Wein-Erlebnisse

Weinkollegs 2014

Weinkolleg "Lemberger" am 6. Dezember

Weinkolleg der Extraklasse zum Thema Lemberger

 

Zum letzten Weinkolleg des Jahres der Freunde der Vinothek hatte sich eine stattliche Zahl von Weinfreunden im Strombergkeller eingefunden, die dichtgedrängt im stimmungsvollen Fasskeller die Vorstellung des „Weins der Woche“  erwarteten. Bei seiner Begrüßung dankte der Vorsitzende Hans-Joachim Jaeger den Vertretern der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, den Vorstandsmitgliedern Wolfgang Händel und Albrecht Hamm sowie Kellermeister Uwe Hirschmüller für die Einladung und für die stets gute Zusammenarbeit und verband dies mit Glückwünschen für das herausragende Ergebnis bei der diesjährigen Landesweinprämierung und die Erfolge bei zahlreichen Prämierungen im zurückliegenden Jahr. 

„Wo also gibt es einen besseren Ort, um dem Lemberger zu huldigen, als in der mit über 200 ha Anbaufläche größten „Lemberger-WG“  Stromberg-Zabergäu?“ nahm Weinkolleg-Moderator Fritz Wachter die Glückwünsche auf. Denn auch der 2011er  Epos von Stromberg Lemberger trocken des Strombergkellers, den man gleich probieren wolle, sei prämiert: bei der Berliner Wine Trophy sei er mit Silber ausgezeichnet worden. Dann bat er nach einleitenden Informationen zum Thema  Kellermeister Uwe Hirschmüller, den Wein näher vorzustellen.

„Gesunde und reife Trauben aus ertragsreduzierten alten Weinbergen bilden die Grundlage dieses Weines der Epos-Serie, die in unserer Qualitätspyramide für den zweithöchsten Qualitätsstandard steht.“ Auf etwa 70 ha, so Hirschmüller weiter,  würden Trauben für die Premiumprodukte erzeugt. Der Schlüssel zum Erfolg liege im Weinberg. Was der Wengerter versäume, könne der Kellermeister nicht mehr nachholen. Gerade beim Lemberger mit seiner relativ großen Traube sei ständige Pflege unverzichtbar, insbesondere müsse zur Erzeugung einer Top-Qualität  auch während der Reifung großzügig herausgeschnitten werden und immer wieder durch den Blattschnitt für ein Optimum an Licht und Luft gesorgt werden. Der Wein sei auf der Maische vergoren und dann nach biologischem Säureabbau im großen Holzfass ausgebaut worden; ein Teil als Zweitbelegung im kleinen Barriquefass. „Schauen wir ins Glas, so weist schon das dunkle Rubinrot auf einen großen Rotwein hin. Im Duft herrschen die Lemberger-typischen Aromen von dunklen Beeren vor, aber auch feine Vanillearomen sind zu spüren. Im Geschmack werden die weichen Tannine und die saftige Frucht von einem dezenten Eichenholz abgerundet. Insgesamt ein ausdrucksstarker Lemberger mit prächtiger Länge, in Restzucker (2,3 g/L) und Säure (4,8 g/l) sowie Alkohol (14 %vol.) optimal abgestimmt“. Kellermeister Uwe Hirschmüller wartete dann noch mit einer besonderen Überraschung auf: einer Fassprobe des Nachfolgejahrgangs, des 2012er Epos Lemberger trocken, der sich mit seiner Aromenfülle, Fruchtigkeit und Komplexität ebenbürtig neben dem 2011er präsentierte. Fritz Wachter als ausgewiesener Lembergerfreund zeigte sich sehr beeindruckt von den Verkostungen und konnte nach der angeregten Diskussion, die er wie immer sachkundig moderierte, mit allgemeiner Zustimmung feststellen: “Was kann es für einen Weinliebhaber Schöneres geben, als solche Weine zu verkosten“.  Zum Abschluss gab Wolfgang Händel noch einen informativen Bericht über das Weinjahr 2014.  Es sei alles andere als einfach gewesen, so das Resümee, und habe von allen Beteiligten ein hohes Maß an Einsatz und Flexibilität, insbesondere bei der unter extremem Zeitdruck gestandenen Lese verlangt. Aber letztlich könne man doch mit Zufriedenheit auf das Ergebnis blicken, wenn auch die Ausfälle – etwa beim Lemberger – schmerzlich seien.

Verbunden mit dem Dank an die Vertreter der Kellerei, den Moderator und die Gäste nach diesem „Weinkolleg der Extraklasse“ zog der Vorsitzende bei seinen abschließenden Worten ein positives Fazit der Veranstaltungen des Jahres. Auch für 2015 habe man wieder ein attraktives Programm entwickelt, dessen Schwerpunkt die Weinkollegs bildeten, wobei die Weinkollegs vor Ort auch im nächsten Jahr ein fester Bestandteil seien. Die Weinpräsentationen in der Vinothek seien aber noch nicht zu Ende: Am nächsten Wochenende stehe mit dem 4-Sterne Lemberger trocken der Edition Paradies Jahrgang 2011 der Weinkellerei Kölle ein weiteres Schwergewicht dieser Rebsorte als Wein der Woche auf dem Programm, den es zu verkosten lohne.

Weinkolleg "Spätburgunder" am 8. November

Spätburgunder im Test

Weinkolleg diskutiert Bedeutung von Klonen und Terroir

 

Ab November dreht sich in der Vinothek traditionell alles um Spätburgunder und Lemberger. Damit ist auch das Thema der Weinkollegs mit Fritz Wachter im November und Dezember vorgegeben. So wurde kürzlich am Beispiel des 2012er  3-Sterne-Spätburgunders Schilfsandstein trocken des VDP-Weingutes Dautel, dem Wein der Woche in der Vinothek,  das Thema Spätburgunder von den Weinfreunden diskutiert.

