit der Frage, „was ist nun eigentlich süß beim Wein?“ wurde Fritz Wachter dann konkreter: Die Geschmacksstufen bzw. Süßegrade seien in der EU einheitlich geregelt, würden aber unterschiedlich bezeichnet. Trockene Weine seien solche mit einem Restzuckergehalt von höchstens 9 g/l, wobei der Gehalt an Säure maximal 2 g/l niedriger sein dürfe. Ein halbtrockener Wein könne zwischen 9 und 18 g/l Zucker enthalten; der Zucker dürfe aber nicht mehr als 10 g/l über dem Säuregehalt liegen. Halbtrockene Weine würden gelegentlich auch als feinherb bezeichnet. Weine mit einem Restzuckergehalt zwischen 18 g/l und 45 g/l würden meist als lieblich bezeichnet, während ein süßer Wein einen Restzuckergehalt über 45 g/L aufweise. Allerdings könnten Zuckerarme Weine auch süß schmecken, wenn sie zugleich Säurearm seien; umgekehrt könnten Weine mit hohem Säure- und Zuckergehalt als trocken wahrgenommen werden. Auf einen Einwurf ergänzte Fritz Wachter, dass ein Süßen des Weines nur durch die Zugabe der sog. Süßreserve (unvergorene Weinmoste) zulässig sei. Die Süßreserve müsse nicht von der identischen Traubensorte (ausgenommen beim Weißherbst), aber von derselben Weinart (rot oder weiß) und derselben Qualitätsstufe stammen. „Nun aber mit dem alten Volkslied „Brüder lasst die Gläser klingen“, in dem der Muskateller besungen wird, zum eigentlichen Thema“.

Fritz Wachter erinnerte daran, dass der Muskateller eine der ältesten Rebsorten der Welt und ein „Meister der Spielarten“ sei. Schließlich gebe es im Laufe seiner langen Geschichte (Stichworte Griechen, Römer, Nibelungenlied, Karl der Große) durch natürliche Veränderungen des Erbgutes etwa 200 Varianten von dieser Rebsorte, wie etwa auch einzelne Kreuzungen, z.B. den Morio Muskat (Silvaner x Muskateller), eine der bekanntesten

 

Neuzüchtungen des Instituts für Rebenzüchtungen Geilweilerhof. Diese einstige Dominanz der Rebe spiele in der deutschen Weinlandschaft bei einer Anbaufläche von rund 150 ha heute nur noch eine ganz untergeordnete Rolle. Die Weine allerdings, so der Moderator, „bestechen durch ihre Rasse und die feinen Aromen, zu denen die Restsüße gut passt“.Davon konnte sich die Runde der Weinfreunde dann auch beim Verkosten des 2013er Weisser von Stromberg Muskateller fruchtig der Weingärtner Stromberg-Zabergäu überzeugen. Es komme eben, so das die Diskussion zusammenfassende Urteil des Moderators, nicht nur auf den absoluten Gehalt an Zucker an, sondern darauf, wie er zusammen mit Säure und Alkohol harmoniere. „Stehen sie wie hier in einem fein abgestimmten Verhältnis, dann ist der Zucker nicht dominant, sondern geschmacklich gut eingebunden und der Geschmack auf der Zunge erfüllt voll die Erwartungen, die der Duft verspricht“. Einen besonderen Akzent bekam das Weinkolleg durch das Probieren von Muskatellertrauben, die der Moderator und Wolfgang Händel, stellv. Vorsitzender des Vorstands der Weingärtner Stromberg-Zabergäu mitgebracht hatten, um Traube und Wein in Geschmack und Fruchtigkeit zu vergleichen und anhand der unterschiedlichen Reifegrade der einzelnen Trauben auch die Schwierigkeiten bei der Festlegung des optimalen Lesezeitpunktes zu schildern, für den – so Wolfgang Händel -  nicht nur der Gehalt an Zucker wichtig sei, sondern auch an Säure, die mitentscheidend für Fruchtigkeit und Frische des Weines sei.

