Rund um die Vinothek

Treffpunkt  Weingespräch

Treffpunkt Weingespräch in der Vinothek am 13.2. 2010

Der erste TREFFPUNKT WEINGESPRÄCH am 13.2. war ein schöner Erfolg. Eine interessierte Runde von Weinliebhabern, unter denen der "amtierende Vinothekar" Manfred Schmälzle auch Bürgermeister Kornelius Bamberger mit Frau begrüßen konnte, widmete sich unter der Moderation von Fritz Wachter dem Thema "Lemberger".

Treffpunkt Weingespräch in der Vinothek am 13.3. 2010

 

 

 

Bereits die zweite Auflage des „Treffpunkts Weingespräch" zeigte, dass die Freunde der Vinothek hier offenbar eine Marktlücke gefunden und erfolgreich geschlossen haben. Denn auch am 13.3. hatte sich wieder eine diskussionsfreudige Runde von Weinliebhabern, unter ihnen auch Bürgermeister Kornelius Bamberger eingefunden, um unter der sachkundigen Moderation von Fritz Wachter den Spätburgunder in all seinen geschmacklichen Varianten zu besprechen und zu verkosten. Fritz Wachter verstand es wieder meisterhaft, die Diskussion um den Wein und vieles, was damit zusammenhängt in Gang zu bringen und zum Ziel zu führen. Ein Thema war der Alkoholgehalt, der als wesentlicher Geschmacksträger im Wein natürlich unbestritten ist, um dessen Höhe, das „Wie" und „Warum", aber ein lebhafter Meinungsaustausch in Gang kam.

Die Vorfreude auf den nächsten „Treffpunkt Weingespräch" am 10. April war allgemein. 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 12.4.2010

 

 

Trefflich fachsimpeln beim monatlichen Weingespräch in der Bönnigheimer Vinothek, von links: Fritz Wachter, Uli Bauer, Albrecht Hauber und Bernd Kachel. Fotos: Jürgen Kunz

 

Genüssliche Gesprächsrunde für Weinzähne

Einmal im Monat treffen sich einige Weinzähne im Forstgefängnis zum Weingespräch der Vinothek. Am Samstag wurde der Jungfernwein der Weinkellerei Kölle probiert - ein Sauvignon blanc Auslese.

