Wein-Erlebnisse

Weinkollegs 2013

Weinkolleg "Brand, Geist, Wasser" am 9. Februar

 

Hochprozentiges beim Weinkolleg

 

„Da in der Vinothek am Schloss nicht nur Weine, sondern auch ein großes Sortiment an Schnäpsen präsentiert werden, lag es nahe, auch einmal Hochprozentiges zum Thema eines Weinkollegs zu machen“ meinte der Moderator der Weinkollegs Fritz Wachter bei der Begrüßung der zahlreich erschienen Weinfreunde und des Referenten, des Bönnigheimer Schnapsbrenners Walter Prochnau.

 

Diesem war es zunächst wichtig, bei dem breit angelegten Thema „Brand, Geist, Wasser“ das Grundwissen der Zuhörer aufzufrischen und so begann am vergangenen Samstag in der Bönnigheimer Vinothek eine muntere Lehrstunde zu den Grundbegriffen des Schnapsbrennens, immer mal wieder sachverständig kommentiert von Schnapsbrenner Heinz Kölle sen. und vom „Bönnigheimer Schnaps-Guru“ Kurt Sartorius. Grundlage für die Herstellung von Branntwein (Fachbegriff für Schnaps; alkoholische Getränke mit mindestens 32 % vol. Alkohol) sei das deutsche Branntweinmonopol, das Anfang des 20. Jh. begründet worden sei, um die Herstellung und den Vertrieb von Branntwein zu kontrollieren.  Wesentliche Aufgabe der Monopolverwaltung sei die Übernahme des in landwirtschaftlichen Brennereien hergestellten Branntweins zu Garantiepreisen und dessen Verwertung. In Süddeutschland gebe es etwa 23.000 sog. Klein- oder Abfindungsbrennereien mit eigenem Brennrecht  für eine Produktion von je 300 Litern Alkohol im Jahr. Hier könnten auch die sog. Stoffbesitzer, rund 200 000 Personen mit einem eigenen Brennkontingent von 50 Litern Alkohol/Jahr  selbsterzeugtes Obst brennen lassen. Demgegenüber könnten die sog. Verschlussbrennereien, deren Produktion unter zollamtlichem Verschluss erfolgt (die Brenngeräte sind verplombt),  unterschiedliche Mengen von Branntwein erzeugen. Die Besteuerung bei den Abfindungsbrennereien erfolgt nach Ausbeutesätzen; für jede Obstart ist ein Ausbeutesatz festgelegt. Jedes Brennen muss angemeldet werden. Bei den Verschlussbrennereien muss „alles, was rauskommt“, versteuert werden. Der von der Monopolverwaltung vermarktete Alkohol werde als Neutralalkohol, Monopolsprit oder auch Primasprit bezeichnet. 1999 seien die großen gewerblichen Brennereien ausgegliedert worden, die nun außerhalb des Monopols produzierten. Nach den Vorgaben der EU ende das Branntweinmonopol in Deutschland 2017.

Grundvoraussetzung für ein gutes Brennergebnis sei gesundes und reifes Obst. Die daraus bereitete Maische werde zur Gärung (2 bis 3 Wochen) mit Reinzuchthefe angesetzt und dann gebrannt. Dazu werde die Maische in der Brennblase erhitzt. Die entstehenden aroma- und alkoholhaltigen Dämpfe würden gekühlt und kondensierten zu einem hochprozentigen Destillat. Hier unterscheide man je nach Alkoholkonzentration, Geruch und Geschmack Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf. Vor- und Nachlauf enthielten sog. Fuselstoffe, nur der Hauptlauf mit einer Konzentration von 70 bis 80 % liefere das für Trinkzwecke geeignete obsttypsche Destillat, das mit enthärtetem Wasser auf ca. 40-45 % verdünnt werde. So werde der sog. „Brand“ erzeugt, der auch als „Wasser“ bezeichnet werde.  Demgegenüber würden Beeren, die nur einen geringen Zuckergehalt haben (z.B. Himbeeren und Brombeeren), in der Regel zu „Geist“ verarbeitet. Die Früchte würden in verdünntem Neutralalkohol eingelegt und der mit den Aromen angereicherte Alkohol zu einem „Geist“ gebrannt. Schließlich könne Alkohol auch als „Spirituose“ vermarktet werden, wenn dem Alkohol Aromen zugesetzt würden.

