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Vinothek - Erste Online-Weinprobe als Fortbildung

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (28.03.2021)

Vinothekare probieren den neuen Jahrgang online

 

Auf Initiative ihres Vorstandsvorsitzenden Manfred Schmälzle, konnten am vergangenen Freitag fast 20 Vinothekare und Vinothekarinnen, teilweise sogar mit ihren Lieben zuhause, an der gelungenen ersten Online-„Fassweinprobe“ teilnehmen. Diese seit mehr als 10 Jahren stattfindende Probe der Weine des jeweils neuen Jahrganges, die in der Regel noch nicht auf Flaschen gezogen sind und deshalb von den Vinothekaren „aus dem Fass“ verkostet werden können, musste natürlich aufgrund des besonderen Situation modifiziert werden.

So begrüßten der Initiator Manfred Schmälzle und der Leiter Oenologie und Technik der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, Thomas Eberbach, ebenfalls von zu Hause aus die gespannt wartenden „Freude der Vinothek“ daheim an ihren Monitoren mit einem herzlichen Willkommen zu dieser neuen Form der Fortbildung. Vier neue Weine des Jahrgangs 2020, die bereits in Flaschen abgefüllt sind und auch schon gekauft werden können, hatte der Referent für diesen Abend ausgesucht; dazu eine von den Teilnehmern hoch gelobte 2018er Lemberger-Merlot-Cuvée aus der Serie Rother von Stromberg rundete diese besondere Weinverkostung nach mehr als zwei Stunden gelungen ab.

 

Zu Beginn der Veranstaltung  erläuterte Eberbach zunächst die klimatischen Bedingungen des Weinjahres, das sehr wechselhaft verlaufen sei. Besondere Sorge bereiteten die späten Nachtfröste den verschiedenen Rebsorten in den unterschiedlichen Lagen. Insgesamt musste die Lese recht zeitig beginnen, da auch die Trockenheit und Hitze für die Rebstöcke erheblichen Stress bedeuteten und frühe Reifeprozesse festgestellt wurden. Wie immer war das hochgesteckte Ziel von allen Rebsorten qualitativ hochwertiges und gesundes Lesegut in den Keller zu bekommen. Weitere Maßnahmen wie z.B. Laubarbeiten, Ertragsreduzierung und die Ernte in Boxen, seien ebenfalls Faktoren, die wesentlich zur Qualitätsverbesserung beitragen würden. Dass die Erträge insgesamt geringer als in den Vorjahren ausfielen sei zwar bedauerlich, „jedoch konnten wir sehr aromatisches, gesundes und hervorragendes Lesegut zur Vinifizierung in den Keller bekommen:“,  so das Fazit von Thomas Eberbach.

Sein besonderes Augenmerk legte er auf die in diesem Jahr die neue Kreation „2020 Trollinger-Blanc de Noir“, die als erstes verkostet werden durfte. Dieser hell-lachsfarben schimmernde Wein wurde nach dem Saignée-Verfahren aus den roten Trauben gewonnen. Der aus dem Französischen stammende Begriff bedeutet wörtlich genommen „Aderlass“, weil man bei diesem Verfahren den Gärbehälter mit der Maische erst nach circa 12 Stunden „zur Ader“ gelassen habe. Der Saft wurde sozusagen ohne Pressung abgezogen. So ist auch die Wortbedeutung von saigner – bluten abgeleitet. Die ersten 6000 Flaschen seien bereits im Handel und teilweise

 

 

schon ausverkauft. Die zweite und letzte Charge bedarf dringend der Abfüllung, so Eberbach weiter. Da dies ein erster Versuch war, habe man nur eine kleine Menge produziert, so dass es wohl nicht für alle zu diesem Sommerwein auf der Terrasse in 2021 reichen wird. „Aber im nächsten Jahr werden wir davon mehr produzieren“, betonte der Referent. Der „Neue“ duftet nach Melone mit einem Hauch von Banane, dies wird im Mund von einer cremigen Frische und einem dezenten Anklang von Grauburgundertönen abgelöst.

Auch die anderen drei 2020er überzeugten die Verkoster mit ihrer frischen Säure, teilweise zartem Schmelz und zeigten durchgängig das große Potenzial diese Jahrgangs, teilweise sind sie auch mit einem zarten Holzton versehen. Die eine oder andere Kostprobe habe durchaus noch Reifungspotential, so die einhellige Meinung der Teilnehmer an diesem gelungenen Experiment einer Online-Weinprobe. Durch heitere Trinksprüche und Geschichten rund um den Wein und ein paar Bilder von den letzten beiden Jahresausflügen, wurde diese von Manfred Schmälze in Vortrag und Präsentation gekonnt abgerundet. Im Namen aller bedankte sich der Vorsitzende sehr herzlich bei Thomas Eberbach, der sich mutig und gutgelaunt auf dieses Experiment eingelassen hatte.

 

Hannelore Tiedke