Wie immer gab es zunächst eine sachkundige Einführung durch den Moderator, denn „vor der Kür steht die Pflicht, damit wir  uns in Erinnerung rufen, worüber wir diskutieren. Der Blaue Spätburgunder  wird hier  auf 884 ha angebaut und steht unter den Rotweinen nach Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger an 4. Stelle; zum Vergleich: in Baden wird Spätburgunder auf 5743 ha angebaut, er nimmt mit weitem Abstand Platz eins in der Anbaustatistik ein. Als wohl bekanntestes Mitglied der großen Burgunderfamilie steht der „Pinot Noir" für anspruchsvolle, elegante Weine". Diese sehr alte und bei uns seit Jahrhunderten heimische Rebe stelle hohe Ansprüche an Klima und Boden, der nicht zu trocken und vor allem tiefgründig sein sollte. Der Spätburgunder liebe kühlere Klimazonen, je südlicher das

 Anbaugebiet, desto höher sollten die Reblagen sein.Die Traube habe viel Potential, gerade bei unseren klimatischen Verhältnissen und Böden. Erschwerend falle aber ins Gewicht, dass die Spätburgundertraube klein und dichtbeerig sei und viel Sorgfalt im Weinberg und Keller erfordere. Den Hinweis auf den langjährigen Anbau von „Mariafelder“ in Bönnigheim nahm Fritz Wachter gerne auf, um auf unterschiedliche Klone verschiedener Rebsorten einzugehen. So seien etwa beim Spätburgunder-Klon Mariafeld die Trauben eher lockerbeerig und damit weniger anfällig gegen Fäulnis. Auch durch seine längere Reifezeit (der Mariafelder wird in der Regel 2 bis 3 Wochen später als der Spätburgunder gelesen) habe er Vorzüge mit einer Tendenz zu höherer Qualität. Der Moderator wies in diesem Zusammenhang auf eine Veranstaltung des Weinbauarbeitskreises mit Weinbauberater Gerd Götz aus Neustadt hin, bei der es um „neue aufgelockerte Klone bei Burgundersorten und Riesling“ gehe. Zur Klarstellung der unterschiedlichen Begriffe wies er darauf hin, dass „ein Klon eine genetisch identische Pflanze ist, Mutation dagegen eine auf natürlichem Weg eingetretene – oder auch durch erbgutverändernde Chemikalien herbeigeführte – Veränderung des Erbgutes einer Pflanze, die dauerhaft ist.  So ist z.B. der Samtrot eine natürliche Mutation aus dem Schwarzriesling, die von Hermann Schneider 1929 in seinem Heilbronner Weinberg entdeckt und dann von der Versuchsanstalt in Weinsberg vermehrt wurde“.  Kreuzung sei schließlich die Züchtung einer neuen Pflanze durch Kreuzen zweier verschiedener Pflanzen, also z.B. die Kreuzung Kerner aus Trollinger und Riesling. Fritz Wachter leitete dann mit einem Zitat von Christian Dautel auf den zur Verkostung ausgeschenkten Spätburgunder Schilfsandstein über:  Die Böden im Terroir Sonnenberg des Weingutes bestehen aus buntem Mergel, Schilfsandstein, und Gipskeuper. Hier reifen vor allem Trauben für Weine von gehaltvollem und fülligem Charakter.“ Der Schilfsandstein, den man „auf der Kappe“ unserer Weinberge antreffe, sorge für „filigrane und nervige“ Weine – so das Zitat weiter - , während der Gipskeuper, der in den mittleren Lagen anstehe, für „etwas ausladendere, fettere Weine“ stehe. Damit waren die Stichworte für eine lebhafte Diskussion vorgegeben, die durch das Verkosten weiterer Spätburgunderweine zusätzlich angeregt wurde.

Die Ergebnisse fasste der Moderator so zusammen:  Das Terroir, also das Zusammenspiel von Bodenverhältnissen, klimatischen und topographischen Gegebenheiten und die Auswirkungen auf die jeweilige Rebsorte, sei - wie das führende Anbaugebiet Burgund zeige -  gerade beim Spätburgunder für die Erzeugung von Weinen im Spitzensegment von großer Bedeutung. Das habe man beim Wein der Woche auf der Zunge: „ein Spätburgunder wie er sein soll, ein herausgehobener Wein, ausgebaut im großen Holzfass mit seiner typischen, leicht ins Purpurrot wechselnden Farbe, überzeugend mit seinen Aromen von frischen dunklen Beeren, gut eingebundenen Gerbstoffen und pikanter Säurestruktur“. Neben dem Dank an den Moderator wies der Vorsitzende zum Abschluss, bevor er zum letzten Weinkolleg des Jahres am 6. Dezember in den Strombergkeller einlud, noch auf den Wein der kommenden Woche hin: eine fruchtig ausgebaute Variante des Spätburgunders, die 4-Sterne-Edition Paradies Spätburgunder fruchtig Jahrgang 2009 aus der Weinkellerei Kölle.

 

Bericht der BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 11.11. 2014

Weine mit Restsüße im Fokus beim Weinkolleg

 

„Muskateller & Co.“ ist das Schwerpunktthema im September in der Vinothek, das  Weine mit deutlicher Restsüße in den Fokus stellt. Beim ersten Weinkolleg der Freunde der Vinothek mit Fritz Wachter nach der Sommerpause stand ein fruchtiger Muskateller Jahrgang 2012 aus der Weisser-Serie des Strombergkellers Pate für Diskussion und Probe.