Nachdem im theoretischen Teil nur an Vor-, Haupt- und Nachlauf geschnuppert werden konnte, schloss sich zur Freude der Teilnehmer eine ausführliche praktische Einführung in das Thema „Brand, Geist, Wasser“ an.

Weinkolleg "Rote Cuvées" am 2. März

Weinkolleg 2.3.2013

Im Fokus: Rote Cuvées

Weinkolleg in der Weinkellerei  Kölle

 

Wir wollen im Land der „Sortenreinen“ eine Lanze für die Cuvée brechen, meinte Moderator Fritz Wachter zum Einstieg in das Weinkollegs der Bönnigheimer Freunde der Vinothek, das am Samstag vor Ort in der Weinkellerei Kölle stattfand. Für die Weinpräsentationen in der Vinothek habe man deshalb dieses Thema im März zum Schwerpunkt gemacht. Deshalb liege es nahe, sich damit auch im Weinkolleg auseinanderzusetzen.

 

Ausgeschenkt wurde dazu von Heinz Kölle seine Cuvée Philipp aus dem Jahr 2010, die schon von der Farbe mit ihrem tiefdunklen Rubinrot  überzeugte. In der Nase entfaltet sich eine Fülle feinster Aromen, geprägt von schwarzen Beeren mit zarten rauchigen Noten und leicht pfeffrigem Duft, fasste  der Moderator das allgemeine Urteil zusammen. „Am Gaumen ist der Wein stoffig und von kraftvollen Tanninen getragen, dabei ausgewogen und sehr angenehm im Geschmack, ein toller Wein.“ Als Heinz Kölle dann die Analysedaten mitteilte, war die Runde perplex; denn niemand hatte damit gerechnet, dass der Wein keinerlei Restzucker enthält. Für die Ausgangsweine habe er nur ausgesuchtes Lesegut aus ausgewählten Lagen bei starker Ertragsreduzierung verwendet, denn „von nix kommt nix“, auch nicht bei der Cuvée. So seien durch klassische Maischegärung mit anschließender Standzeit im Edelstahltank und weiterem Ausbau im Holzfass sehr vollmundige Weine entstanden. Man müsse sich bemühen, ein Profil für die jeweilige Cuvée zu schaffen, um sie als eigenständigen Wein zu platzieren. Deshalb halte er auch nicht allzu viel davon, die Ausgangsweine in den Vordergrund zu stellen. Bei der Cuvée Philipp habe er Dornfelder, Pinot meunier (Schwarzriesling) und Cabernet Mitos verarbeitet. Der Schwarzriesling stehe für fruchtige Aromen von Kirschen und roten Beeren, der Dornfelder bringe farbintensive, fruchtbetonte Weine mit kräftigem Körper hervor und der Cabernet Mitos, ebenso wie der Dornfelder eine Weinsberger Neuzüchtung, sei aromatisch und reich an Gerbstoffen und gebe dem Wein seine kraftvolle Tanninstruktur. Die Diskussion wandte sich dann der Frage nach der Wertschätzung der Cuvées zu. Es sei schon erstaunlich, so der  Moderator, dass gerade in Württemberg, das mit dem Trollinger – Lemberger eine der am besten eingeführten Cuvées habe, der Verbraucher sich dem Thema allgemein nur mit Zurückhaltung nähere. Erwin Rennstich bemerkte hierzu, dass es außer in Deutschland wohl kein anderes weinbautreibendes Land gebe, das eine solche Vielfalt von Weinen produziere. Der Verbraucher sehe deshalb vielleicht keinen vordringlichen Bedarf für neue Kreationen. Heinz Kölle sah aus seinen Kundengesprächen ein anderes Problem: Oft sei es schwierig, zu vermitteln, dass kräftige, tanningeprägte Rotweine wie die Cuvée Philipp ihr volles Potential und ihren abgerundeten Geschmack erst nach einer angemessenen Lagerung entwickelten. Denn von vielen Verbrauchern würden überwiegend nur junge Weine mit Frische und Aromenfülle gleichgesetzt, bei älteren Weinen gebe es meist Erklärungsbedarf.  „Es gibt also noch viel zu tun, um der Cuvée den ihr gebührenden Platz in der Wertschätzung der Weine einzuräumen“ schloss der Vorsitzende der Weinfreunde Hans-Joachim Jaeger mit dem Dank an die muntere Diskussionsrunde, an Gastgeber und Moderator das Weinkolleg und fügte noch den Hinweis an, dass am Wochenende die „Cuvée rot“ des Strombergkellers in der Vinothek  vorgestellt werde.

