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ARCHIV: Aus dem Rathaus (Bönnigheim)

Archäologische Zeugnisse lagerten in den Tiefen des Kirchbergareals – Dokumentation ist fast abgeschlossen

Erfasst von: Franzke, Ines (19.11.2020)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was die Rettungsgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege am Kirchbergareal genau zutage förderten, davon überzeugten sich die Stadträte und Bürgermeister Albrecht Dautel bei einer Begehung des 700 Quadratmeter großen Areals westlich der Cyriakuskirche. Nasser Ayash, Archäologe bei der mit den Grabungen beauftragten Firma Südwest-Archäologie, erläuterte einige Befunde, die in fünf unterschiedlichen Tiefen freigelegt worden waren. So hatten die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Untergrund der sieben Häuser, die einst neben der Kirche standen und wegen Einsturzgefährdung abgerissen worden waren, ein fragmentarisch erhaltenes Entwässerungssystem freigelegt und dokumentiert. Es bestand aus gemauerten Sandsteinrinnen im Querschnitt von zirka 15 mal 15 Zentimetern unterhalb der Kellerböden. Des Weiteren wurde ein bisher unbekannter, rund gemauerter Brunnen entdeckt. Auch Nachgeburtstöpfe konnten geborgen werden, sieben Stück konzentriert im Bereich des ehemaligen Stelzenhauses. „Der Brauch, Nachgeburten in Keramikgefäßen aufzubewahren, wurde bis ins 19. Jahrhundert gepflegt, erklärt Nasser Ayash. Dutzende Scherben aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit ums Jahr 1500 und älter zählen ebenso zu den Funden. Des Weiteren legten die Experten Keller und Abfallgruben frei. Auch Mauern früherer Häuser waren gefunden worden, Treppenstufen aus rechteckigen Sandsteinquadern, ein Ofen mit einer Brennkammer, die mit verziegeltem Lehm verfüllt war und noch eindeutig den Schür- und Belüftungskanal aufgewiesen habe. Außerdem verzeichneten die Grabungsexperten unzählige Keramikstücke, Knochen, Glasfragmente, Eisenstücke sowie einige Münzen.

Die Experten vermuten, dass am Standort der eher bescheidenen Gebäude von Schlossstraße 22 und 24 zuvor ein größeres Haus wohlhabender Bürger gestanden war. Ein Stein im Keller mit der Jahreszahl 1610 habe darauf hingewiesen und die Archäologen hatten entdeckt, dass der ehemals große Keller durch eine Mauer in zwei kleinere Keller geteilt worden war. Die Vermutung liege nahe, so der Fachmann, dass der Keller zwischen dem Bauernkrieg und dem 30-jährigen Krieg gebaut worden war.

Im weiteren Ablauf werde nun alles zutage Geförderte beschriftet und dokumentiert. Die Dokumentation der Befunde erfolgt in Foto-Fund-Befund-Listen, Tagebüchern, Berichten, deren tabellarische Darstellung Übersicht auf einen Blick gibt. Außerdem werden die Funde jeweils mit ihren genauen Koordinaten dokumentiert. Drohnenfotos ergänzen die Geodaten von Grenzen und auch Kellern. Das Landesamt für Denkmalpflege sortiert die Gegenstände und lagert sie ein. Alles, was weitergehendes Interesse erregt, werde weiter analysiert. Museen können sich die Funde später bei Bedarf ausleihen.

Die Grabungen werden voraussichtlich bis Ende November 2020 abgeschlossen sein. Sie waren vor der Neubebauung notwendig, da das Kirchbergareal im Bereich des archäologischen Prüffalls „Mittelalterliches Dorf und spätmittelalterliche Stadt Bönnigheim“ liegt, erläutert Jürgen Lais vom Fachbereich Bauen und Planen. Die Kosten hat die Stadt zu tragen. Ausführende Firma ist die Südwest-Archäologie. „Nach Abschluss der Arbeiten können wir dem künftigen Investor ein archäologiefreies Gelände übergeben“, betont Jürgen Lais. Dieser kann ein neues Wohnbauprojekt somit ohne archäologische Hürden realisieren.