 

Fritz Wachter stimmte zur allgemeinen Überraschung zu Beginn des Weinkollegs das alte Volkslied „Brüder lasst die Gläser klingen“ an, in dem der Muskateller besungen wird, um zu demonstrieren, dass es sich bei dieser Rebsorte um eine der ältesten der Welt handle. Er nannte den Muskateller einen „Meister der Spielarten“, denn es gebe im Laufe seiner langen Geschichte etwa 200 Varianten von dieser Rebsorte. Griechen und Römer hätten ihn schon getrunken, im Nibelungenlied werde der Muskateller-Wein gerühmt und schließlich habe er auch zu den Lieblingsweinen Karls des Großen gezählt, der ihn sich aus dem Languedoc habe kommen lassen. In diesem geschichtlichen Kontext gab es unter dem Stichwort „Orange-Wine“ einen Exkurs über antike Produktionsverfahren, die in letzter Zeit durch die Fachpresse „geisterten“. Es gebe neben weiß, rosé und rot, den klassischen Farben des Weins nun eine vierte: orange. Beim Orange-Wine handle es sich um einen Weißwein, der wie der Rotwein auf der Maische vergoren werde und bei dem die mikrobiologischen und sonstigen Prozesse unkontrolliert abliefen. So entstehe ein völlig naturbelassenes, ungeschöntes und ungefiltertes Produkt, das ganz anders schmecke als die vertrauten frischen, fruchtbetonten Weißweine. In Georgien würden diese Weine sogar wie in der Antike in Tonamphoren vergoren. Ob der Orange-Wine nur ein kurzlebiges Experiment sei, werde sich zeigen, jedenfalls handle es sich für absehbare Zeit allenfalls um ein Nischenprodukt. Fritz Wachter führte zum eigentlichen Thema zurück mit dem Hinweis, dass der Muskateller und seine Spielarten, wie etwa der Morio Muskat, eine der bekanntesten Neuzüchtungen des Instituts für Rebenzüchtungen Geilweilerhof, in der deutschen Weinlandschaft bei einer Anbaufläche von rund 50 ha heute nur noch eine ganz untergeordnete Rolle spiele. Die Gründe waren schnell benannt: Der Muskateller verlange sehr warme und gute Lagen, er reife recht spät, neige zum Verrieseln und sei zudem ertragsschwach. Die Weine allerdings, so der Moderator, „bestechen durch ihre Rasse und die feinen Aromen, zu denen die Restsüße gut passt“. Davon konnte sich die Runde der Weinfreunde dann auch beim Verkosten überzeugen. Es komme eben, so das Urteil des Moderators, nicht nur auf den absoluten Gehalt an Zucker an, sondern darauf, wie er zusammen mit Säure und Alkohol harmoniere. „Stehen sie wie hier in einem fein abgestimmten Verhältnis, dann ist der Zucker nicht dominant, sondern geschmacklich gut eingebunden und der Geschmack auf der Zunge erfüllt voll die Erwartungen, die der Duft verspricht“. Dass der Muskatellertraube aber auch halbtrockene und trockene Ausbauvarianten gut stehen zeigten 2 Weine, die von Teilnehmern am Weinkolleg zum Verkosten angestellt worden waren: ein feinherb ausgebauter gelber Muskateller Gündelbacher Wachtkopf 2013 und ein 2013er „Muskateller & Co“ trocken vom Weingut Wagentristl aus dem Burgenland. So war für viel Diskussionsstoff in der Runde der Weinfreunde gesorgt.

Auch am kommenden Wochenende des Weinfestivals kommen Liebhaber von Weinen mit deutlicher Restsüße in der Vinothek auf ihre Kosten: Vorgestellt wird nämlich ein 2012er  3-Sterne-Kerner fruchtig-süß von der Weinkellerei Heinz Kölle.

Weinkolleg "Riesling, Terroir" am 5. Juli im VDP Weingut Dautel

Zum letzten Weinkolleg vor der Sommerpause traf sich die Runde der Weinfreunde am 5.7. im VDP-Weingut Dautel. Vorsitzender Hans-Joachim Jaeger, der zahlreiche Besucher begrüßen konnte, gab seiner Freude Ausdruck, dass Christian Dautel, der neue Chef des Weingutes, erstmals in diesem Kreis seine Betriebsphilosophie am Beispiel des grundlegenden Themas „Terroir“  darlegen wolle.

Fritz Wachter, Moderator des Weinkollegs, nahm das Stichwort auf und leitete in das Thema ein. In letzter Zeit werde viel über Terroir im Weinbau diskutiert. Der Bundesverband Boden habe den Weinbergsboden zum Boden des Jahres erklärt. „Der Boden prägt den Charakter des Weines.  Schon die Alten haben vom „Bodagfährtle“ gesprochen, das ist nichts anderes als der Einfluss des Bodens auf den Wein.“ So neu sei das Thema also nicht, nur stelle es sich heute in einem anderen, übergreifenden Zusammenhang. Welcher Boden den besten Wein ergebe, sei wissenschaftlich nicht erwiesen. Ein Privileg des besten Bodens gebe es nicht. Klar sei aber, dass nicht jede Weinsorte auf jedem Boden gleich gut wachse. „Wenn wir an die Schieferböden der Mosel denken, denken wir automatisch an Riesling, und nicht an Lemberger“. Terroir sei aber mehr als Boden. Eine große Anzahl von weiteren Faktoren beeinflusse den Wein: Lage, Tag- und Nachttemperaturen, Verteilung der Niederschläge auf das Jahr, Wasserrückhaltevermögen, Nährstoffvorrat des Bodens, Anzahl der Sonnenstunden, Tiefgründigkeit des Bodens; pH-Wert, die mineralische Zusammensetzung und vieles mehr, das Wirkungsgefüge all dieser Faktoren zusammen bezeichne man heute im Weinbau als Terroir, so die beiden Referenten.