Weinkolleg "Trollinger" am 6. April

Trollinger im Fokus beim Weinkolleg

 

Reges Interesse fand das Weinkolleg der Freunde der Vinothek zum Thema Trollinger am letzten Samstag. Hans-Joachim Jaeger, Vorsitzender der Weinfreunde, hob bei seiner Begrüßung  besonders das stark vertretene weibliche Element unter den  Gästen hervor.

Weinkolleg 6.4.13

„Wie soll er denn nun schmecken, euer Trollinger?“ war die Eingangsfrage von Moderator Fritz Wachter, der ganz gegen seine sonstige Gewohnheit dieses Mal zunächst die Gäste des Weinkollegs zu Wort kommen ließ. Die Antworten waren fast so vielfältig, wie die Zahl der Besucher und gingen von fruchtig über feinherb, halbtrocken, trocken und „furztrocken“, säurebetont  und  mild quer durch alle Geschmacksrichtungen, wobei natürlich für das Urteil auch die ganze Bandbreite der Weine aus dieser Rebsorte eine Rolle spielte, vom Vierteleswein bis zum Selektions-Trollinger. Fritz Wachter nahm diese Differenzierungen auf und berichtete über ein  Projekt der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zur „Geschmacksdifferenzierung Württemberger Trollinger“, das der Kellermeister Dr. Blankenhorn bei einem Sensorik-Seminar in Bönnigheim vorgestellt hatte. Hiernach werden 3 Typen unterschieden: der „Basis-Trollinger“, das „TrollingerProfil“ und der „Trollinger mit individuellen Charakterzügen“, die sich vor allem durch die Fruchtintensität, die geschmackliche Fülle und die Gerbstoff-Struktur unterscheiden würden. Fritz Wachter machte die heutige Beliebtheit des „schwäbischen Nationalgetränks“ an folgenden Fakten fest: Einst sei der Trollinger aus Erträgen von 300 und mehr Kilogramm pro Ar gekeltert worden.  Was ihm vermeintlich an Farbe fehlte, habe man durch Zugabe von Färbeweinen auszugleichen versucht, dabei sei oft nicht nur das für den Trollinger so typische Ziegelrot auf der Strecke geblieben, sondern auch der Geschmack. Zum Glück habe der Trollinger, der heute gekeltert werde, nicht mehr viel mit den damaligen Weinen gemein. Zur Qualitätssteigerung habe nicht nur die Ertragsreduzierung auf unter 200 Kilogramm und weniger beigetragen, sondern auch die sich immer mehr durchsetzende Maischegärung. Heute gebe es ein breites Angebot typischer Trollingerweine, die sich wegen ihrer Frische und Fruchtigkeit großer Beliebtheit erfreuten. Dazu habe entscheidend auch die „schwäbische Cuvée“ beigetragen, der Trollinger-Lemberger, der der meistverkaufte Konsumwein hierzulande sei. Von den 11.421 ha Rebflächen in Württemberg würden auf 2.442 ha Trollingertrauben angebaut.Damit sei der Trollinger noch vor dem Riesling mit einem Anteil von fast 28 %  die meistangebaute Rebsorte in Württemberg. Die Rebe, die ursprünglich aus Tirol stamme, wo sie heute als Vernatsch angebaut  wird, sei bereits seit dem 30-jährigen Krieg in Württemberg heimisch.

Im „Praxistest“ standen beim Weinkolleg diesmal 4 verschiedene Trollinger, was die Diskussionsfreudigkeit sehr förderte: der 2010er Trollinger*** feinherb von der Weinkellerei Kölle, der 2009er und 2010er Rother von Stromberg Trollinger trocken vom Strombergkeller und der 2010er Besigheimer Wurmberg Trollinger Terrassenlage trocken vom VdP-Weingut Dautel. Bei dieser Vielfalt konnten sich alle Besucher mit ihren Vorlieben wiederfinden. So passte auch der Tiroler Trinkspruch so richtig zur Stimmung, den Fritz Wachter zum Abschluss zum Besten gab: „Wenn wir froh beim Weine weilen – und die Stunden schneller eilen, - lasst die Stimmung ja nicht sinken, - Z’sammenrucken, Weitertrinken“.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 10.4. 2013

Weinkolleg "Riesling" am 4. Mai

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 8.5. 2013, bitte klicken Sie hier.

