Startseite> Touristik, Museen (Bönnigheim)> Vinothek - Weinkolleg September

Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek - Weinkolleg September

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (12.09.2021)

 „Weinkultur in China“

Der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft Bönnigheim und Leiter des Schnapsmuseums, Kurt Sartorius, hatte eingeladen und fast 20 „Freunde der Vinothek“, sowie einige Gäste fanden sich am vergangenen Samstag pünktlich im Keller des Schnapsmuseums ein. Dass Sartorius sich nicht nur beim Schnaps oder in historischen Gefilden bestens auskennt, bewies er durch seinen munteren Vortrag über das selbst gewählte Thema zur „Weinkultur in China“.

Seit mehr als 40 Jahren sei er Mitglied der Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V., outete sich der bekennende Biergenießer gleich zu Beginn seines Vortrages. Allerdings erschien 2020 die 200ste Ausgabe der vereinseigenen „Schriften zur Weingeschichte“, welcher sich Kurt Sartorius mit viel Vergnügen in der Zeit des Lockdowns widmen konnte.

 

„Der Autor Peter Kupfer, Sinologe mit dem Arbeitsschwerpunkt Chinesische Sprache und Kultur, gibt in seiner Schrift eine tiefgründige Darstellung der chinesischen Wein- und Alkoholkultur Chinas“, so Kurt Sartorius. Dabei entfalte der Autor in der 300 Seiten umfassenden Schrift das gesamte Spektrum der chinesischen Alkoholgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die Teilnehmer des Weinkollegs erfuhren von den Zeugnissen aus dem Neolitikum wie versteinerten Traubenkernen oder Trinkgefäßen. Aber auch von schriftlichen Zeugnissen aus der Zeit 200 n. Chr., in der sich der Kaiserhof und die wohlbetuchten Chinesen an dem köstlichen Getränk labten, Gedichte darüber verfasst wurden und dem Wein aus Wildtrauben, Honig und anderen Zugaben Heilkräfte zugesprochen worden waren. Weinnamen wie „Drachenauge“ oder „Schwarzes Hühnerherz“ verdeutlichen, dass es verschiedenste Facetten einer Alkoholkultur zwischen Schamanismus, Opferkult und sozialer Bedeutung gab. All dies konnte der Redner nur kurz streifen, denn die Gäste sollten auch noch einen chinesischen Wein probieren dürfen und die Frage nach dem Stand der Weinwirtschaft in China heute und in Zukunft, sollte auch noch erörtert werden.

Den stärksten Schub erlebte das Thema Wein nach Sartorius´ Erkenntnissen schon unter Mao Tse-tung, der den Weinanbau und -konsum deutlich steigern ließ. In den 60er Jahren wurden die Franzosen, wie beispielsweise der Spirituosenhersteller des bekannten Cognacs Remy Martin, Partner der Chinesen in Sachen Weinanbau, Vinifizierung und Verkauf. Es entstand in China die weltweit größte Weinbauschule, von der die chinesischen Giganten der Weinindustrie noch immer profitieren. Heute betrage die Rebfläche bereits 900 000ha, wobei ein großer Teil auch den Tafeltrauben gewidmet sei. Seit den 90er Jahren sei die Imageprägung des Rotweins als Luxusgeschenk, Prestige- und Spekulationsobjekt zu beobachten, so Kurt Sartorius. Allerdings ginge es hier beispielweise um sehr teure Flaschen aus dem Bordeaux. In der eigenen Produktion dominieren die Sorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Chardonnay, zu 80 % werde Rotwein gekeltert.

Dass der chinesische Weißwein, den der Vorsitzende der Vinothekare, Manfred Schmälzle den Anwesenden kredenzen konnte, nicht allen Verkostern überzeugend mundete, konnte angesichts des sehr gelungenen Vortrags von Kurt Sartorius leicht verschmerzt werden. Der abschließende Applaus und die beiden überreichten Bönnigheimer Weine zeugten vom Dank und der Zufriedenheit aller Anwesenden.