 

Zwischenzeitlich war der erste Wein ausgeschenkt, ein 2013 Riesling Gipskeuper. Bevor Christian Dautel näher auf den Wein einging, nannte er einige Stichworte zu seinem beruflichen Werdegang:  2006 Studium Weinbau und Önologie in Geisenheim, Praktika in Weinsberg (LVWO), Australien, Südafrika, Österreich, Amerika, Burgund und Bordeaux, wo er noch ein Zusatzstudium absolviert habe. Seit 2010 sei er im Betrieb tätig, dessen Leitung er im letzten Jahr übernommen habe. Besonders in Burgund habe er sich mit dem  Thema Terroir als Boden- und Lagenabhängiger Qualitätseinstufung der Weine auseinandergesetzt, das dort  die Grundlage der Klassifikation bilde. Die Qualitätspyramide, die der VDP eingeführt habe, orientiere sich hieran.  Ziel dieser  Klassifikation sei es, die Wertigkeit der besten Lagen Deutschlands festzulegen und den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft zu sichern. „So stehen im Weingut Dautel an der Spitze die Lagen- und Selektionsweine mit der goldenen Kapsel. Dank herausgehobener Lagen im Bönnigheimer Sonnenberg, intensiver Handarbeit im Weinberg und viel Ruhe im Weinkeller entstehen ganz besondere, individuelle Charakterweine mit großem Lagerpotenzial. Mit einer schwarzen Kapsel sind unsere Bönnigheimer Ortsweine versehen. Sie werden entsprechend ihrer Bodenformation separat ausgebaut. Stark reduzierte Erträge und ausgiebige Handarbeit lassen herausragende Weine entstehen. Hierzu zählt der ausgeschenkte Riesling Gipskeuper. Unsere Gutsweine schließlich erkennen Sie an der weißen Kapsel. Sie sind ideale Alltagsbegleiter: klar und feinfruchtig die Weißweine, vollmundig die Rotweine.“  Die Weinberge im Terroir Sonnenberg seien – so Dautel weiter - durch nährstoffreiche schwere Keuperformationen gekennzeichnet. Die Böden bestünden aus buntem Mergel, Schilfsandstein, und Gipskeuper in einer Höhenlage von etwa 360 bis 250 m. Hier reiften vor allem Trauben für Weine von gehaltvollem und fülligem Charakter, wie der Riesling Gipskeuper mit seinem intensiven Duft deutlich mache. Riesling sei nach seiner Meinung eine der hochwertigsten Rebsorten überhaupt, mit einer unvergleichlichen Bandbreite. Wie kaum ein anderer Wein bringe er die Eigenarten des jeweiligen Anbaugebiets und dessen geologische Beschaffenheit zum Ausdruck, sodass je nach Lage, Boden, Klima und Ausbau die unterschiedlichsten Weine entstehen könnten. Das schmecke man deutlich im Vergleich zum zweiten Wein der Verkostung heraus, dem 2013er Besigheimer Wurmberg. Die Muschelkalkterrassen am Südhang des Wurmbergs lägen am Ufer der Enz mit einem günstigen Kleinklima. Der mineralstoffreiche Muschelkalkboden ergebe im Unterschied zum Gipskeuper sehr finessenreiche und filigrane Weine, eine Feststellung, der sich die Weinfreunde mit dem Dank für ein hochinteressantes und sehr instruktives Weinkolleg gerne anschlossen. 

Weinkolleg "Steillagen, Sommerweine" am 7. Juni

Weinkolleg in den Kirchheimer Steillagen

Einen „Ausflug in die Weinberge“ unternahm das Weinkolleg der Freunde der Vinothek am Pfingstsamstag mit dem Besuch der Steillagen an der Neckarschleife unterhalb der Weinterrasse in Kirchheim. Die Themenpalette der Weinkollegs –so der Moderator Fritz Wachter – „beschränkt sich ja nicht nur auf spezifische Weinthemen, sondern auch auf übergreifende Fragen, die mit der Aufgabenstellung der Vinothek verbunden sind. Ganz bewusst haben wir das Thema „Steillagen“ aufgegriffen, um auf die besondere Problematik des Weinbaus in diesen Extremlagen hinzuweisen“.  Wolfgang Händel, Vorstandsmitglied der Weingärtner Stromberg- Zabergäu, dem die Kirchheimer Steillagen und die Profilierung der dort erzeugten Weine besondere Anliegen sind, ging gerne auf dieses Anliegen ein und führte die Weinfreunde am Pfingstsamstag durch die steil am Neckarhang liegenden Weinberge. In seinen Ausführungen, die die ganze Palette der angesprochenen Themen abdeckte, von der Geologie über die Topographie, die Kulturgeschichte des Weines und die weinbauspezifischen Fragen wies er besonders darauf hin, dass Weine aus diesen terrassierten Steillagen besondere Wertschätzung verdienten. Durch die exponierte Lage und die wärmespeichernden Weinbergsmauern erhielten die Trauben mehr Sonne, mehr Wärme und dadurch mehr Energie für die Zucker- und Aromaproduktion, was sich dann im besonders kernigen Charakter und dem ausgeprägten zartwürzigen Geschmacksbild der Weine widerspiegele. Inmitten des Steilhangs auf einer Querterrasse, die gerade Platz bot für die rund 30 Weinfreunde – darunter ganz herzlich begrüßt Fritz Späth auf Heimaturlaub aus Südafrika – gab es dann eine erste Kostprobe: den Siegerwein 2013 und 2014 des Trollinger-Wettbewerbs, den Trollinger Weißherbst aus den Steillagen, ein „Hochgenuss für Nase und Gaumen, das, was wir hier erreichen wollen“, so Wolfgang Händel, einem Urteil, dem man gerne zustimmte. Die hier arbeitenden Wengerter verdienten Respekt, Lob und Anerkennung für die hohe Arbeitsbelastung durch die aufwändigen Pflegemaßnahmen der Weinbergsmauern und Reben, die bei der Bewirtschaftung und  Erzeugung solcher Weine aus terrassierten Steillagen notwendig seien. Händel appellierte an die Verbraucherinnen und Verbraucher, diesen Mehraufwand auch preislich zu honorieren, zumal die Erhaltung der landschaftsprägenden Steillagen auch im öffentlichen Interesse liege. Nach dem sehr informativen, durch die sommerliche Hitze indes sehr schweißtreibenden Gang durch die Weinberge,  zog es die Weinfreunde dann aber auf die Weinterrasse unter die dort schnell aufgestellten Sonnenschirme, um die angesprochenen Fragen in der Diskussion zu vertiefen und noch 2 Steillagenweine, den 2013er Trollinger trocken, einen Wein mit herausgehobenem Profil und einen Trollinger 2012 der Spitzenklasse unter allgemeinem Beifall zu verkosten.