Weinkolleg "weiße Burgunder" am 13. Juli

Weinkolleg im Fasskeller

Freunde der Vinothek zu Gast im Strombergkeller

 Weinkolleg

Zum Weinkolleg „Weiße Burgunder“ hatte Oenologievorstand Albrecht Hauber von den Weingärtnern Stromberg Zabergäu die Freunde der Vinothek und die Gäste des Weinkollegs am 13. Juli in den Strombergkeller eingeladen. Der Fasskeller war ein geradezu idealer Ort, um sich bei den hochsommerlichen Temperaturen mit dem Thema in Theorie und Praxis auseinanderzusetzen.

 

Hans-Joachim Jaeger, Vorsitzender der Weinfreunde, dankte eingangs den Vertretern der Kellerei Albrecht Hauber, Vorstand Wolfgang Händel und dem Bönnigheimer Kellermeister Uwe Hirschmüller, zu denen sich später auch noch Vorstandmitglied Albrecht Hamm gesellte, für die Gastfreundschaft  und die hervorragende Zusammenarbeit. Albrecht Hauber gab den Dank zurück und stellte bei seinen Begrüßungsworten nochmals die Beweggründe der Fusion der Kellereien in Bönnigheim und Brackenheim heraus: Die Bewahrung der Profile unter Ausschöpfen der möglichen Synergien, vor allem im Vertrieb nach dem Motto: „2 starke Marken aus einer Hand“. Das wolle man auch heute bei der Verkostung deutlich machen: deshalb werde dem Weisser von Stromberg Weißburgunder vom Strombergkeller, Wein der Woche in der Vinothek,  ein Weißburgunder der Serie „Mann im Fass“ vom Weinkeller Brackenheim zur Seite gestellt.

Bevor es soweit war, gab es aber eine Fülle fachlicher Informationen zum Thema Weiße Burgunder durch den Weinkolleg-Moderator Fritz Wachter. Die anspruchsvolle Rebsorte aus der großen Burgunderfamilie sei eine Mutation des Pinot Noir, also des blauen  Burgunders, und eng mit dem Grauburgunder und dem Auxerrois verwandt, die auch auf den Spätburgunder zurückgingen. Demgegenüber sei der eher genügsame Chardonnay, den man heute auch verkosten wolle, genotypisch kein echter Burgunder, wenn er auch zu seinen Verwandten zähle und seinen Siegeszug rund um die Welt von Burgund und der Champagne angetreten habe. Hierzulande seien Chardonnay und Weißburgunder aber noch reine Nischenprodukte: In Württemberg würden nur auf ca. 95 ha und damit auf weniger als 1 % der Anbaufläche Weißburgunder angebaut, während es in Baden immerhin fast 1300 ha (gut 8 % der Anbaufläche) seien. In unterschiedlichen Lagen würden in Bönnigheim rund 1,5 ha Weißburgunderreben kultiviert, in Brackenheim etwa 4,5 ha, ergänzte Albrecht Hauber.

Kellermeister Dann stellte Kellermeister Uwe Hirschmüller die Weine vor: jung, schlank, fruchtig, aromenreich (Aprikose, Zitrone, Quitte) mit fein ausbalanciertem Verhältnis von Säure (5,9 g/L) und Restsüße (5,6 g/L) der Weißburgunder „Weisser von Stromberg“ 2012,  in der Reife etwas fortgeschrittener mit Schmelz und Fülle und einer etwas deutlicher hervortretenden Restsüße (5,8 g/L bei 6,1 g/L Gesamtsäure) mit Aromen von Zitrusfrüchten und grünem Apfel der Weißburgunder „Mann im Fass“ 2012. „2 grundverschiedene Weine, jeweils sortentypisch und hervorragende Beispiele dafür, was man aus dieser anspruchsvollen Rebe gewinnen kann“, meinte Fritz Wachter unter allgemeiner Zustimmung.

Mit Einblicken in Anbaufragen und einem Ausblick auf die Lese 2013 („trotz der Probleme bei der Traubenblüte ist nichts verloren“) rundete Wolfgang Händel die interessante Diskussion ab, die bei Gesprächen in lockerer Runde beim weiteren Verkosten vertieft wurde.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 18.7. 2013

Unter dem Titel „Muskateller & Co.“ stehen im September edelsüße Weine im Fokus der Vinothek in Bönnigheim. Beim Weinkolleg mit Fritz Wachter stand ein fruchtiger Muskateller aus der Weisser-Serie des Strombergkellers Pate für die Aufarbeitung des Themas.