Am kommenden Wochenende – so der Moderator zum Abschluss -werden die Freunde der Vinothek im Rahmen des Themenschwerpunktes einen 2014er Drei-Sterne Weißburgunder fruchtig der Weinkellerei Kölle vorstellen.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 9.9. 2015

4. Juli im Strombergkeller

Hochsommerliches Weinkolleg zum Thema Riesling im Strombergkeller

 

Obwohl es einer der heißesten Tage des Jahres werden sollte, hatten sich rund 20 Weinfreundinnen und Weinfreunde am Samstag 4.7. im Strombergkeller zum „Weinkolleg vor Ortder Freunde der Vinothek eingefunden. Der Fasskeller war bei diesen Temperaturen der ideale Raum, um sich trotz brütender Hochsommerhitze in einem sehr angenehmen Umfeld mit dem Thema Riesling in Theorie und Praxis auseinanderzusetzen. Der geballte Sachverstand der Vorstandsmitglieder der Weingärtner Stromberg-Zabergäu Albrecht Hauber und Wolfgang Händel und von Kellermeister Uwe Hirschmüller sowie von Moderator Fritz Wachter sorgte dafür, dass sich eine hochinteressante Diskussion über alle Aspekte des An- und Ausbaus entwickelte, die keine Frage offen ließ.

 

Ist er noch der König der Weißweine oder geht der Riesling angesichts der zunehmenden Wertschätzung, die etwa Grau- und Weißburgunder oder Sauvignon blanc in den letzten Jahren erfahren haben, in seiner Bedeutung zurück? Diese eingangs bewusst provokant gestellte Frage fand eine eindeutige Antwort der Experten. So sei der Riesling mit einer Anbaufläche von ca. 22.000 ha in Deutschland (im Anbaugebiet Württemberg rund 2.100 ha und im Einzugsgebiet der WGSZ etwas über 100 ha) nicht nur die wichtigste weiße Rebsorte bei uns, sondern sie sei auch wegen ihrer einmaligen Vielfalt an Fruchtaromen und der geschmacklichen Bandbreite und Komplexität unerreicht und darin auch weit über die Grenzen Deutschlands anerkannt. Wie bei kaum einer anderen Rebsorte sei das Terroir, also die Gesamtheit der Einflussfaktoren Boden, Lage und Klima, die das Wachstum und  die Inhaltsstoffe der Reben bestimmten, für den typischen Geschmack des Rieslings kennzeichnend. Wie kaum ein anderer Wein bringe er deshalb die Eigenarten des jeweiligen Anbaugebiets zum Ausdruck, sodass je nach Lage, Klima und Ausbau die unterschiedlichsten Weine entstehen könnten.  Hochgeschätzt am Riesling sei die Kombination von Säure und Extrakt sowie Alkohol, die ihn in der Regel auch gut lagerfähig machten. Deshalb schmecke ein Rheingau-Riesling mit seinem schlanken Charakter und seiner klaren, saftigen Struktur eben anders, als ein vom Schieferboden geprägter Riesling von der Mosel mit seiner säurebetonten Mineralität. Unsere Rieslinge wiederum würden sich davon  bodenbedingt unterscheiden, sie seien in der Tendenz nicht so schlank, sondern etwas voluminöser und in der Mineralität nicht so ausgeprägt. Dabei gebe es im Blick auf die Weinberglagen durchaus noch Optimierungsmöglichkeiiten, denn der Riesling sei früher eher auf den ungünstigeren Lagen angebaut worden, die guten Lagen seien dem Lemberger vorbehalten gewesen. „ Was intensive Arbeit im Weinberg zur Erhöhung der Fruchtigkeit und Qualität (z.B. Ertragsreduzierung, Laubarbeit) und Sorgfalt bei der Lese und im Keller vermögen, zeigen unsere Spitzenweine, die einen Vergleich mit anderen Weinbaugebieten nicht zu scheuen brauchen“. Mit diesen Worten nahm Kellermeister Uwe Hirschmüller diese Gedanken auf und leitete über zur Verkostung des 2013er Epos Riesling, bei dem er die deutlichen Fruchtnoten, vor allem Zitrus, und die wohlschmeckend eingebundene Säure besonders hervorhob. Der Wein zeige eine schöne Reife, die ihm viel Volumen verleihe. Die Lese 2013 sei nicht unproblematisch gewesen und habe großen Einsatz aller Beteiligten erfordert. Gerade beim Riesling dürfe man nicht den Fehler machen, zu früh zu lesen. Unterschiedlicher Ausreifung und aufkommendem Fäulnisdruck müsse man mit einer gestaffelten Lese je nach Vollreife begegnen. Nur so sei hohe Qualität wie beim ausgeschenkten Wein gewährleistet. Zum Vergleich wurde anschließend der 2014er Epos Riesling verkostet, der sich mit seiner frischen Säure und vollen Fruchtigkeit deutlich vom 2013er abhob. „Zwei ganz verschiedene, große Riesling Weine, die die ganze Bandbreite dieser Rebsorte zeigen, und an denen es nichts zu nörgeln gibt“, so der Moderator, eine Feststellung, der die Runde gerne beipflichtete.