Fritz Wachter oblag es dann, nachdem Vinothekar Joachim Mann die Runde noch mit Schwarzwurst und Brot überrascht hatte,  den Wein der Woche aus dem Themenschwerpunkt „Sommerweine“ vorzustellen, den 2013er Lemberger blanc de noir des Strombergkellers. Obwohl „das nicht mein Wein ist“, entledigte der Weinkolleg-Moderator sich seiner Aufgabe wieder einmal mit Bravour. „Entscheidend ist der Erfolg bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, also im Verkauf und ob es gelingt,  mit solchen Weinen neue Verbraucherschichten zu erschließen.“ Dann spielten Fragen, ob man dem Lemberger gerecht werde, wenn man ihn als Blanc de noir keltere und wie viel Lemberger man noch schmecke, nur noch eine nachrangige Rolle. Mit dem Hinweis auf das den Themen Riesling und Terroir gewidmeten Weinkollegs mit Christian Dautel im Juli ging eine in jeder Beziehung bemerkenswerte Veranstaltung zu Ende.

Weinkolleg "Weiße Burgunder" am 3. Mai

Weißburgunder und Sauvignon Blanc beim Weinkolleg  im Wettstreit

In der Vinothek hat am vergangenenSamstag mit dem Weißburgunder die sommerliche Phase der Weinpräsentationen begonnen. Wenn auch das Wetter alles andere als sommerlich war, ließen sich die Besucher des Weinkollegs  nicht aus dem Konzept bringen und widmeten sich dem Thema in einer über­aus angeregten Diskussion.

 

Am Anfang stand wieder eine Fülle fachlicher Informationen zum Thema Weiße Burgunder durch den Weinkolleg-Moderator Fritz Wachter. Die anspruchsvolle Rebsorte aus der großen Burgunderfamilie sei eine Mutation des Pinot Noir, also des blauen  Burgunders, und eng mit dem Grauburgunder und dem Auxerrois verwandt, die auch auf den Spätburgunder zurück­gingen. Der Weißburgunder sei zunächst mit dem Chardonnay gleichgesetzt worden. Erst einem französischen Forscher sei  Ende des 19. Jh. der Nachweis gelungen, dass der Pinot Blanc, also der weiße Burgunder, eine natürliche Mutation des Pinot noir sei, während neu­ere DNA-Tests erwiesen hätten, dass der Chardonnay eine spontane Kreuzung zwischen Pinot und Gouais Blanc sei, einer sehr ertragsstarken, früher im Burgund weit verbreiteten Rebsorte. Frankreich sei über lange Zeit eine Domäne des Weißburgunders gewe­sen. Es sei deshalb erstaunlich, dass er dort seit längerem kontinuierlich an Bedeutung ver­liere. In Deutschland hingegen erfreue sich die Rebsorte zunehmender Beliebtheit, allerdings bei 4500 ha immer noch auf einem relativ niederen Niveau. In Württemberg sei der Weißbur­gunder nach wie vor ein echtes Nischenprodukt: Hierzulande würden nur auf ca. 95 ha und damit auf weniger als 1 % der Anbaufläche Weißburgunder angebaut, während es in Baden immerhin fast 1300 ha (gut 8 % der Anbaufläche) seien. In unterschiedlichen Lagen würden in Bönnigheim rund 2 ha Weißburgunderreben kultiviert. Der Grund für die zunehmende Wertschätzung des weißen Burgunders sei neben seinem typischen, „sommerlich-süffigen“ Geschmacksprofil wohl darin zu sehen, dass der weiße Burgunder auch noch in Lagen ge­deihe, wo es im Zuge der zunehmenden Klimaerwärmung mit dem Riesling und auch dem Müller-Thurgau Probleme gebe. Vorherrschend sei der Ausbau im Stahltank, der schlanke, fruchtige und aromenreiche Weine mit einem fein ausbalancierten Verhältnis von Säure und Restsüße liefere, wie der zur Verkostung ausgeschenkte Wein der Woche, der 2012er Weis­ser von Stromberg mit seinen Aromen von Aprikose, Zitrone und Quitte ganz hervorragend zeige. Allerdings – so der Moderator - sei beim Weißburgunder zunehmend auch der Ausbau zu komplexeren Weinen im Barriquefass zu beobachten, auch in Bönnigheim. So habe die renommierte Fachzeitschrift „Vinum“ jüngst den im Barrique ausgebauten 2012er Weißbur­gunder S des Bönnigheimer Weißburgunderpioniers Ernst Dautel zusammen mit 3 anderen so ausgebauten Weinen zum besten Weißburgunder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekürt. Das zusammenfassende Urteil der Vinum-Jury: „Spannend und einfach gut“. Da könne man nur gratulieren.