 

Fritz Wachter nannte den Muskateller gleich eingangs seiner Ausführungen einen „Meister der Spielarten“. Etwa 200 Varianten gebe es von dieser Rebsorte, die zu den ältesten überhaupt zähle; Berichte aus der Römerzeit zeugten davon, schon im Nibelungenlied werde der Muskateller-Wein gerühmt und er habe zu den Lieblingsweinen Karls des Großen gezählt, der ihn sich aus dem Languedoc habe kommen lassen. So sei es auch nicht verwunderlich, dass eine der ersten bekannten Neuzüchtungen des Instituts für Rebenzüchtungen Geilweilerhof, das ja kürzlich Ziel der Lehrfahrt der Freunde der Vinothek gewesen sei, der Morio Muskat sei. Allerdings spielten sowohl der Morio-Muskat wie auch der Muskateller in der deutschen Weinlandschaft nur noch eine ganz untergeordnete Rolle, nur um die 50 ha sei die deutsche Anbaufläche des Muskatellers. Die Gründe waren schnell benannt: Der Muskateller verlangt sehr warme und gute Lagen, er reift recht spät, neigt zum Verrieseln und ist zudem ertragsschwach. Die Weine allerdings, so der Moderator, „bestechen durch ihre Rasse und die feinen Aromen.“

Davon konnte sich die Runde der Weinfreunde dann auch beim praktischen Test überzeugen. Besonders überraschte dabei das gekonnt abgestimmte Verhältnis von Zucker und Säure des Weinkolleg-Weines, das den Restzuckeranteil von immerhin fast 31 g/L nicht als dominant hervortreten ließ. „Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass man sich beim Verkosten nicht von Zahlen und Daten leiten lassen sollte. Entscheidend ist der Geschmack, und der passt!“ fasste der Moderator die Beiträge aus der Rund der Weinfreunde zusammen.

Von dem breiten Potential, das die Muskateller-Rebe aufweist, zeugten auch  3 Weine, die von Teilnehmern am Weinkolleg zum Verkosten angestellt wurden: ein trocken ausgebauter gelber Muskateller der Serie „Schwarzer Rappe“ der Felsengartenkellerei, ein Muskat-Trollinger-Rosé der Serie „Aureum“ der Bottwartaler Winzer und ein fruchtig-süßer roter Muskateller aus der Ukraine, den Harry Maier von einer kürzlichen Reise in die Umgebung von Odessa mitgebracht hatte.

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 18. September 2013, bitte klicken Sie hier.

Weinkolleg "wei8e Spezialitäten" am 5. Oktober

Weinkolleg „weiße Spezialitäten“

Weinkolleg Weinkolleg

Weit gespannt war das Thema des letzten Weinkollegs der Freunde der Vinothek. Ging es doch entsprechend dem Monatsschwerpunkt „weiße Spezialitäten“ in der Vinothek um einen breit angelegten Streifzug durch die weiße Reblandschaft. Doch wie immer absolvierte Fritz Wachter, der Moderator des Weinkollegs, seine Aufgabe mit Bravour: sachverständig und verständlich über die wesentlichen Fragen zu informieren und die Diskussion anzuregen.

Zunächst galt es jedoch bei der Begrüßung in der „rappelvollen“ Vinothek durch Hans-Joachim Jaeger, den Vorsitzenden der Bönnigheimer Weinfreunde, Glückwünsche abzustatten. Manfred Schmälzle und Gerhard Krapf, verdiente und stets einsatzbereite Vinothekare der ersten Stunde, nahmen unter dem Beifall der Anwesenden die Glückwünsche für runde Geburtstage und den Dank für Ihr Engagement entgegen. Ferner berichtete der Vorsitzende kurz über den Besuch einer Journalistengruppe, die auf Einladung des „Kraichgau-Stromberg-Tourismus e.V.“ und der „Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg“ auch Bönnigheim besucht habe. Im Rahmen einer Weinprobe in der Vinothek habe sich  in Anwesenheit von Herrn Walz und Frau Eiselen von der Stadtverwaltung, Kurt Sartorius von der Historischen Gesellschaft sowie Herrn Reiter vom  3B - Tourismus-Team ein intensiver Meinungsaustausch rund um den Wein und den Tourismus entwickelt. „Die Gäste waren beeindruckt von unseren touristischen Angeboten und dem ehrenamtlichen Einsatz, von der Leistungsfähigkeit unserer Wengerter und der Vielfalt und Qualität unserer heimischen Weine und Destillate“, so Jaeger.

