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ARCHIV: Zabergäuverein

Eine angesehene jüdische Familie aus Flehingen

Erfasst von: El-Kothany, Helga (13.03.2018)

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im Gasthaus Weinsteige in Güglingen hat Wolfgang Schönfeld über seine tiefschürfenden Recherchen über die angesehene jüdische Familie Schlessinger seine Zuhörer in Bann gezogen. Robert und Fanny Schlessinger betrieben in Flehingen (heute Ortsteil von Oberderdingen) einen Laden für Haus-und Küchengeräte. Die Familie war voll integriert. Robert war wie schon sein Vater Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde. Als im April 1933 die jüdischen Geschäfte boykottiert wurden, brach die wirtschaftliche Grundlage der Familie weg. Noch gelang es, dem 14-jährigen Sohn Ferdinand 1936 einen Kollegplatz in Brighton in England zu verschaffen. Für diesen sprachbegabten Schüler endet aber die Schulbildung mit Großbritanniens Sorge vor deutschen militärischen Angriffen auf Südengland. Er wird interniert, kommt hinter Stacheldraht und wird schließlich nach Kanada gebracht. Nach Kriegsende findet er dort einen Beruf und  gründet eine Familie. Seine Eltern sah er nie mehr. Sie wurden ins berüchtigte Lager Gurs deportiert, von dort kamen sie weiter in andere Lager. Am 14.08. und am 19.08.1940 wurden die Eheleute im Alter von knapp 50 Jahren nach Auschwitz abtransportiert und dort grausam ermordet. sz