Damit waren die Stichworte für die Diskussion vorgegeben, die die Weinfreunde gerne aufnahmen. Die Besucher erwartete aber noch eine Überraschung. Aus aktuellem Anlass – so Hans-Joachim Jaeger, der Vorsitzende der Weinfreunde – wolle man am nächsten Wo­chenende abweichend vom Monatsschwerpunkt Weiße Burgunder einen besonderen  „Sie­gerwein“ vorstellen: den 2012er Nobilis Sauvignon blanc trocken des Strombergkellers, der nicht nur die Große Gold-Medaille des 14. Großen Internationalen Weinpreises MUNDUS VINI 2014 gewonnen habe, sondern zusätzlich die Sonderauszeichnung „Bester Weißwein Deutschlands“ (vgl. Bönnigheimer Zeitung vom 25.4.2014). Obwohl der Wein binnen weniger Tage ausverkauft gewesen sei, sei es dem Vinothekar Joachim Mann gelungen, noch einige Flaschen zu ergattern. Davon wolle man nun noch eine Kostprobe ausschenken. Fritz Wachter zitierte Kellermeister Uwe Hirschmüller: „Sauvignon blanc im Bar­rique gibt es in Deutschland nur ganz wenige. Das Ergebnis ist überragend. Die Aromen passen zur leichten Holzunterstützung“. Nachdem dem Nobilis noch ein im Stahltank ausge­bauter Epos Sauvignon blanc des Jahrgangs 2013 gegenübergestellt wurde, wollten die be­geisterten Kommentare zu den verkosteten Weinen fast kein Ende finden.

Weinkolleg "Trollinger" am 5. April

Trollinger beflügelt Diskussion der Weinfreunde

 

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das monatliche Weinkolleg der Freunde der Vinothek sich als gern genutztes Forum bei den Weinfreunden etabliert hat, um gemütlich beim Wein zu sitzen, zu probieren, zu diskutieren, einfach „zom schwätza ond schlotza“, dann stünde dafür das Weinkolleg zum Thema „Trollinger“ am vergangenen Samstag Pate.

Schwerpunktthema in der Vinothek in diesem Monat ist der Trollinger. Die „Freunde der Vinothek“ wollen mit den „Weinen der Woche“ im April die ganze Bandbreite der Trollingerweine vorstellen. So drehte sich beim Weinkolleg auch alles um diesen Themenkreis.

Dreimal im Jahr geht das Weinkolleg „vor Ort“ zu den in der Vinothek vertretenen Produzenten, um den unmittelbaren Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu nutzen und zu fördern. So war jetzt die Weinkellerei Kölle Ziel der Weinfreunde. Heinz Kölle senior begrüßte in Vertretung seines durch einen Messebesuch in Köln verhinderten Sohnes Heinz den Moderator Fritz Wachter und die Gäste des Weinkollegs. Neben dem Wein der Woche in der Vinothek, einem Drei-Sterne Trollinger feinherb Jahrgang 2011 wolle man die Diskussion durch 2 weitere Weine befördern, den Trollinger feinherb Jahrgang 2009 und einen Trollinger trocken Jahrgang 2012 vom Besigheimer Schalkstein.

Heinz Kölle und Fritz Wachter

 

Zum Einstieg nannte Fritz Wachter einige Zahlen:  von den ca.11.500 ha Rebflächen in Württemberg würden auf rund 2.500 ha Trollingertrauben angebaut.Damit sei der Trollinger noch vor dem Riesling die meistangebaute Rebsorte in Württemberg. Die Rebe, die ursprünglich aus der Meraner Gegend in Tirol  stamme, wo sie noch heute als Vernatsch angebaut  werde, sei seit dem 30-jährigen Krieg in Württemberg heimisch.

Einst – so der Moderator -  sei der Trollinger aus Erträgen von 300 und mehr Kilogramm pro Ar gekeltert worden.  Was ihm vermeintlich an Farbe gefehlt habe, habe man durch Zugabe von Färbeweinen auszugleichen versucht. „Dabei ist aber oft nicht nur das für den Trollinger so typische Ziegelrot auf der Strecke geblieben, sondern auch der Geschmack“. Der heutzutage gekelterte Trollinger habe indes nicht mehr viel mit den damaligen Weinen gemein. Zur Qualitätssteigerung habe nicht nur die Ertragsreduzierung beigetragen, sondern auch die sich immer mehr durchsetzende Maischegärung. Heute könnten die Weintrinker unter einem breiten Angebot typischer Trollingerweine auswählen, die sich wegen ihrer Frische und Fruchtigkeit großer Beliebtheit erfreuten. Dazu habe entscheidend auch die „schwäbische Cuvée“ beigetragen, der Trollinger-Lemberger, der immer noch der meistverkaufte Konsumwein hierzulande sei.

