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Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Weinkolleg vor Ort

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (09.02.2020)

Vinothekare und Gäste in der Weinkellerei Kölle

Samstag, 8. Februar 2020

Weinkellerei Kölle, Bönnigheim

Eine Rebsorte mit drei verschiedenen Gesichtern

 

So beschrieb Heinz Kölle junior sein von ihm selbst gewähltes Thema des ersten Weinkollegs vor Ort der Bönnigheimer Freunde der Vinothek am vergangenen Wochenende. Mehr als 20 Besucher und Vinothekare hatten sich in den Schmiedsberger Weg aufgemacht und waren nicht nur gespannt auf die Präsentation der Wein-Philosophie des Hausherren, sondern auch auf die Weine, die er für die Verkostung ausgesucht hatte.

 

In der Vinothek gibt es im Februar die „roten Spezialitäten“, an diesem ersten Wochenende ist es der 2016er Pinot Meunier, trocken aus der 4-Sterne Edition des Hauses Kölle. Diesmal schenkte der Gastgeber einen Blanc de Noir (Weißwein aus dunklen Trauben) trocken, einen Schwarzriesling-Weißherbst feinherb, und einen roten Schwarzriesling fruchtig aus. So zeigte er, was im Hause Kölle aus der Müllerrebe, dem schon seit 400 Jahren heimischen Schwarzriesling – einer Mutation aus dem Pinot Noir – alles gekeltert werden kann. Wichtig sei für ihn die Ertragsreduzierung auf ca. 80 bis 90kg je Ar, gelesen werde in der Regel mit der Maschine. Bei der Verarbeitung verwende man für den weiß gekelternten Pinot Meunier Blanc de Noir lediglich ein Pressdruck von 0,2 Bar, dann bleibe der Most noch ca. 1-2 Stunden stehen, damit die Aromastoffe aus der Beerenhaut entzogen werden können, was dem Blanc de Noir einen leichten rotgoldenen Ton im Glas verleiht. Der Duft dieses 18er Jahrgangs beeindruckte die Verkoster sehr und mit dem ersten Schluck war die einhellige Überzeugung im Raum: „Das ist ein herrlich frischer Sommerwein, klar, rein, einfach gelungen!“ An dieser Stelle erklärte Heinz Kölle, weshalb die Familie Kölle schon vor Jahren begonnen habe, den französischen Namen dem heimischen „Schwarzriesling“ vorzuziehen. Eben dieser hatte sich in den früheren Jahrzehnten einen negativen Ruf im Land von Trollinger und Lemberger zugezogen und werde von den Käufern als „Blanc de Noir vom Pinot Meunier“ viel besser angenommen. Erst jetzt im dritten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts werde auch diese Rebsorte wieder ihrem Ursprung gerecht und munde in trockenen und halbtrockenen Variationen auch den jüngeren Weintrinkern. Man überlege deshalb zum deutschen Namen zurückzukehren, auch eine Bezeichnung „Müllerrebe“ sei denkbar. „Meunier“ bedeute schließlich „Müller“.

 

„Nach der Pressung des `Blanc de Noir´ kann das Lesegut mit höherem Druck weitergepresst werden, sodass der Weißherbst gewonnen wird“, setzte der Referent seinen Vortrag fort. Alle drei Weine sind aus dem Jahrgang 2018 und doch so verschieden in Aussehen, Duft und Geschmack. Aber alle drei wussten die Gäste zu überzeugen. Einen besonderen Tipp gab Heinz Kölle noch zum Thema Weinschorle: „ Beim Einschenken darauf achten, dass zuerst das Wasser ins Glas kommt, dann den Wein dazu, damit das Wasser veredelt wird und nicht der Wein verdünnt.“ Einer der Vinothekare gab hierbei zum Besten, dass er immer ein „Kappenschorle“ mache. Hierzu gieße er sich eine Sprudelflaschekappe voll Wasser ein, trinke diese Menge und genieße dann das Glas Wein hinterher. „Ein schwäbisches Schorle sei: heute Wein und morgen das Wasser“, ergänzte ein weiterer Teilnehmer dieses Thema. Derart mit neuem Wissen gefüllt, bedankten sich die Vinothekare sehr herzlich mit kräftigem Applaus beim Gastgeber, der außer dem Wein und seinem heiteren Vortrag auch noch herzhafte Wurst- und Käseplatten zur Verkostung spendiert hatte.