Zur allgemeinen Überraschung wurde dann noch ein erstmals 2014 auf den Markt gebrachter Bio Cabernet Blanc trocken verkostet, der jüngst auf Anhieb beim Internationalen Bioweinpreis eine Goldmedaille errungen hatte; zu Recht, wie die Weinfreunde einmütig beim Verkosten dieses an einen Sauvignon blanc erinnernden frischen und Aromen betonten Weines feststellten.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 8.7. 2015

6. Juni "em Wengert"

 

Beim Weinkolleg "em Wengert" erlebten die Weinfreunde bei hochsommerlicher Hitze einen interessanten Nachmittag. Wolfgang Händel, Vorstandsmitglied der WSZ, erläuterte sehr anschaulich Rebblüte und Vegetation der Reben und die erforderlichen pflegerischen Maßnahmen der Wengerter; Fritz Wachter behandelte das Thema "Sommerweine" am Beispiel eines 2014er Rivaner "Mann im Fass" und eines 2014er Muskatellers der neuen Serie "Fantasie". Herzlichen Dank den Referenten und Besuchern für das Erlebnis im Weinberg. Einen Bericht der Bönnigheimer Zeitung finden Sie auf unserer Internetseite

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 8.6. 2015

 

2. Mai

Erfolgsgeschichte Weißburgunder im Weinkolleg

In der Vinothek hat im Mai mit den weißen Burgundern die sommerliche Phase der Weinpräsentationen begonnen, bei denen die Weißweine im Mittelpunkt stehen. So war der Weißburgunder auch Thema des Weinkollegs mit dem Moderator Fritz Wachter am vergangenen Samstag. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in der bis auf den letzten Quadratmeter bestuhlten Vinothek widmeten sich dem Thema in einer über­aus angeregten Diskussion.

 