Fritz Wachter ging in diesem Zusammenhang auf ein  Projekt der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zur „Geschmacksdifferenzierung Württemberger Trollinger“ ein, das der Kellermeister Dr. Blankenhorn bei einem Sensorik-Seminar in Bönnigheim vorgestellt hatte. Hiernach werden 3 Typen unterschieden: der „Basis-Trollinger“, das „TrollingerProfil“ und der „Trollinger mit individuellen Charakterzügen“, die sich vor allem durch die Fruchtintensität, die geschmackliche Fülle und die Gerbstoff-Struktur unterscheiden würden. Reichlich Diskussionsstoff lieferte die vom Moderator hierbei aufgeworfene Frage, ob der Trollinger durch ein „Übermaß“ an Ertragsreduzierung und Konzentration nicht Gefahr laufe, seinen Charakter zu verlieren, zumal mit dem Lemberger eine heimische Rebsorte mit großem Potenzial für kraftvolle und Tannin betonte Weine zur Verfügung stehe. In der angeregten Diskussion fehlte auch nicht der Hinweis auf einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor. Der Trollinger sei wegen seiner Wuchsfreudigkeit und Ertragsstärke immer ein Einkommensgarant für die Wengerter gewesen. Nicht zuletzt auch deshalb sei die Rebe so stark im Anbau vertreten. Wenn durch fortschreitende Reduzierung der Ertrag auf 180 kg/a und weniger absinke, bleibe irgendwann der wirtschaftliche Erfolg auf der Strecke, wenn kein entsprechender Ausgleich beim Preis erfolge. Die Runde war sich im Ergebnis aber einig, dass angesichts der Lage auf dem Weinmarkt, bei dem die Globalisierung bei jedem Gang durch die Supermarktregale offenkundig werde, an den fortschreitenden Bemühungen um Qualitätsverbesserungen – und dazu gehöre auch die Ertragsreduzierung – kein Weg vorbei führe. Die verkosteten Weine jedenfalls überzeugten allgemein.

Zum Abschluss überraschte Heinz Kölle noch mit einer ganz besonderen Spezialität aus der Kölle’schen Brennerei, einem Tresterbrand vom Muskat-Trollinger, hocharomatisch, abgerundet und fein im Geschmack: ein Genuss für Nase und Gaumen.

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Weinkolleg "Rote Cuvèes" am 1. März

Sortenrein oder nicht?

Weinkolleg zum Thema „Rote Cuvées“

 

Sortenrein oder nicht? war wieder einmal die Frage beim Weinkolleg, bei dem entsprechend dem März-Schwerpunkt in der Vinothek das Thema „Rote Cuvées“ im Fokus stand. Im Land der „Sortenreinen“ habe die Cuvée immer noch gewisse Akzeptanzprobleme, meinte Moderator Fritz Wachter zum Einstieg. 

Im qualitätsbetonten deutschen Weinbau, der durch Sorten und Lagebezeichnungen definiert sei, habe die Cuvée zunächst keinen großen Stellenwert gehabt, da man entscheidenden Wert auf die Individualität der Weine und Jahrgänge gelegt habe und immer noch lege. Aber – so der Moderator weiter – habe mit dem Wandel im Verbraucherverhalten im Zuge der zunehmenden Internationalisierung des Weinangebots die Cuvée auch im nationalen Weinangebot zunehmend an Bedeutung gewonnen. So müsse man die Eingangsfrage eigentlich  im Sinne von „sowohl als auch“ beantworten, zumal bei uns, da der Trollinger-Lemberger schon immer ein Liebling unserer Viertelesschlotzer gewesen sei. Bevor es an die Beprobung des Weins der Woche ging, stellte Fritz Wachter aber noch die einschlägigen Begriffe klar. Die Cuvée stehe eigentlich als Bezeichnung für ein durch Verschnitt qualitativ hochwertiger Weine hergestelltes Ausgangsprodukt für die Erzeugung eines immer gleichartigen Schaumweines. Zusätzlich unterscheide man die Assemblage als Verschnitt hochwertiger Weine im Gegensatz zur Coupage, dem Verschnitt einfacher Weinqualitäten. Im Sprachgebrauch und in der Weinwirtschaft werde der Begriff Cuvée aber inzwischen mit dem Begriff Verschnitt gleichgesetzt, also der Mischung von Lesegut oder Weinen verschiedener Sorten, um die positiven Eigenschaften der einzelnen Verschnitt Partner hervorzuheben oder eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. Für die Ausgangsweine müsse deshalb ausgesuchtes Lesegut aus ausgewählten Lagen verwendet, denn „von nix kommt nix“, so der Moderator. Für den Wein der Woche, die Cuvée Jakob D. trocken des Jahrgangs 2012aus demVDP-Weingut Dautel seien Lemberger, Spätburgunder und Cabernet Mitos bzw. Dorsa verschnitten worden. Der Lemberger stehe für fruchtige Aromen von schwarzen Kirschen und Beeren und gebe dem Wein Volumen und Gerüst, der Spätburgunder runde dies mit seiner fruchtigen Fülle ab und der Cabernet  sei aromatisch und reich an Gerbstoffen und gebe dem Wein seine kraftvolle Tannin Struktur. „Intensive Fruchtaromen, saftig und würzig im Geschmack, kraftvoll und nachhaltig im Abgang“, so das fachmännische Urteil für die Cuvée, die in gebrauchten Barriques und großen Holzfässern ausgebaut worden sei.  Die diskussionsfreudige Runde der Weinfreunde schloss sich dieser Beurteilung gerne an. Zur Überraschung der Gäste konnten auch noch die Cuvées der Jahrgänge 2008 und 2006 verkostet werden, die Fritz Wachter und der amtierende Vinothekar Manfred Schmälzle mitgebracht hatten, die sich nach allgemeiner Einschätzung hervorragend präsentierten. Schließlich hatten 2 Gäste des Weinkollegs noch eine Cellarius Cuvée aus Lemberger, Spätburgunder, Acolon und Dornfelder der WG Dürrenzimmern und die Edition Aureum Cuvée 5.0 aus Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling, Dornfelder und Cabernet Cubin der Bottwartaler Winzer mitgebracht, ebenfalls hervorragende Beispiele gelungener Cuvées, so das einhellige Urteil.