Über Vieles lässt sich trefflich fachsimpeln. Über Fußball, über Kunst, oder gar Politik. Eine der gehaltvollsten Gesprächsrunden findet einmal im Monat in der Bönnigheimer Vinothek statt. Am Samstag trafen sich Marianne Sartorius, Uli Bauer, Dieter Gerlinger, Albrecht Hauber, Bernd Kachel, Wilhelm Kohler, Gerhard Krapf, Werner Krapf, Harry Maier, Joachim Mann, Alfred Manz und Walter Martin beim Dienst habenden Vinothekar Manfred Schmälzle, um den von Fritz Wachter ausgewählten Wein der Woche zu verkosten und zu beurteilen: Ein fast golden in den Probiergläsern schimmernder Sauvignon blanc Auslese trocken der Weinkellerei Kölle erwartete die Weinfreunde.
"Ein schöner Tropfen", vermeldete Joachim Mann seinen ersten Eindruck, nachdem Fritz Wachter für die erstmals Beteiligten die "Regeln" der monatlichen Runde in der Vinothek erläuterte hatte: kein geschliffener Vortrag, "wir wollen über den Wein sprechen", die erste Probe geht auf Kosten der Vinothek - und wenn der Dienst habende Vinothekar als Hausherr nach etwa eineinhalb Stunden Schluss sagt, dann löst sich das Weingespräch auf.
"Einen Wein, der bisher für uns tabu war, ist nun hier angekommen", betonte Fritz Wachter. Zwar handle es sich beim Sauvignon blanc um eine alte Weinsorte, die allerdings (wein)rechtlich nicht ganz einfach in der hiesigen Region durchzusetzen war. Heinz Kölle, Chef der gleichnamigen Weinkellerei, hat nun erstmals diese Traube zu einem frischen Bönnigheimer Wein (Alkohol 13,5 Volumenprozent, Restzucker 0,1 Gramm pro Liter, Säure 5,9 Gramm pro Liter ) gekeltert. "Keinen Lagerwein, sondern einer, der noch im selben Jahr getrunken werden kann", wie Fritz Wachter erklärte.
"Ich höre schon Stimmen von Wengertern: den Wein brauchen wir nicht", orakelte Fritz Wachter und fürwahr, der erste Kommentar von Wilhelm Kohler am Probiertisch bestätigte die Einschätzung Wachters, der sich davon aber nicht beeindrucken ließ: "Ein wunderbar trockener Wein, mit einer Blume, die unsere leichten Weine nicht haben." Diese Beurteilung forderte den Widerspruch von Uli Bauer: "Beim Aufgang fehlt es diesem Wein, er könnte gehaltvoller sein."
"Er ist nicht vergleichbar, mit Schmelz, toll als Nischenprodukt", konstatierte Werner Krapf und stellte als ehemaliger Wengerter die Frage, ob der Sauvignon blanc andere Sorten verdränge oder ob er von den Kunden zusätzlich gekauft werde. "Ideal zum Spargel. Ein schöner frischer Sommerwein", ist der in Halbliter-Flaschen abgefüllte weiße Tropfen für Joachim Mann. Bernd Kachel, der als gebürtiger Bönnigheimer in Norwegen lebt, bewertete den Sauvignon blanc als "nicht so spritzig wie ein Riesling, aber nicht so aufdringlich wie ein Chardonnay".
"Ein moderne Wein", so Albrecht Hauber, Kellermeister der Strombergkellerei, für den es in Deutschland noch kein Profil gebe und dessen zweigeteilte Aromatik - anfangs grün-grasig mit dem Geschmack von Stachelbeeren, im Abgang die Aromen von exotischen Früchten, wie Pfirsich und Maracuja - bei der Lese in zwei Schritten berücksichtigt werden muss.
"In anderen Ländern hat der Sauvignon blanc seine Berechtigung, ob er sie bei uns bekommt, ist die Frage", sagte Fritz Wachter. "Müssen wir alles nachmachen?", fragte Uli Bauer." "Im Maschinenbau, im Automobilbau sind wir weltweit führend. Im Weinbau sind uns andere auch vom Image her voraus", so Albrecht Hauber, und erklärte bedauernd: "Barrique, Maischegärung - wir machen es nach." "Es ist die Eigenart der Deutschen: alles, was vom Ausland kommt, ist besser", ergänzte Gerhard Krapf. "Weltweit betrachtet: Wir müssen den Riesling perfektionieren", gab Bernd Kachel bei dieser grundsätzlichen Weindiskussion zu bedenken.
"Wir Württemberger sind zu wenig selbstbewusst", ist sich Albrecht Hauber sicher: "Unsere Trollinger-Spezialität, die nur bei uns wächst, reden wir oft selbst schlecht." Letzendlich gab sich der Kellermeister pragmatisch: "Qualität ist, wenn der Wein die Anforderungen des Verbrauchers erfüllt."
Resümee des kurzweiligen Nachmittags in der Vinothek: Der beste Wein ist der, der einem schmeckt - und die Vorfreude auf das nächste Weingespräch, um mit unbekannten Geschmackserlebnissen die Freude am Weingenuss zu erhöhen.

Redaktion: JÜRGEN KUNZ

Treffpunkt Weingespräch am Samstag 8. Mai 2010

 

