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Touristik, Museen (Bönnigheim)

Vinothek Weinkolleg April

Erfasst von: Tiedke, Hannelore (07.04.2019)

Weinkolleg mit Rolf Häusser

Ökoweinbau

Samstag, 6. April 2019

 

Heitere Runde von Gästen und Vinothekaren

 

Nicht immer hilft der Mondkalender

 

Mit Rolf Häusser, einem Weinproduzenten des Ökologischen Weinbaus der ersten Stunde und Mitglied der „Freunde der Vinothek“, konnte die Vorsitzende der Vinothek Bönnigheim, Regine Jung, erneut einen hochqualifizierten Referenten für das monatliche Weinkolleg gewinnen. Sein Thema, „Der ökologische Weinbau“, fand großen Anklang bei den Vinothekaren und Gästen, zumal drei verschiedene Bioweine zur Verkostung anstanden. Zunächst schimmerte der 17er Riesling „N“ in den Gläsern. Das „N“ steht für einen Naturwein, der von der WG Stromberg-Zabergäu im Jahr 2012 erstmals ausgebaut wurde. Hier erläuterte Rolf Häusser die Besonderheiten, die bei den Bioweinen beim Ausbau zum Tragen kommen. Handernte nur äußerst gesunder Trauben, kurze Maischestandzeit und ab dem Moststadium wird der Wein durch kontrolliertes „Nichtstun“ gepflegt. Der Most vergärt also nur durch Hefen, die aus dem Weinberg mitgebracht werden, diese sind auch als „Wildhefen“ bekannt. Da diese Hefen den Fruchtzucker nicht so leicht zu Alkohol umbauen können, geht die Gärung sehr langsam vor sich, kann bis Mitte Januar andauern, wenn im Oktober geerntet wurde. Nach dem Verkosten war man sich in der Kollegrunde einig: die fruchtige Aromatik nach reifem Apfel und einem Hauch Pfirsich, die Mineralik des Keuperbodens und die fein eingebundenen Süße in eine harmonische Säure haben einen Bio-Riesling in die Gläser gezaubert, der ganz einfach überzeugt.

Im weiteren Verlauf des Kollegs ging Rolf Häusser auf die europäischen Öko-Richtlinen für die Erzeugung von Öko-Trauben ein. Es dürfen keine leicht löslichen Düngemittel, keine chemischen Pflanzenschutzmittel und keine Herbizide im Weinberg eingesetzt werden. Seit 2008 gibt es auch Richtlinien für die Kellerwirtschaft. Dies alles wird äußerst streng kontrolliert – auch unangekündigt, wie Häusser selbst immer wieder erfahren hat. Für das Gelingen dieser Bioweine wird sehr stark auf geschlossenen Betriebsabläufe, den Schutz der natürlichen Ressourcen, sowie die Stärkung der Pflanzen geachtet. Außerdem liegt das Augenmerk auf Biodiversität und Klimaschutz. Mittel hierzu sind: Gründüngung, Brache-Begrünung, behutsame Bodenbearbeitung und die Stärkung der Reben zur Gesunderhaltung.

Eine besondere Beachtung legte Häusser in seinem Referat auf die Züchtung der so genannten „PiWi“-Sorten. Diese Resistenzüchtungen gegen Pilze und ihre Widerstandfähigkeit gegen verschiedene Schädlingsgene sind für den ökologischen Weinbau unverzichtbar. Wenn man allerdings weiß, dass dieser Prozess im Schnitt 18 Jahre dauert, ist erkennbar, dass es zur Zeit noch zu wenige Rebsorten für unsere Böden und Klimabedingungen gibt. Besonders fehlen spät reifende Sorten. Rolf Häusser kredenzte seinen Gästen einen 18er Cabernet Blanc, der neben den Sorten Regent, Muskaris, Johanniter und Solaris in der Region angebaut wird. In Bönnigheim hat sich der Cabernet Blanc durchgesetzt. Er hat eine Ähnlichkeit mit dem Sauvignon Blanc, besticht durch feine grüne Aromen und ist ein sehr mundiger, frischer Sommerwein, auf den sich alle Weinliebhaber schon für die beginnende Spargelzeit und die lauen Sommerabende freuen können.

Von Häusser erfuhren die Zuhörer, dass nur 4% der Rebfläche für ökologischen Weinbau verwendet wird und rund die Hälfte der Ökowengerter in einem Verband organisiert sind. Die bekanntesten sind Ecovin, Naturland, Bioland und seit ca. 20 Jahren auch der Demeter-Verband. „Alle haben sich nahezu die gleichen Richtlinien gegeben“, so Häusser weiter „und diese sind alle strenger als die EU-Richtlinien.“

In sehr lebhafter Diskussion beantwortete der Referent die vielen Fragen der äußerst interessierten Zuhörer. Zur Düngung können beispielweise Hornmehl oder andere organische Stoffe eingesetzt werden, im Pflanzenschutz bieten sich pflanzliche Öle wie Raps- und Orangenöl oder auch Backpulver an. Jedoch sei in begrenzter Menge auch Kupfer notwendig. Allerdings trage der Öko-Weinbauer, besonders in nassen Sommern immer das Risiko, dass die Ernteausfälle durch Fäulnis und Pilzbefall auch ruinös für den Betrieb sein können. „Da hilft dann auch kein Mondkalender“, wie eine Zuhörerin anmerkte.

Nach abschließender Darlegung was in der Weinverarbeitung alles zulässig und was alles verboten ist, probierten die Weinkollegianer nach diesem gehaltvollen Vortrag am Ende noch den Öko-Lemberger trocken von 2016 und kamen zum Schluss, dass dieser Bio-Wein mit seinen konventionell erzeugten Brüdern absolut mithalten kann, manche gar übertrifft. Mit sehr wertschätzendem Applaus bedankten sich die Vorsitzende der Freunde der Vinothek, die Vinothekare und die Gäste bei Rolf Häusser für diese gelungene Fortbildungsveranstaltung.

 

 links: Rolf Häusser