Doch dann war Fritz Wachter am Zuge: Chardonnay, Sauvignon blanc und Scheurebe galt es zu erläutern und einzuordnen. Der Chardonnay, der zu der großen Familie der Burgunder gehöre, sei die weltweit wichtigste weiße Rebsorte. Chardonnay werde in fast allen wichtigen Weinbauländern angebaut, seit den 90er Jahren auch in Württemberg. Er sei hier mit einer Anbaufläche von nur etwa 50 ha aber eine ausgesprochene Spezialität, habe sich jedoch in der Anbaustrategie einen festen Platz erobert. Vom Standort her stelle er vergleichbar hohe Ansprüche wie der Riesling. Ähnlich verhalte es sich mit dem Sauvignon blanc. Er sei die zweitwichtigste weiße Rebe nach dem Chardonnay,  in Deutschland seien die Anbauflächen aber bislang nur gering. „Historisch gesehen ist der Anbau hierzulande  eigentlich ein Comeback. Die vor 150 Jahren im schwäbischen Remstal bereits verbreitete alte Landrebsorte Muscatsylvaner kehrt als Sauvignon blanc in ihre alte Heimat zurück“, so Fritz Wachter. Sortenrein ausgebaut entstünden frische Weine mit pikanten Johannis- und Stachelbeer-, aber auch ausgesprochen „grünen“ Aromen (Gras, Heu). Welch großartige Weine man aus dieser Rebe auch hierzulande gewinnen könne, habe z.B. der Strombergkeller mit dem „Epos Sauvignon blanc“ Jahrgang 2011 gezeigt, der bei der Landesweinprämierung 2012 als "bester Württemberger" ausgezeichnet worden sei. Dann aber war es Zeit für die Verkostung. Eingeschenkt war die „Kreation weiß  -S- trocken“ Jahrgang 2011 vom VDP-Weingut Dautel, eine Cuvée   aus Riesling, Weißburgunder (aus dem Barrique) und etwas Kerner. Um die Bandbreite auch der weißen Cuvées zu demonstrieren, hatte der Moderator parallel einen 2012er „Charmeur“ (aus Müller-Thurgau, Scheurebe und etwas Riesling), ebenfalls vom VDP-Weingut Dautel,  einschenken lassen. „Hier der kräftige, abgerundete Wein mit seiner vom Riesling kommenden pikanten Säure, dort der frische und fruchtige Sommerwein, geprägt von den feinen Aromen der Scheurebe, die bei uns ebenfalls zu den Spezialitäten zu zählen ist“ fasste der Moderator sein Urteil zusammen, das allgemeine Zustimmung fand.

Mit dem Hinweis auf den „Wein der Woche“ am kommenden Wochenende, einem 2012er Weisser von Stromberg Chardonnay trocken des Strombergkellers, „feinfruchtig rund und harmonisch mit viel Körper, Extrakt und feinwürziger Mineralität“ schloss der Moderator die angeregte Diskussion.

Weinkolleg Weinkolleg

Weinkolleg Spätburgunder am 2. November im Weingut Dautel

Spätburgunder im Test

Weinkolleg im Weingut Dautel

 

Herbst und Winter stehen in der Vinothek traditionell im Zeichen von Lemberger und Spätburgunder. So war auch das Thema für das Weinkolleg im November vorgegeben, das am Beispiel des 2011er  3-Sterne-Spätburgunders Schilfsandstein trocken des VDP-Weingutes Dautel am 2. 11. von den Weinfreunden vor Ort diskutiert wurde.

 

Hans-Joachim Jaeger, der Vorsitzende der Bönnigheimer Weinfreunde, verband seine Begrüßung zunächst mit einem herzlichen Glückwunsch an das Weingut Dautel für den Deutschen Rotweinpreis  in der Kategorie „Neuzüchtungen“ für den 2009er Zweigelt beim  renommierten Rotweinwettbewerb der Fachzeitschrift „vinum“. Zugleich dankte Jaeger dem Ehepaar Dautel für die Ausrichtung des Weinkollegs. „Mit den Weinkollegs vor Ort, bei denen die Erzeugerbetriebe der Vinothek jeweils 1 mal im Jahr Gastgeber der monatlichen Veranstaltungen der Freunde der Vinothek sind, sollen die Beziehungen und Bindungen der Vinothekare zu den Erzeugern gepflegt und intensiviert werden.  Zugleich nutzen wir diese Veranstaltungen gerne als Dialogforum". Ernst Dautel nahm diesen Ansatz gerne auf und bekräftigte neben seinen anerkennenden Worten für die Arbeit der Vinothekare, wie wichtig es sei, über den regionalen Wein und unsere Weinkultur sachkundig zu informieren und offensiv dafür einzutreten.

