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Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Weinkolleg "Tafeltrauben"

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (08.09.2019)

Tafeltraubenanbau als Gewerbe oder als Hobby?

 

Ein ganz besonderes „Weinkolleg“ konnten die Besucher der Vinothek am vergangenen Samstag genießen. Volker Lorenz, ein Mitglied der „Freunde der Vinothek“, hatte sich die Tafeltrauben für sein Referat vorgenommen, zumal er selbst seit genau 20 Jahren 18 verschiedene Tafeltraubenstöcke hegt und pflegt und dabei mindestens 12 verschiedene Sorten gepflanzt hat und erntet. Sehr anschaulich und liebevoll war für die Gäste der Tisch gedeckt mit mehreren blauen und weißen Traubensorten – wie beispielsweise Nero, Muscat bleu und Regent- aber auch selbst gebackenes Brot und eigenes Traubengelee konnte probiert werden. Auch einen Regent aus der Flasche, den 2016er Regent trocken aus der WG Stromberg-Zabergäu, kredenzten die Vinothekare ihren Gästen.

Volker Lorenz, hinten Mitte, präsentiert seinen Gästen Tafeltrauben und selbstgemachte Traubengelees

 

So erfuhren die Kollegteilnehmer, dass der Tafeltraubenanbau in Deutschland schon vor mehr als 100 Jahren gepflegt wurde. 1841 beschreibt das Sächsische Rebsortiment erstaunliche Namen für Tafeltrauben wie z. B. Madeleine Violette oder Frühblauer Ungar. In unserer Region haben Wengerter, die Erwerbsweinbau betrieben immer schon einzelne Tafeltraubenstöcke zwischen den Weinreben gehabt und wie beispielsweise in Hessigheim im Straßenverkauf vor dem Haus veräußert.  Da vom Tafeltraubenanbau hier nicht gelebt werden kann, denn die ausländischen Sorten sind billiger- wenn auch nicht unbedingt besser- gibt es in unserer Region nur noch  ca. 4-5 Anbauer, die gewerblich Tafeltrauben erzeugen.  Zumal im gewerblichen Anbau sehr strenge rechtliche Voraussetzungen gelten. Volker Lorenz erläuterte seinen Zuhörern einige Vorschriften und Einschränkungen. Erstaunt waren die Zuhörer, dass aus den Tafeltrauben zwar Saft, Gelee, Balsamico-Essig oder Verjus hergestellt werden darf, nicht aber Traubenmost oder Federweißer. Die Kenner in der Vinothek waren sich aber auch einig, dass diese Trauben zu wenig Säure und kaum Tanine – da oft kernlos- haben, um gute und wohlschmeckende Weine daraus erzeugen zu können. Besonders erstaunlich ist aber, dass Traubenbranntwein daraus erzeugt werden darf, aber auch hier das Produkt aus Weintrester wesentlich wohlschmeckender sei.

 

Hier demonstriert der Referent das Zeichen für sanften Rebschnitt

 

Volker Lorenz besitzt das Herz eines Hobby-Tafeltraubenanbauers und vermittelte seinen Zuhörern dies auch mit viel Begeisterung und ausgeprägter Sachkenntnis. So war es kein Wunder, dass der einjährige Weinstock, den er im Topf zu Anschauung mitgebracht hatte, schnell einen Liebhaber gefunden hatte, der nun selbst seine „Kammerze“ am Hause hegen und pflegen möchte. Dieses vielen Bönnigheimern geläufige Wort für einen Hausstock hat seinen Namen vermutlich daher, dass auch in den oberen Kammern eines Hauses die Trauben aus dem Kammerfenster heraus in den Mund „gelesen“ werden konnte. Oder vielleicht doch auch, weil der alte, kräftige Weinstock zum Fensterln bis hinauf in die Kammern der Mägde geeignet war?

Dass das Interesse an diesem „Weinkolleg“ so groß war und die Heiterkeit nicht zu kurz kam, lag auch an dem kurzweiligen Vortrag von Volker Lorenz, bei dem sich Manfred Schmälzle als Vorsitzender der Freude der Vinothek mit anerkennenden Worten und alle Zuhörer mit viel Applaus bedankten.

Charlotte Nerl-Steckelberg, Wilhelm Flaig und Ulrich Bauer öffnen ein Glas Traubengelee mit viel Freude

 

Text und Fotos: Hannelore Tiedke