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ARCHIV: Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Weinkolleg vor Ort

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (15.07.2019)

Vinothekare und Gäste im Weingut Dautel

Terrassierte Steillagen

Um viel Neues und Interessantes über den Riesling aus terrassierten Steillagen zu erfahren, waren am vergangen Samstag etwa 30 Freunde der Vinothek und einige Gasthörer des Weinkollegs vor Ort zum Weingut Dautel in den Lauerweg nach Bönnigheim gekommen. Nach den freundlichen Begrüßungsworten des neuen Vorsitzenden der „Freunde der Vinothek“, Manfred Schmälzle, legte der Seniorchef des Weingutes, Ernst Dautel auch sofort los und beschenkte die aufmerksamen Zuhörer mehr als eineinhalb Stunden mit seinem profunden Wissen und seinen in vielen Jahren erworbenen Detailkenntnissen zu allen Fragen des Weinbaus.

Im Mittelpunkt stand diesmal der 2016er Wurmberg-Riesling aus den terrassierten Steillagen an der Mündung der Enz in Besigheim. Aber auch der Steillagen Riesling „Steingrüben“ von 2017 kam nicht zu kurz, war dieser doch im Juni unter über 2400 Rieslingen aus 14 Ländern der Welt zum besten Steillagenriesling ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch aller Vinothekare Bönnigheims hierfür!

Vor 22Jahren hat Ernst Dautel diese Steillagen-Wengert schon erworben und seine Leidenschaft und seine Verantwortung für diese landschaftsprägenden Anlagen auch an seinen Sohn Christian weitergegeben, der diesen rassigen, schlanken Riesling Wurmberg, der inzwischen leuchtend klar in den Gläsern der Gäste funkelte, zu einem wunderschönen typischen Riesling mit feiner Säure und schöner Mineralität ausgebaut hat. Hier knüpfte Dautel auch sofort an und zeigte die Unterschiede zwischen diesem auf Muschelkalk gewachsenen Riesling im Gegensatz zu Rieslingen auf, die auf Schilfsandstein oder Gipskeuper wachsen. Ist letzterer Wein eher maskulin zu bezeichnen oder deutlich „fetter“ in seiner Ausprägung, wie Dautel formulierte, so bringt der Muschelkalk diese aus seiner Sicht eleganteste Variante der wichtigsten Weinsorte des Weingutes hervor. „Ein Wein, der ein hohes Alterungspotenzial hat, und keineswegs als `Primeur-Wein´ schon im ersten Jahr getrunken werden sollte“, so der Referent. Der Riesling habe eine ungeheuer große Bandbreite in seiner Erscheinungsform von super trocken, über die trockenen oder halbtrockenen Varianten und sich sogar für Eiswein eigene.

Der alte Rebenbestand am Wurmberg, hier wachsen Reben die bereits 70-80 Jahre alt sind, bedarf natürlich einer intensiven Pflege und ist ungeheuer arbeitsintensiv. Dautel spricht von 1200 Stunden Arbeit für die 75 Ar, was der vierfachen Zeit im Vergleich zur gleiche Fläche in einer eher flachen Weinanlage entspreche, in der nicht alles von Hand über die 175 Treppenstufen bei teilweise 35 Grad Celsius gemacht werden müsse. Dennoch seien die Lagen hervorragend für Weißweine geeignet. So erfuhren die Kollegteilnehmer auch von einer Grünveredlung eines Weinbergs, in dem bisher Merlot gestanden hatte. Hier wurde der alte Stock bis auf ein Auge abgesägt und dann das neue Chardonnay-Grünholz aufgepropft. Andere Wengert wurden ganz gerodet, lagen dann vier Jahre brach und wurden erst 2018 neu bepflanzt. So sind dies jetzt ebenfalls beste Böden für elegante Rieslinge, Chardonnays oder den Cabernet Blanc, denen die wärmespeichernden Trockenmauern, von denen 125 Meter neu aufgeschichtet wurden, außerordentlich gut bekommen. So wird eine Landschaft erhalten, die unsere Gegend prägt und kennzeichnet. Dass bei dieser intensiven Landschaftspflege und die Härte der Arbeit viel Idealismus gefragt ist und der Preis für diese Weine deutlich höher sein müsste, war allen Anwesenden klar und der Respekt der Zuhörer für diese Arbeit unserer Wengerter sowie die Wertschätzung für die tollen Weine wurde nochmals deutlich erhöht. Wenn man dann bedenkt, dass China in jedem Jahr so viel Rebfläche anlegt wie in ganz Deutschland vorhanden ist, macht man sich schon Gedanken, wie es in 30 oder gar 50 Jahren mit den Steillagen an Enz und Neckar bestellt sein möge. Aber: „Es wird noch lange Weingenießer geben“, so Ernst Dautel in seinen Schlussworten nach intensiven 90 Minuten, und diese Menschen, die Genießen können, seien auch für ihre Mitmenschen genießbar, weshalb es immer welche geben werde, die diese Kosten und Mühen auf sich nähmen um solche Weinkostbarkeiten zu erzeugen. Mit diesen Gedanke beschloss Ernst Dautel seine Ausführungen und dankte den Bönnigheimer Vinothekaren sehr wertschätzend für die nun mehr als 10jährige gute Zusammenarbeit und besonders den Initiatoren der ersten Stunde Werner Krapf, Hans-Joachim Jaeger und Fritz Wachter. Mit großem Applaus und dankenden Worten von Manfred Schmälzle verabschiedeten sich die Gäste für diese gelungene Fortbildung bei Ernst und Hannelore Dautel.

 

Text und Foto: Hannelore Tiedke