Am Anfang stand aber wieder eine Fülle fachlicher Informationen zum Thema weiße Burgunder durch den Moderator, gelegentlich ergänzt durch das kellertechnische Fachwissen von Erwin Rennstich. Der Weißburgunder, eine anspruchsvolle Rebsorte aus der großen Burgunderfamilie, sei eine natürliche Mutation des Pinot Noir, also des blauen  Burgunders, und eng mit dem Grauburgunder und dem Auxerrois verwandt, die auch auf den Spätburgunder zurück­gingen. Der Weißburgunder sei zunächst mit dem Chardonnay gleichgesetzt worden. Erst einem französischen Forscher sei  Ende des 19. Jh. der Nachweis gelungen, dass der Pinot Blanc, also der weiße Burgunder, eine natürliche Mutation des Pinot noir sei, während neu­ere DNA-Tests erwiesen hätten, dass der Chardonnay eine spontane Kreuzung zwischen Pinot und Gouais Blanc, also des Heunisch, sei. Diese Rebe, die heute fast ausgestorbenen sei, habe bis ins 19. Jahrhundert als eine der wichtigsten Weißweinsorten große Bedeutung wegen ihrer Robustheit und Ertragsstärke gehabt, allerdings seien die Weine von eher minderer Qualität gewesen. Heunisch sei eine der wichtigen europäischen Stammrebsorten, aus der zahlreiche Sorten hervorgegangen seien. Im Mittelalter habe man zunächst nur zwischen „hunnischen“ (verkürzt gesagt aus Ungarn stammenden) und „fränkischen“ Sorten unterschieden, die von ganz unterschiedlicher Qualität gewesen seien. „Für Hildegard von Bingen beispielsweise – so der Moderator - waren die Weine aus den fränkischen Sorten so stark, dass man sie mit Wasser verdünnen müsse, wohingegen der „hunnische“ Wein wässrig sei. Doch zurück zum Weißburgunder“.  Frankreich sei über lange Zeit eine Domäne des Weißburgunders gewe­sen. Er verliere dort aber seit längerem kontinuierlich an Bedeutung. In Deutschland hingegen erfreue sich die Rebsorte zunehmender Beliebtheit, allerdings bei 4500 ha immer noch auf einem relativ niederen Niveau. In Württemberg sei der Weißbur­gunder immer noch ein Nischenprodukt, allerdings bei steigender Tendenz: Hierzulande würden nur auf ca. 100 ha, also auf weniger als 1 % der Anbaufläche, Weißburgunder angebaut, während es in Baden immerhin fast 1300 ha (gut 8 % der Anbaufläche) seien. Der Grund für die zunehmende Wertschätzung des weißen Burgunders sei neben seinem typischen, „sommerlich-süffigen“ Geschmacksprofil mit einer zurückhaltenden Säure wohl auch darin zu sehen, dass der weiße Burgunder auch noch in Lagen ge­deihe, wo es im Zuge der zunehmenden Klimaerwärmung mit dem Riesling Probleme gebe. Vorherrschend sei der Ausbau im Stahltank mit kontrollierter Gärung und gelegentlich, wie beim Wein der Woche, mit einer etwa halbjährigen Lagerung auf der Feinhefe („das sind die verbliebenen Restbestandteile von Fruchtfleisch, Schalen und Hefezellen nach dem Abstich, also der Abtrennung des Bodensatzes nach der Gärung“). So könnten schlanke, fruchtige und aromenreiche Weine mit einem fein ausbalancierten Verhältnis von Säure und Restsüße gewonnen werden, wie der zur Verkostung ausgeschenkte Wein der Woche, der 2013er Weis­sburgunder trocken vom VdP-Weingut Dautel mit seinen feinen Aromen von Zitrusfrüchten und Ananas hervorragend zeige. Allerdings sei beim Weißburgunder zunehmend auch der Ausbau zu komplexeren Weinen im Barriquefass zu beobachten, auch in Bönnigheim. So habe die renommierte Fachzeitschrift „Vinum“ beispielsweise den im Barrique ausgebauten 2012er Weißbur­gunder S des Bönnigheimer Weißburgunderpioniers Ernst Dautel zusammen mit 3 anderen so ausgebauten Weinen zum besten Weißburgunder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekürt. Damit waren die Stichworte für die Diskussion vorgegeben, die die Weinfreunde gerne und ausgiebig aufnahmen, zumal in einer vergleichenden Probe noch der 2014er Chardonnay trocken „Weisser von Stromberg“ der Weingärtner Stromberg-Zabergäu verkostet wurde, nach der Beurteilung des Moderators „feinfruchtig mit Anspielungen an exotische Früchte, angenehm rund und harmonisch mit viel Körper“.

7. März

Erfolgsgeschichte Weinkolleg

Seit nunmehr 5 Jahren treffen sich in Bönnigheim  Weinfreunde und zunehmend auch Weinfreundinnen einmal im Monat in der Vinothek, um sich in geselliger Runde beim Weinkolleg der Freunde der Vinothek über Themen rund um den Wein auszutauschen.

„Moderator dieser Veranstaltung ist seit Anbeginn Fritz Wachter, der nicht nur mit hoher Kompetenz in die jeweiligen Themen einführt, sondern es auch meisterlich versteht, diese zu moderieren.“