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 11.5. 2010

Drei Weinsorten, drei Sterne, ein Name: Kreation. Diesen Weißwein des Weinguts Dautel in Bönnigheim lassen sich zwölf Freunde der Vinothek am Schloss in Bönnigheim genauer schmecken. Die Kreation ist eine Cuvée aus den Sorten Riesling, Weißburgunder und Kerner, weist einen Alkoholgehalt von 13 Volumenprozenten auf, verfügt über 5,5 Gramm Restzucker pro Liter und fünf Gramm Säure pro Liter und wird von dem Erbauer mit drei Sternen versehen. Die Kenner um den Moderator des monatlichen Weingesprächs Fritz Wachter sind sich schnell einig: ein sehr guter Tropfen. Ist er nun auch der Beweis schlechthin, dass Schwaben mittlerweile können, was französischen Weinbauern in die Wiege gelegt wird? Nämlich verschiedene Weinsorten so miteinander zu kombinieren, dass daraus "ebbes guats" wird?
Vielleicht, wenn nur nicht diese eine Note wäre, die die Freunde der Vinothek am dautelschen Kreation-Wein herauszuschmecken glauben. Dies sorgt für Irritationen - gewiss der angenehmen Art. Einer, der natürlich Bescheid weiß, Fritz Wachter, spannte seine Kollegen indes noch eine zeitlang auf die Folter.
Der Wein, die Drei-Sterne-Kreation, der die Zehn-Euro-Grenze souverän überschreitet, findet sehr schnell Anklang: Fritz Dieter, der am Samstag als Vinothekar fungiert, meint, er sei sehr gelungen, sehr rund und habe eine schöne Säure. Dem stimmen Werner Krapf und Hans-Joachim Jäger zu: eine schöne Frucht gewiss, aber eben dieser Ton, anders als bei einem sortenreinen Wein, interessant dennoch, "aber brauchen wir Cuvées und was sind die Vorteile?"
Wachter erläutert, dass Cuvée-Weine in Württemberg traditionell keine besondere Rolle gespielt haben, außer beim Trollinger mit Lemberger. Die Frage nach der Qualität der dautelschen Cuvée klärt sich dann auf, als mit einem rassigen Riesling aus dem Hause Beurer, Kleinbottwartal, gewissermaßen ein Gegenstück zum Kreation sich in den Gläsern findet.
Die Cuvée gibt andere Noten frei, Geschmacksnuancen also, die bei sortenreinen Weinen so nicht zur Geltung kommen. "Er hat also seine Berechtigung", so Wachter. Und Jäger pflichtet bei: "Was wir im Glas haben, zeigt, dass die Cuvée ein gutes Erzeugnis ist." Die Zeit sei reif, dass man sich diesen Produkten öffne. In Württemberg habe man jahrzehntelang auf sortenreine Weine gesetzt. Der Blick auf den Nachbarn Frankreich verrate, dass einer der berühmtesten Weine, der Châteauneuf-du-Pape, laut Wachter aus 13 verschiedenen Rebsorten gemischt wird. Alljährlich ein hoch kompliziertes Verfahren, da der Wein ja möglichst immer gleich schmecken soll.
Wenn zwölf Weinfreunde zusammenkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch kritische Stimmen gibt. Die kommt dieses Mal von Dieter Gerlinger. Er kommt wieder auf den gewissen Ton zu sprechen, "der mir persönlich überhaupt nicht schmeckt". Und Michael Gerdes stört der leicht bittere Nachgeschmack.
Die Auflösung für die irritierenden Geschmacksempfindungen liefert Fritz Wachter, der mit Ernst Dautel vorab über die Kreation gesprochen hat. Dieser gewisse Ton rührt wohl daher, dass in die Cuvée ein Weißburgunder einfloss, der zuvor im Barrique-Fass reifte.
Die Weinrunde liefert einen weiteren Beweis: Auch Weißweine bedürfen nach dem Öffnen einer gewissen Zeit, um sich zu entwickeln. So glaubt Manfred Schmälzle nach gereifter Diskussion und neuerlichem Nippen am nun wärmeren Weinglas, das von Dautel angegebene Mango-Aroma endlich schmecken zu können. Für Wachter eine glasklare Angelegenheit. Acht Grad seien für einen Weißwein viel zu kalt. Mindestens zehn Grad warm müsse er sein. "Nur einen schlechten Wein trinkt man am besten kalt". Was von der Cuvée aus dem Hause Dautel nun wahrlich nicht behauptet werden kann.
Die Freunde der Vinothek am Schloss in Bönnigheim treffen sich einmal im Monat, um sich über einen ausgewählten Wein zu unterhalten. Das nächste Treffen findet am 5. Juni um 16 Uhr statt. Über die Gespräche berichtet die Bietigheimer Zeitung.