Fritz Wachter führte dann wie immer sehr sachkundig in das Thema ein. „ Der Blaue Spätburgunder  wird hier  auf 884 ha angebaut und steht unter den Rotweinen nach Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger an 4. Stelle; zum Vergleich: in Baden wird Spätburgunder auf 5743 ha angebaut, er nimmt mit weitem Abstand Platz eins in der Anbaustatistik ein. Als wohl bekanntestes Mitglied der großen Burgunderfamilie steht der „Pinot Noir" für anspruchsvolle, elegante Weine". Diese sehr alte und bei uns seit Jahrhunderten heimische Rebe stelle hohe Ansprüche an Klima und Boden, der nicht zu trocken und vor allem tiefgründig sein sollte. Der Spätburgunder liebe kühlere Klimazonen, nahm Ernst Dautel das Thema auf, je südlicher das Anbaugebiet, desto höher die Lagen. Die Traube habe viel Potential, gerade bei unseren klimatischen Verhältnissen und Böden. Erschwerend falle ins Gewicht, dass die Spätburgundertraube klein und dichtbeerig sei und viel Sorgfalt im Weinberg und Keller erfordere. Fritz Wachter nahm dies zum Anlass, auf den Klon Mariafelder hinzuweisen, dessen Trauben eher lockerbeerig seien und der damit weniger anfällig gegen Fäulnis sei. Auch durch seine längere Reifezeit (der Mariafelder wird in der Regel 2 bis 3 Wochen später als der Spätburgunder gelesen) habe er Vorzüge mit einer Tendenz zu höherer Qualität. Die Frage nach der Bedeutung des Terroirs,  in der Vermarktung bejahte Ernst Dautel. Das Terroir, also das Zusammenspiel von Bodenverhältnissen, klimatischen und topographischen Gegebenheiten und die Auswirkungen auf die jeweilige Rebsorte, seien gerade beim Spätburgunder für die Erzeugung von Weinen im Spitzensegment entscheidend. Allerdings komme dem Terroir bei uns nicht die gleiche entscheidende Bedeutung zu, wie etwa im Burgund.  Der Schilfsandstein, den man „auf der Kappe“ unserer Weinberge antreffe, sorge für „filigrane und nervige“ Weine, während der Gipskeuper, der in den mittleren Lagen anstehe, für „etwas ausladendere, fettere Weine“ stehe. Ernst Dautel stellte dann seinen Spätburgunder Schilfsandstein vor: Der im großen Holzfass ausgebaute Wein mit seiner typischen, leicht ins Purpurrot wechselnden Farbe, überzeuge in der Nase mit Aromen von frischer Himbeere, Erdbeere, Kirsche und Brombeere mit zart rauchig-mineralischen Noten. Der würzige Geschmack werde von Kirsche und Himbeere dominiert, die Gerbstoffe seien gut eingebunden. „Ein Spätburgunder, wie er sein soll, wunderbar abgerundet,  frisch und animierend mit ausgeprägter Frucht“ , so das Urteil des Moderators, dem sich die Runde der Weinfreunde gerne anschloss. Trotzdem blieb die Frage nach dem „König der Rotweine", Spätburgunder oder Lemberger letztlich auch in dieser Runde offen. Deutlich wurde aber, dass der württembergische Spätburgunder, etwa gegenüber den Anbaugebieten Baden und Ahr,  nördlich der Mainlinie immer noch ein Imageproblem habe, so unberechtigt das auch sei.