So Hans-Joachim Jaeger, Vorsitzender der Weinfreunde, der das kleine Jubiläum nicht nur zum Anlass nahm, Fritz Wachter für seinen Einsatz zu danken, sondern auch kurz auf die Erfolgsgeschichte Weinkolleg zurückzublicken, die auch eine solche der Vinothek sei. 1999  auf Initiative des heutigen Vinothekars Werner Krapf, damals noch selbst vermarktender Weingärtner, als Gemeinschaftsinitiative der Stadt und der beteiligten Betriebe gegründet, habe sich die Vinothek unter den Vinothekaren Ulrich Bechtel, Andreas Hainz und Fritz Wachter in der Wein- und Museumsstadt Bönnigheim schnell als kompetente Einrichtung etabliert. Nach einer Phase der Stagnation habe ein neues Betreibermodell die Vinothek wieder auf die Erfolgsspur geführt: 2008 habe sich ein Freundeskreis zum Verein „Freunde der Vinothek“ zusammengeschlossen, den er seither mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Joachim Mann und Manfred Schmälzle leite. Die Mitglieder unterstützten den neuen Vinothekar Joachim Mann in seiner Arbeit und nähmen ehrenamtlich den Dienst zu den Öffnungszeiten wahr, betreuten das Museum Sophie La Roche und die Tourist-Information in der Vinothek, die in den letzten Tagen von Vinothekar Rolf Schube neu gestaltet worden sei.  Um den Charakter der Vinothek als Ort fachlichen Meinungsaustausches noch stärker zum Ausdruck zu bringen, sei 2010 der „Treffpunkt Weingespräch“  konzipiert worden, der seit 2011 unter der Bezeichnung „Weinkolleg“  monatlich nicht nur einen örtlichen Stamm von Besuchern anziehe, sondern auch weit darüber hinaus auf Interesse stoße. Die Themen, so Moderator Fritz Wachter, orientierten sich an den „Weinen der Woche“ in der Vinothek, die nach monatlichen Schwerpunkten strukturiert seien und an denen sich auch die Öffentlichkeitsarbeit der Freunde der Vinothek orientiere. Im März sei dies der Trollinger. Fritz Wachter rief hier das „Weinkolleg in den Steillagen“ vom Pfingstsamstag des vergangenen Jahres in Erinnerung, bei dem Vorstandsmitglied Wolfgang Händel von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu die Probleme des Steillagenweinbaus dargestellt habe. Mit einem gekonnten Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre zeigte der Moderator die Entwicklung der in B.-W. meist angebauten Rebsorte  vom Massenträger mit weit mehr als 300 kg/Ar Ertrag hin zu den heutigen Qualitätstrollingern auf. Dank starker Ertragsreduzierung und optimaler Reife sei heute die Kelterung hervorragender Weine möglich. Mit einer Schilderung der undifferenzierten „Trollinger-Schelte“ von Stuart Pigott beim Neujahrsempfang des Landkreises löste der Moderator dann eine engagierte Diskussion aus, die von Wolfgang Händel, Önologie-Vorstand Albrecht Hauber von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu und Heinz Kölle fachlich bereichert wurde. Schon überrascht reagierte die Runde der Weinfreunde dann auf einige weitere Zitate von Stuart Pigott, die Hans-Joachim Jaeger zum Besten gab: So laut Stuttgarter Nachrichten vom 8.2. 2010 beim 14. Weintreff in Fellbach: „Der riecht wie Muttis Garten. Der Trollinger ist die unterschätzteste Rebsorte Deutschlands. Diese Rebsorte hat ein Ertragspotential, die kaum zu toppen ist“. Und am 6.11. 2009 in seinem Weintelegramm am Beispiel eines 2003er Trollinger Alte Reben vom Weingut Kistenmacher & Hengerer in Heilbronn: „Laut verbreiteter Meinung unter Fachleuten kann so ein Geschmack bei dieser Rebsorte nicht möglich sein, aber dieser Wein war ein überzeugender Beweis, was drastische Ertragsreduzierung beim Trollinger bringen kann. Dann wird aus dem grauen Entlein ein strahlender Schwan“! Da zeige sich, so Fritz Wachter, wie komplex die Situation sei, der man mit Schwarz-Weiß-Malerei keinesfalls gerecht werde.

Aber dann ging’s endlich ans Verkosten. Zunächst probierte die Runde einen 2013er Trollinger feinherb aus Steillagen des Strombergkellers, Wein der Woche an diesem Wochenende, „ein Trollinger mit herausgehobenem Profil, ein Wein zum Genießen“, so Fritz Wachter, um beim 2013er Trollinger trocken aus Steillagen geradezu ins Schwärmen zu kommen: „Die Fruchtintensität, die geschmackliche Fülle und die Gerbstoff-Struktur machen diesen Wein zu einem absoluten Premium-Trollinger“, der aus stark selektionierten Trauben in einer sehr aufwändigen Lese mit 88 ° Oechsle gewonnen und mit ebensolchem Aufwand im Keller verarbeitet und im Holzfass ausgebaut worden sei. „Hier stimmt alles, oder mit den Worten von Stuart Pigott: das ist ein strahlender Schwan“! Und so gebe es am Ende auch Übereinstimmung mit dem Trollinger-Kritiker, der eigentlich –wie sich gezeigt habe - gar kein solcher sei, so der Moderator zum Abschluss einer gelungenen Veranstaltung.