Redaktion: ARMIN SCHULZ

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 7.6. 2010

 

BÖNNIGHEIM, 07. JUNI 2010

Wein ist eben Geschmackssache... Die Runde, zu der sich einmal im Monat Kenner des Rebensaftes in der Bönnigheimer Vinothek treffen, stand am Samstag im Zeichen der EU-Qualitätsbezeichnungen "Classic" und "Selektion".

 

Normalerweise haben die "angenehmen Probierstunden", wie Hans-Joachim Jaeger, Chef der Bönnigheimer Weinfreunde, die Zusammenkunft in seiner Begrüßungsansprache betitelte, den "Wein der Woche" zum Thema. An diesem Samstag aber hatte sich Moderator Fritz Wachter vorgenommen, einige Worte über zwei Qualitätsbegriffe, die das Deutsche Weininstitut ab dem Jahrgang 2000 eingeführt hatte, zu verlieren. "Classic" und "Selektion" waren die Steine des Anstoße(n)s, welche dem Verbraucher bei der Kaufentscheidung behilflich sein sollen, stehen sie, so Wachter, doch für ausgesuchten, hochwertigen Wein.
Das Kriterium "Classic" bezeichnete Wachter als "überholt", in sich nicht stimmig und wenig aussagekräftig. "Abfüller, Jahrgang und Sorte sind auf der Flasche genannt, mehr aber auch nicht. Einen ,Classic kann jeder erzeugen, auch ein Weinhändler", so Wachter weiter. Weil ein so bezeichneter Wein mit zwölf Prozent ein Volumenprozent höher liegen muss als sonstige Weine, müsse er in der Regel aufgezuckert werden. Zudem bestätigten Ausnahmen die Regel der Qualitätsbegriffe in zunehmendem Maße. "Der ,Classic" muss zu 100 Prozent aus einer Rebsorte hergestellt werden, aber der Württemberger Trollinger Lemberger ist auch ein ,Classic", wunderte sich nicht nur Wachter über die laxe Handhabung der Richtlinien. Zudem kommt der Nahe-Wein, ein Riesling aus Bernkastel-Kues des Jahrganges 2009, der nun den Weg in die Gläser der Weinfreunde gefunden hatte, lediglich auf 11,5 Volumenprozent und dennoch als "Classic" daher. Insgesamt sei der Begriff "Classic" komplett verkehrt, weil er das Prädikat des Herkömmlichen suggeriere, in Wirklichkeit aber ein "Industriewein" für ein bestimmtes Publikum sei, bemängelten der Dürrenzimmerer Gerhard Krapf und Ulrich Bechtel, Vorsitzender der Baden-Württembergischen Weinbruderschaft. Für den Durchschnittsverbraucher, der ab und zu ein Glas Wein zum Spargel trinke, sei der "Classic" aber in jedem Fall eine gute Wahl, hielt Jaeger dagegen, Frank Martin pflichtete ihm bei.
Wenige Weinglasfüllungen später ging Wachter über zur Besprechung des Kriteriums der "Selektion" anhand eines neun Jahre alten Bönnigheimer Sonnenbergs. "Altersfirn" habe er, stellte Manfred Schmälzle aus Bönnigheim fest, sei aber trotzdem "recht trinkbar", befand Wachter und erläuterte, warum die Wahl auf einen etwas älteren Riesling gefallen war: "Selektion"-Weine werden aufgrund ihrer hohen Anforderungen hierzulande nirgends mehr produziert, der Aufwand ist einfach zu groß für den Auslesewein, der 12,2 Volumenprozent und 90 Grad Öchsle vorweisen und handverlesen sein muss.
Flasche zwei des Bönnigheimer Sonnenberg "Selektion" brachte die Diskussion vollends in Schwung. "Die zwei sind wirklich total unterschiedlich", staunte Wachter und stellte einen Unterschied schon in der Farbe fest. Der erste sei muffig gewesen, befand der Bönnigheimer Oliver Zaubitzer und forderte den Korken der ersten Flasche zum Geruchsvergleich an. Gemeinsam mit Frank Martin kam Zaubitzer zu dem Ergebnis, dass die Muffigkeit in Geruch und Aussehen schon am Korken festzustellen sei. "Meine Frau", so Zaubitzer, "hätte den ersten schon gar nicht getrunken." Wein sei eben Geschmacksache. "Der eine merkt"s, dem anderen ist"s egal." Sabine Dettling

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 12.07.2010

BÖNNIGHEIM, 12. JULI 2010

Weinphilosophen unter sich.