 

Weinkolleg "Lemberger" am 7. Dezember

Weinkolleg der Extraklasse

Lemberger auf dem Prüfstand

 

In mehrfacher Hinsicht besonders war das letzte Weinkolleg des Jahres der Freunde der Vinothek mit Fritz Wachter. Schließlich war mit dem Lemberger die Lieblingsrebsorte des Moderators Thema des vinophilen Gesprächskreises, dann gab es mit dem Wein der Woche, einem 2010er Epos von Stromberg Lemberger trocken des Strombergkellers gleich ein Schwergewicht und schließlich feierte der Moderator am vergangenen Samstag seinen 77. Geburtstag. Also Anlass genug, so der Vorsitzende der Weinfreunde Hans-Joachim Jaeger bei seiner Begrüßung und Gratulation, vom üblichen Ablauf etwas abzuweichen. Denn aus gegebenem Anlass hatte der Moderator für eine Erweiterung des Probenplans gesorgt.

An ausgesuchten Lembergerweinen wolle er die verschiedenen Anbau-,  Ausbau- und Qualitätsstufen demonstrieren. „Erwartet aber keine Vergleichsprobe, sondern eine Demonstration der Vielfältigkeit und Qualität“. Aber zu Beginn stand natürlich eine Auffrischung des Grundwissens zum Einstieg in die Diskussion. „Der Lemberger,unsere württembergische Spezialität,stammt ursprünglich aus Niederösterreich. Dort wurde  und wird die Rebe unter der Bezeichnung „Blaufränkisch“ kultiviert. Ganz überwiegend, nämlich zu über 90 %, liegt die deutsche Lemberger-Anbaufläche in Württemberg, hier nimmt er mit 1.638 ha nach dem Trollinger (2.442 ha einschließlich Muskat-Trollinger) und dem Schwarzriesling (1.654 ha) Platz 3 ein. Der Lemberger hat eine tiefrote Farbe und fruchtige Beerenaromen, im Geschmack ist er kraftvoll und ausgewogen mit ausgeprägtem Körper und fruchtigen Aromen. Aus dem Lemberger lassen sich extrakt- und tanninreiche Weine gewinnen, die sich auch für den Barrique-Ausbau eignen, und den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Gerade unsere Region ist für ihre exzellenten Lemberger-Weine bekannt.“ Wenn man heute beim Lemberger vom König der Rotweine in Württemberg spreche, sei das nicht immer so gewesen. Vielmehr habe man mit dem Lemberger früher so manche Probleme gehabt. Die Rebe stelle hohe Ansprüche an Boden und Lage. Hohe Weinqualität verlange vor allem beim Lemberger eine optimale Traubenreife. Er habe zudem zum Verrieseln geneigt, also zum Abstoßen von Blüten und kleinen Beeren vom Stiel, was zu einer deutlichen Ertragsschwäche geführt habe. „Nicht gerade das, was sich ein schwäbischer Wengerter wünscht“, so der Moderator. Deshalb sei der Lemberger in der Wertschätzung der Wengerter klar hinter dem ertragsstarken Trollinger gelegen. Erst durch die Erfolge der Rebenzüchtung und die konsequente Standortwahl sei der Aufstieg des Lembergers zur unbestrittenen Nr. 1 unserer heimischen Rotweine möglich gewesen. Auf die Zwischenfrage, wie er das Verhältnis zum Spätburgunder sehe räumte Fritz Wachter ein, dass auch der Spätburgunder in Württemberg in der Qualität deutlich zugelegt habe und  –  wie das letzte Weinkolleg zum Thema Spätburgunder gezeigt habe  –  bei uns ausgeprägte Spitzenweine erzeugt würden. Er sei aber ein Lembergerfan durch und durch. Zudem sei der Lemberger der regionaltypischere Wein und eine echte Spezialität des württembergischen Anbaugebietes, die es zu nutzen gelte, gerade in einer Region, die zu den anbau- und qualitätsstärksten gehöre. Interessant sei, dass Österreich in letzter Zeit international neben den bekannten Weißweinspezialitäten, besonders der Wachau, verstärkt den Blaufränkisch bewerbe. Das komme natürlich auch dem international leider immer noch etwas „notleidenden“ Image des Lembergers zugute.

Dann ging es ans Verkosten, das von einer angeregten Diskussion begleitet wurde, die durch Manfred Häußer, Ehrenvorstand der Strombergkellerei, die Vorstandsmitglieder Wolfgang Händel und Albrecht Hamm von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu und von Erwin Rennstich von der Bottwartallkellerei fachlich vertieft wurde. So konnte der Vorsitzende Hans-Joachim Jaeger bei seinem Dank an Fritz und Rose Wachter und an die Besucher ein in jeder Beziehung positives Fazit ziehen.