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 11.2. 2015

NECKAR- UND ENZBOTE vom 20.3. 2015

6. Februar

Mit dem Zweigelt, einer hierzulande eher weniger bekannten Rebsorte, beschäftigte sich das Weinkolleg der „Freunde der Vinothek“ im Februar. „Deshalb müssen wir uns heute zunächst etwas ausführlicher mit den Grundlagen beschäftigen“ so Moderator Fritz Wachter, bevor es an die Verkostung gehe.

Der Zweigelt sei 1922 in Klosterneuburg, der österreichischen Lehr- und Forschungsanstalt bei Wien gezüchtet worden. Die Kreuzung aus Blaufränkisch (also Lemberger, der erstmals in Österreich nachweisbar sei) und St. Laurent (einer hocharomatischen dunklen Rebsorte der Burgunderfamilie) gehe auf den damaligen Botaniker und späteren Leiter der Versuchsanstalt Dr. Fritz Zweigelt zurück, der auf der Suche nach einem dunklen, kräftigen Rotwein mit heimischen Rebsorten experimentierte. Der Zweigelt, der zunächst als „Rotburger“ bezeichnet wurde („Rot“ für Rotwein und „burger“ für Klosterneuburg) und erst 1975, lange nach dem Tod von Dr. Zweigelt, dessen Namen erhalten habe, habe sich seit Ende der neunziger Jahren in Österreich als wichtigste Rotweinsorte mit enormen Zuwachsraten durchgesetzt; er werde dort in allen Weinbauregionen auf 6.476 ha angebaut, das entspreche etwa 14,1, % der österreichischen Rebfläche, wohingegen der Blaufränkisch „nur“ auf  3225 ha = 7 % angebaut werde. Zweigelt sei robust und habe relativ geringe Ansprüche an den Boden bei hohen Erträgen. Die Rebe habe dichtbeerige Trauben und erfordere wegen der guten Fruchtbarkeit intensive Laubarbeit und Ertragsregulierung. Aus den hellroten Trauben, die früher als beim Lemberger reiften, würden sowohl junge, frisch zu trinkende als auch kräftige, oft im Barrique ausgebaute Weine gekeltert, wie der heute zu verkostende Wein. Gerne werde die Sorte auch als Partner von Cuvées eingesetzt. Kennzeichen des Zweigelt sei die rubinrote Farbe und sein schöner Duft, oft nach Kirschen, im Geschmack seien die Weine fruchtig, körperreich und harmonisch, mit deutlicher Säure und weichen Tanninen. Seine „Württemberger Wiege“ liege im Remstal rund um den „Korber Kopf“, wo einige Wengerter nach nicht gerade erfolgversprechenden Anbauversuchen mit Lembergerklonen auf der Suche nach einem kräftigen Rotwein in Österreich auf den Zweigelt gestoßen seien, der ihren Vorstellungen vom Weincharakter entsprochen habe. Die Klassifizierung für Württemberg sei nach vorangegangenen Sortenversuchen aber erst 1997 erfolgt. Die größte Anbaufläche Württembergs liege im Remstal, ein weiterer Schwerpunkt im Taubertal, insgesamt sei der Zweigelt aber ein Nischenprodukt, 2013 seien in Württemberg nur 108 ha mit Zweigeltreben bestockt gewesen.

Dann kamen endlich Nase und Gaumen zu ihrem Recht. „Den im Barriquefass ausgebauten 2010er Zweigelt S trocken vom VDP-Weingut Dautel, den wir heute probieren, ist eine wahre Granate. Er ist der Nachfolgejahrgang des Siegerweins des Vinum-Rotweinpreises 2013“, so der Moderator. „Im Duft deutliche Aromen von Kirschen, eingebunden in einen harmonischen Holzton, am Gaumen leicht mineralisch, viel Würze und schön eingebundene Tannine, viel Körper und nachhaltiger Abgang, ein großer Rotwein für besondere Anlässe,“ so die Ansprache von Fritz Wachter, die aus der Runde der Weinfreunde volle Zustimmung fand. Die Bandbreite der Zweigeltweine wurde deutlich an der Verkostung eines von Ulrich Bechtel vorgestellten 2012er Zweigelt des burgenländischen Weingutes Wagentristel, eines aromenreichen, frischen und fruchtigen und damit sortentypischen Weins.