Lebhafte Diskussionen über spritzigen Sekt in Bönnigheim. Ein prickelndes Gespräch: Das fünfte Treffen der "Freunde der Vinothek" am Samstagnachmittag stand in der Vinothek am Schloss Bönnigheim unter dem Motto "Secco, Sekt und Prosecco".

Probieren und diskutieren: die "Freunde der Vinothek" unter sich. Foto: Kalb

 

Noch einmal taucht Fritz Wachter die Nase tief ins Glas. "Das ist ein Muskatgeruch", kommentiert er. Dann schwenkt er die prickelnde Flüssigkeit und schlürft sie. Die anderen stimmen zu. Muskat, Kerner, Riesling - Sorten im Secco, welche die Verkoster herausschmecken. Die Verkoster, das sind 30 Weinliebhaber aus Bönnigheim und der Region. Einmal im Monat treffen sich die "Freunde der Vinothek", um über den "Wein der Woche" der Vinothek zu diskutieren. Ein offener Gesprächskreis, zu dem alle Weintrinker willkommen sind.
Kein Fachvortrag, keine Wein- oder Sektprobe. "Wir unterhalten uns über das Produkt, immer über regionale Produkte der Bönnigheimer Weinerzeuger", so Wachter. Deshalb sitzen neben Hobbyexperten auch Weinproduzenten mit am Tisch: beim fünften Treffen Werner Krapf vom Weinbau Krapf und Heinz Kölle, Weingut und Brennerei Kölle.
Am diesem Samstag reden die Weintrinker einmal über etwas anderes: Sekt, Secco und Prosecco. Nach einem Secco der Strombergkellerei wird ein Kölle-Sekt diskutiert. "Der Sekt ist für Weintrinker ein anderes Getränk, aber er kommt vom Wein", erklärt Wachter, "deshalb ist es wichtig, darüber etwas zu wissen." Denn Secco ist Wein mit künstlicher Kohlensäurezufuhr. Was ist der Unterschied zwischen Secco und Sekt? Eine Frage von vielen, die aufkommen. Der 73-Jährige leitet die lebhafte Unterhaltung und gibt interessante Infos.
"In Deutschland wird sehr viel Sekt erzeugt und getrunken", so Wachter. Das sei gut. "Sekt in Maßen hat eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System", erläutert er. Dass er selbst kaum Sekt trinkt, darf er ruhig sagen. Meinungsfreiheit ist erwünscht. Der 73-Jährige trinkt seit 50 Jahren Wein. "Es ist die Liebe zum Wein, ein Stück Heimat. Ich stehe dahinter, was hier erzeugt wird", betont Wachter. So kommt es auch, dass die Weinfreunde zum Abschluss noch einen kühlen Chardonnay genießen. Martina Kütterer

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 14.9. 2010

Jeden Monat wird ein anderer Wein in der Vinothek ausgiebig probiert und diskutiert. Foto: Roland Willeke

 

BÖNNIGHEIM, 14. SEPTEMBER 2010

"A ganza Gosch voll Wei" Informative Diskussionsrunde in der Bönnigheimer Vinothek

 

Beim monatlichen Weingespräch in der Bönnigheimer Vinothek drehte sich am Samstag alles um den Grauburgunder und seine Geschichte. Jeden Monat wird ein anderer Wein in der Vinothek ausgiebig probiert und diskutiert. Foto: Roland Willeke "Würdebärte schlürfen kräftig/Wichtig diskutierte Weine." Bei Fritz Wachters monatlichem Weingespräch in der Vinothek fühlt sich der Beobachter an Joachim Ringelnatz kleine Szene aus "Stuttgarts Wein- und Bäckerstübchen" erinnert. Heutzutage tragen aber längst nicht mehr alle schwäbischen Weinzähne einen Würde verleihenden Rauschebart, zumal sich am Samstag auch einige Damen zur rund fünfzehnköpfigen, im Alter etwas vorgerückten Kennerrunde gesellten.

