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ARCHIV: Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Jahresausflug der Vinothekare

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (04.08.2019)

 

Die Vinothekare vor der Apsis des Speyerer Doms

 

Jahresausflug der Freunde der Vinothek

Speyer und das Weingut Mesel in Bad Dürkheim

 

Angenehmes Reisewetter unterstützte den Jahresausflug der „Freunde der Vinothek“ am 3. August 2019 nach Speyer und zum Weingut Mesel, Bad Dürkheim.

Die geschichtsträchtige Dom- und frühere Kaiserstadt Speyer hinterließ in allen Vinothekaren bleibende Eindrücke. In einer kurzweiligen gut zweistündigen Stadtführung erfuhren selbst geschichtskundige Mitglieder viel Neues über römische Ursprünge, den Bau und die Um- und Anbauten des Doms in verschiedenen Epochen. Aber auch der vom Sonnenkönig Ludwig XIV. wegen des Pfälzischen Erbfolgekrieges anbefohlenen verheerenden Stadtbrand von 1689, bei dem alle Bürger die Stadt innerhalb von 6 Tagen verlassen mussten und die Stadt völlig niedergebrannt wurde, war den meisten Zuhörern nicht bekannt. Erst nach fast zehnjährigem Exil konnten die mittelalterlichen Ruinen beseitigt und neue barocke Prachtbauten entstehen. Ab 1816 gehörte die Pfalz nach dem Ende der Napoleonischen Herrschaft sogar zu Bayern.

Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Bönnigheimer Vinothekare dem sogenannten Domnapf, der vor dem Westportal des Doms steht. Diese gewaltig große Steinschale diente einst als Grenzstein zwischen dem weltlichen und dem kirchlichen Hoheits- und Rechtsgebiet der Stadt. So fand ein vom weltlichen Gericht Verurteilter hinter dem Stein Asyl. Diese historischen Funktionen erfüllt der Domnapf schon lange nicht mehr. Ein beliebter mittelalterlicher Brauch wird aber bis in die Neuzeit gepflegt. Bei besonderen kirchlichen Anlässen wird der Domnapf mit Wein gefüllt. Laut Aussage der Stadtführerin sei dies letztmals bei der Amtseinsetzung des 96. Speyerer Weihbischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann im Jahr 2008 gewesen. Bei einem Fassungsvermögen von über 1500 Litern können viele Bürger und Gäste vom Rebensaft kosten. Heute werde Hygiene und Ordnung jedoch groß geschrieben, so dass es nicht mehr vorkomme, dass „Speyerer Bürger mit Schuhen und Strümpfen hineinstürzten und in trunkenem Zustand davongetragen werden müssten“, so die Stadtführerin.

Nach einem Rundgang durch die Gassen der mittelalterlichen Zünfte besuchten die Gäste aus Bönnigheim die Dreifaltigkeitskirche, die als protestantische Kirche von den zurückgekehrten Exil-Speyerer Bürger mit wenigen Mitteln in kompletter Holzausstattung von 1701-1717 erbaut worden ist. Damit die Kirchgänger in den vorderen Reihen jedes Wort von der seitlich aufragenden Kanzel mitverfolgen konnten, haben die ersten Sitzreihen gegenüberliegende Bänke, damit man sich umsetzen und dem Pfarrer beim „Abkanzeln“ ins Gesicht schauen konnte.

Zwei Besonderheiten Speyers rundeten die eindrücklichen Erfahrungen zur Geschichte der Domstadt ab.  Zum einen sind in Speyer die Ruinen einer um 1104 eingeweihten Synagoge und das 1120 errichtete gut erhaltenen Ritualbad, genannt Mikwe, wieder ausgegraben worden und museal zu besichtigen. Zum anderen lud Charlotte Nerl-Steckelberg, die Initatorin des Sophie-La Roche-Museums in Bönnigheim ihre Vinothek-Kolleginnen und –kollegen zu einem Besuch ins Sophie-La Roche-Haus ein. Im sogenannten Blauen Haus in der Maximilianstraße ist im Erdgeschoss „Meine liebe Grüne Stube“, wie Sophie diesen Raum nannte, nachgebaut. Hier werden Briefauszüge, Bilder und Zeitgenossen der berühmten Schriftstellerin präsentiert. Charlotte Nerl-Steckelberg informierte über La Roches erste Frauenzeitschrift, genannt Pomona, die die Schriftstellerin hier schrieb und herausgab, als sie von 1780 – 1786 in Speyer lebte und arbeitete. Da die ehrenamtlichen Vinothekare auch das La Roche-Museum in Bönnigheim mitbetreuen, erfuhren sie von der äußerst kundigen und bestens vorbereiteten Kollegin auch noch Neues über die Reisen in die Schweiz, nach Frankreich und England, welche Sophie von La Roche von Speyer aus durchführte. Ihre Reisetagebücher veröffentlichte sie später in Offenbach und hielt damit die Familie weiterhin finanziell über Wasser, da ihr Gatte wegen Religionsstreitigkeiten in Ungnade gefallen war.

Nach so viel historischem und kulturellem Input blieb noch eine kleine individuell zu nutzende Pause zur Stärkung oder zum Besuch der Kaisergräber in der Krypta des Domes.

 

Ein deutlich kulinarischer ausgerichtetes Programm bot sich den Vinothekaren am Nachmittag beim Besuch des Weingutes Mesel in Bad Dürkheim. Der ca.11 ha Rebfläche umfassende, selbstvermarktende Familienbetrieb empfing die Vinothekare sehr herzlich und versorgte die Gäste nicht nur mit einem klassischen Pfälzer Saumagen und mundigen Weinen, sondern auch mit ehrlichem, umfangreichem Fachwissen des derzeitigen Önologen Malte, der in seinem früheren Leben Brauwesen in Weihenstephan studiert hatte. Lebendig und sehr fachkundig durchwanderte er mit seinen Gästen die Weinberge, zeigte Pressen, Gärkeller, Tanks und Holzfässer, sowie die Abfüllanlage und die kleine Hofbrennerei in der die Premiumtrester, Brände und „Flüssiges Obst“ erzeugt werden. Dass es unterwegs außer Fachwissen auch noch einige Weine zu probieren gab, versteht sich bei einem Ausflug der „Freunde der Vinothek“ fast von selbst. Mit dankenden Worten an die Ideengeber und Planer des Ausflugs Uschi Körber, sowie Charlotte und Jörg Steckelberg schickte Manfred Schmälzle, der neue Vorstandsvorsitzende, seine Mitstreiter, für die der Jahresausflug immer ein kleines Dankeschön für die ehrenamtliche Mitarbeit ist, in ein schönes und erholsames Wochenende.

Weinprobe im Wengert der Familie Mesel, Bad Dürkheim

 

 Text und Fotos : Hannelore Tiedke