Weinkolleg "Geschichte des Schnapsbrennens" am 1. Februar

Hochprozentiges beim Weinkolleg

 

Einen informativen und zugleich humorvollen Spaziergang  durch die Welt des Branntweins unternahm der Leiter des Schwäbischen Schnapsmuseums, Kurt Sartorius,  beim ersten Weinkolleg des Jahres bei den Freunden der Vinothek, das dem Thema „Geschichte des Schnapsbrennens“ gewidmet war.

„Ein volles Haus“ – selbst Gäste aus Ulm und dem Allgäu hatten den Weg in die Vinothek am Schloss gefunden – „ mit dem ‚Bönnigheimer Schnaps-Guru’ Kurt Sartorius einen hochkompetenten Referenten, was will man mehr“, stellte der Vorsitzende der Bönnigheimer Weinfreunde Hans-Joachim Jaeger bei seiner Begrüßung befriedigt fest. Man habe mit dem Thema „Geschichte des Schnapsbrennens“ gleich zu Beginn des „Weinjahres“ in der Vinothek ganz bewusst den Fokus auf „Hochprozentiges“ richten wollen, seien in der Vinothek doch auch die Bönnigheimer Schnapsbrenner vertreten.

Sartorius begann mit einem Hinweis auf Empedokles, den griechischen Philosophen, der im fünften vorchristlichen Jahrhundert gelebt habe und die Lehre von den vier Urstoffen des Lebens, Erde, Feuer, Luft und Wasser begründet habe, die für das naturwissenschaftliche Weltbild der Antike maßgeblich geworden sei und auch die Medizin nachhaltig beeinflusst habe. Durch die Alkoholgewinnung, also durch die Herstellung eines brennbaren Wassers, sei es plötzlich gelungen, eines der Elemente, nämlich das Wasser, in ein anderes, das Feuer, zu überführen. „Das hat das damalige Weltbild ganz schön durcheinender gebracht, die ersten Rezepte der Alkoholgewinnung waren deshalb auch mit einem Schleier des Geheimnisses umgeben“, wohl auch deshalb, weil Alkohol zunächst nur als Heilmittel eingesetzt worden sei. Ursprünglich – so der Referent weiter - sei Branntwein, wie schon der Name sage, nur aus Wein hergestellt worden, erst viel später habe man erkannt, dass auch andere zuckerhaltige Stoffe wie Obst zur Alkoholgewinnung taugten. Heute sei Branntwein der Fachbegriff für Schnaps, also alkoholische Getränke mit mindestens 32 % vol. Alkohol. Hier gab es dann die ersten beiden Proben, einen Tresterbrand und ein Kirschwasser. Tresterbrand werde aus Weintrester gewonnen, wohingegen Traubenbrand aus der Maische gebrannt werde. Bekannt sei der Tresterbrand unter der Bezeichnung „Grappa“, der Name sei aber gesetzlich für italienische Erzeugnisse geschützt. Wenn der Grappa oft etwas weicher als ein Trester schmecke, komme das daher, dass dort der Zusatz von Zucker erlaubt sei. Zur Demonstration des Brennvorganges hatte der Leiter des Schnapsmuseums ein besonders anschauliches, aus einem Kartoffeltopf gefertigtes Exemplar einer Schwarzbrennerei mitgebracht. Die Maische werde erhitzt, die entstehenden aroma- und alkoholhaltigen Dämpfe würden gekühlt und kondensierten zu einem hochprozentigen Destillat. Man unterscheide je nach Alkoholkonzentration, Geruch und Geschmack Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf. Vor- und Nachlauf enthielten sog. Fuselstoffe, nur der Hauptlauf liefere das für Trinkzwecke geeignete obsttypsche Destillat. So werde der sog. „Brand“ erzeugt, der auch als „Wasser“ bezeichnet werde. Demgegenüber würden Beeren, die nur einen geringen Zuckergehalt hätten (z.B. Himbeeren und Brombeeren), in der Regel zu „Geist“ verarbeitet. Die Früchte würden in verdünntem Neutralalkohol eingelegt und der mit den Fruchtaromen angereicherte Alkohol zu einem „Geist“ gebrannt. Schließlich könne Alkohol auch als „Spirituose“ vermarktet werden, wenn dem Alkohol Aromen zugesetzt würden. In Süddeutschland gebe es etwa 23.000 sog. Klein- oder Abfindungsbrennereien mit eigenem Brennrecht  für eine Produktion von je 300 Litern Alkohol im Jahr. Hier könnten auch die sog. Stoffbesitzer mit einem eigenen Brennkontingent von 50 Litern Alkohol/Jahr  selbsterzeugtes Obst brennen lassen. Dadurch werde der so wertvolle Streuobstbestand gesichert. Demgegenüber könnten die sog. Verschlussbrennereien, deren Produktion unter zollamtlichem Verschluss erfolge (die Brenngeräte sind verplombt),  unterschiedliche Mengen von Branntwein erzeugen. Die Besteuerung bei den Abfindungsbrennereien erfolge nach Ausbeutesätzen. Bei den Verschlussbrennereien müsse „alles, was rauskommt“, versteuert werden.

All diese fachlichen Hinweise würzte Kurt Sartorius mit einer köstlichen Auswahl von Schnäpsen und Likören und der für ihn so typischen Mischung aus Sachkunde, Witz und Humor.