 

Die Gesprächsrunde, die sich allmonatlich um Weinpräsentator und -moderator Fritz Wachter versammelt, zeichnet eine mehrere Jahrhunderte lange Genusserfahrung im Umgang mit dem Rebensaft aus. Sagt doch schon Fritz Wachter von sich selbst, dass er seit fünfzig Jahren Wein trinke, oder besser gesagt, in moderaten Mengen genieße. Auf den langen Tisch des Hauses kam in der Vinothek ein "2009er Weisser vom Stromberg Grauburgunder trocken", ein Produkt der Strombergkellerei. Ihm bescheinigte die Kennerrunde eine dezente Säure - 6,1 Gramm pro Liter - und einen feinherben Geschmack mit einem durch "delikate Fruchtaromen von reifen Birnen" geprägten "harmonischen und anhaltenden Finale". Für Spezialisten hier die übrigen Laborwerte des Probanden: Alkohol 13,4 Prozent, Restzucker 5,4 Gramm pro Liter. Jung und trocken ausgebaut, der ideale Sommerwein. So wurde der Grauburgunder freilich nicht immer gesehen, vor allem nicht in der Zeit als er noch "Ruländer" hieß - in Erinnerung an den aus Speyer stammenden Kaufmann Johann Ruland, der ihn 1711 entdeckte . Mit Mostgewichten von 100 und mehr Grad Öchsle gelesen, wurde die daraus gekelterte "süße Brühe", so Fritz Wachter, mit den Jahren zunehmend unverkäuflicher. Zumal der Wein wegen fehlender Säure nicht lange lagerfähig war. Die Achkarrener Winzer sannen auf Abhilfe und erinnerten sich der Herkunft des Ruländers, der eine natürliche Mutation des Spätburgunders darstellt. Fortan nannten sie ihn Grauburgunder. In Frankreich heißt das Gewächs Pinot gris. Merke: Kleider machen Leute und Namen machen Weine. Aber nicht nur! Mit dem Imagewechsel ging einher, dass man die Trauben nunmehr früher erntet und trocken ausbaut.

 

So positiv wie der als Grauburgunder wieder in Mode gekommene Ex-Ruländer kam ein von Dieter Gerlinger, ehemals Bönnigheimer Stadtarchivar, beigesteuerter "Elbling" von der Mosel nicht weg. Obwohl bisweilen als kleiner Bruder des Rieslings bezeichnet, konnte er in der Expertenrunde nicht punkten. "Ein Wein, den wir hier nicht brauchen", so Fritz Wachters Verdikt, dem sich die übrigen Weindiskutanten mit Urteilen wie "schmeckt wie der Sonntagsmost" oder "grüne Äpfel schmecken auch nicht anders" anschlossen. Da hielten sich die Kenner doch lieber an die "Epos"-Variante des Grauburgunders aus dem Jahr 2008, ebenfalls aus der Strombergkellerei, die den Experten zum Schluss ihrer Gesprächsrunde "a ganze Gosch voll Wei" bescherte. Roland Willeke

Treffpunkt Weingespräch am 6.11. 2010 zum Thema Spätburgunder

 

 

 

BÖNNIGHEIMER ZEITUNG vom 6. 12. 2010

Da war die Runde der Weinfreunde aus Bönnigheim noch gut gelaunt. Wenig später flog ein handballgroßer Klumpen aus Schnee und Eis in die Vinothek. Foto: Helmut Pangerl

Loblied des Lembergers.

Monatliches Weingespräch in der Bönnigheimer Vinothek.

