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Vinothek: Erstes Weinkolleg 2020

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (06.09.2020)

Rolf Häußer (Bildmitte) erläutert Aromen

 

Aromen der Traube und des Weines

 

Bei schönstem Wetter fanden sich am vereinbarten Treffpunk 23 Freunde der Vinothek und auch einige Gäste zum Weinbergrundgang mit Rolf Häußer am vergangenen Samstag erwartungsvoll ein, wo sie vom Vorsitzenden der Vinothek Manfred Schmälzle und vom Referenten herzlich begrüßt wurden.

 

Rolf Häußer hatte sich vorgenommen, den Teilnehmern die Aromen von acht verschiedenen Rebensorten und den daraus gewonnenen Weinen der Jahrgänge 2018 und 2019 zur Verkostung unter freiem Himmel zu präsentieren. Und die freudigen Erwartungen der Gäste wurden nicht enttäuscht- im Gegenteil. Die gelungene Mischung aus Information und Präsentation übertraf alle Vorstellungen. So galt es zunächst zu lernen, dass im Weinbau von drei unterschiedlichen „Aromenerzeugern“ gesprochen wird. Die Primäraromen erzeugt die Traube selbst- wie alle Teilnehmer des Lerngangs schmecken konnten. Auf den Grauburgunder folgte der Spätburgunder, dann die Mutter aller Burgunder – wie die Genanalyse erst vor kurzem gezeigt hat- der Pinot Meunier, auch Schwarzriesling genannt. Natürlich fehlte hier bei den Roten nicht der Lemberger, welcher vor ca. 150 Jahren, wie der Referent betonte, durch ein Versehen nach Bönnigheim gekommen sei. Die Wengerter hatten Portugieserpflanzen geordert und Lemberger erhalten. So kam es, dass Bönnigheim heute mit 27% die größte Lembergerfläche nicht nur in Süddeutschland bewirtschaftet. Für einen richtigen Knall sorgte Manfred Schmälzle, der seine Aufgaben als diensthabender ehrenamtlicher Wengertschütz erläuterte und demonstrierte.

Der Wengertschütz Manfred Schmälzle in Aktion

 

„Die Zweitaromen entstehen im Keller beim Ausbau des Weines; die Drittaromen durch die Lagerung z.B. im Holzfass“, setzte Rolf Häußer seine Ausführungen fort. Durch die Klimaveränderung werden aber seit einiger Zeit auch Weinsorten gepflanzt, die früher nur in südlicheren Gegenden reifen konnten. Schöne, frische Sommerweine aus Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc kamen nun zur Verkostung als Beeren und im Glas, was bei allen Beteiligten nicht zum ersten Mal an diesem Nachmittag anerkennendes Kopfnicken und lobende Worte auslöste.

Zeitgemäß vorbereitete Verkostungstrauben

 

Aber auch auf die schwierigen Seiten der in diesem Jahr zu erwartenden Weinlese ging Rolf Häußer ein, zumal die Fröste im Mai in den unterschiedlichen Weinlagen insgesamt etwa ein Drittel der Trauben zerstört haben. Als letzte Köstlichkeit konnten alle Anwesenden noch die Aromasorte, den Muskateller als “Dessert“ probieren und staunten nicht schlecht, wie fortgeschritten die Reife zu diesem frühen Zeitpunkt bereits ist. „Noch ein sonniger Herbst, etwas Regen zum richtigen Zeitpunkt, kühle Nächte und die Aromatik des Jahrgangs 2020 lässt kaum noch Wünsche offen.

 

Nach dreieinhalb Stunden fachkompetenter Ausführungen und feiner Auswahl der entsprechenden Weine verabschiedeten sich die Vinothekare und Gäste von Rolf Häußer und seinem Begleiter und „Mundschenk“ Reinhold Uhland mit dankenden Worten und sehr lang anhaltendem Applaus für dieses besondere Weinkolleg in besonderen Zeiten.