Ein Lemberger stand am Samstag im Mittelpunkt des letzten Weingesprächs des Jahres in der Bönnigheimer Vinothek. Ein Wurf mit einem Geschoss aus Schnee und Eis trübte die Stimmung der Weinfreunde. Da war die Runde der Weinfreunde aus Bönnigheim noch gut gelaunt. Wenig später flog ein handballgroßer Klumpen aus Schnee und Eis in die Vinothek. Foto: Helmut Pangerl "Ganze drei Fläschle haben wir nur da", bedauerte Vinothekar Joachim Mann in seiner Begrüßungsansprache am Samstagnachmittag die Tatsache, dass der zu verkostende und zu beurteilende "Wein des Monats", ein Lemberger der Weinkellerei Kölle, nicht allzu reichlich vorhanden war. Grund für diesen Lemberger-Mangel war ein Missverständnis im Vorfeld der Veranstaltung, wie Mann und Moderator Fritz Wachter ausführten. Angekündigt gewesen wäre Kölles 2007er "Edition Paradies" Lemberger. Da dieser jedoch kein trockener Wein sei, ein solcher aber zu Beginn einer jeden Verkostung stehen sollte, hätten sich die Freunde der Vinothek ganz kurzfristig für die trockene Variante des Jahrgangs 2009 entschieden. "Sonst ist aber genug Wein da", tröstete Mann die 22 Besucher des allmonatlichen Weingesprächs, das auf Vorschlag von Dieter Gerlinger im nächsten Jahr "Weinkolleg" heißen wird. Während Italiens Rebenlandschaft zu über 75 Prozent von der Traubenfarbe Rot dominiert sei, entfallen "lediglich 13 Prozent aller Anbauflächen in Deutschland auf Rotweinsorten", wies Fritz Wachter auf die ungleiche Verteilung in Europas Weinbau hin. Ähnlich verschieden zeige sich die Verteilung der Rebsorten innerhalb Deutschlands. Die Rebflure Badens seien zu 21 Prozent von Rotwein dominiert, die württembergischen dagegen zu 53 Prozent. Der Lemberger gedeihe lediglich auf einem halben Prozent aller Rebflächen Deutschlands. Die Herkunft des Lembergers ist nicht eindeutig geklärt. Der Zabergäuer Graf von Neipperg reklamiere die Herkunft für seine Wiener Vorfahren, die den Lemberger nach Württemberg importiert hätten. Hierzu, so Wachter, passe die These, dass der Ur-Lemberger aus dem Donauraum stammen könnte, wo er bis heute als Blaufränkischer durch die Kehlen rinnt. In Brackenheim, der größten "Lemberger-Gemeinde" hierzulande, gedeihe das anspruchsvolle Gewächs, das Keuper- und Muschelkalkböden an windgeschützten Hängen brauche, besonders gut. "Der Lemberger gilt wegen seiner kräftigen Struktur, seiner hohen Tanninsubstanz, als die wertvollste Rotweinsorte, und er lässt sich relativ lange lagern«, wies Wachter auf die Vorzüge des edlen Tropfens hin. Diese entstünden dadurch, dass der Lemberger schonend via Maischegärung hergestellt und nicht "gekocht" würde. Der Kölle-Lemberger, bilanzierte Wachter, sei mit seinen 14 Volumenprozent Alkohol und seinen rund 90 Grad Oechsle "ein Vier-Sterne-Wein". Seinem Produzenten Heinz Kölle war der dargebotene Jahrgang "noch zu jung", während ihn Manfred Schmälzle als "wunderbar" bezeichnete: "Er holzt nicht, das Zusammenspiel ist trotz seiner Jugendlichkeit sehr harmonisch." Wenig von Harmonie geprägt indes war das, was sich Sekunden nach Schmälzles Ausführungen abspielte. Die Tür zur Vinothek schlug auf, und in den Raum hinein flog ein Klumpen aus Schnee und Eis in Handballgröße haarscharf am Kopf des Vinothekars Mann vorbei. "Gestern", berichtete eine aufgebrachte Rose Wachter, "war die Weinvitrine das Ziel." Mehrere Weinkenner nahmen sofort die Verfolgung der jugendlichen Übeltäter auf, während sich die in der Vinothek Verbliebenen kaum beruhigen konnten ob solcher Dreistigkeit und die These diskutierten, dass hinter den Anschlägen Besucher des benachbarten Jugendcafés stecken könnten. "Ich glaube, ich habe einen von ihnen erkannt", berichtete einer der Verfolger und beschloss, den Vorfall umgehend zur Anzeige zu bringen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der große, harte Klumpen Joachim Mann am Kopf getroffen hätte.

Redaktion: SABINE DETTLING