Staatsarchiv Ludwigsburg
Wir, die Klasse 10Rb mit unseren Lehrern Herr Mangold und Herr Mayer, sind um 9:20 Uhr im Staatsarchiv Ludwigsburg angekommen und hörten dort zunächst einen Vortrag von Frau Dr. Elke Koch über die Entnazifizierung in Deutschland.

Was bedeutet die Entnazifizierung?
Entnazifizierung bedeutet die Säuberung der gesamten deutschen Gesellschaft von nationalsozialistischem Gedankengut zum Zwecke eines demokratischen Neubeginns.
Nach dem 2.Weltkrieg wurden vor allem Nazis aus höheren Positionen wie z.B. aus Ämtern, Verwaltungen usw. herausgefiltert und verurteilt.
Man wollte, dass diese Nazis, welche dieses Denken vertraten, aus der Politik und allen höheren Positionen verschwinden.
Wie funktionierte die Entnazifizierung?
In der amerikanischen Zone mussten alle Bewohner einen Fragebogen mit 131 Fragen zum persönlichen Werdegang und ihrem Verhalten im Nationalsozialismus ausfüllen.
Diese Meldebögen musste jeder ab 18 Jahren ausfüllen, egal ob männlich oder weiblich. Wer diesen Meldebogen nicht ausfüllte, bekam keine Arbeitsgenehmigung oder Wohnberechtigung. Es ging nichts ohne diesen Meldebogen.
Es gab verschiedene Kategorien, in welche die Bürger eingeteilt wurden. Dazu erhielten sie verschiedene Strafen:
1. Hauptschuldige / Belastete: Arbeitslager, Geldstrafe, Wahlverbot, Berufsverbot und Tod durch den Strang
2. Minderbelastete: gemeinnützige Arbeit, Geldstrafe
3. Mitläufer: Geldstrafe
4. Entlastete: sind vom Gesetz nicht betroffen und bekommen kein Spruchkammerverfahren
Diese Beurteilungen nahmen so genannte Spruchkammern vor, deren Mitglieder aus unbelasteten Deutschen bestanden. Es gab etwa 25 solche Kammern in Baden und Württemberg, darunter auch eine in Ludwigsburg, in der die Bürgermeister und viele andere verhört wurden.
Dies alles wurde in Akten geordnet, verschlossen und bis heute aufbewahrt. Diese Quellen sind im Ludwigsburger Staatsarchiv einzusehen.
1990 wurden die Spruchkammerakten zum ersten Mal der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugängig gemacht.

Unsere Klasse konnte sich dann in ein exemplarisches Spruchkammerverfahren einarbeiten. Eine Schülergruppe erhielt entlastende Zeugenaussagen, eine Gruppe belastende Zeugenaussagen und die letzte Gruppe schließlich das Urteil und die Begründung dazu. Im abschließenden Austausch war es für die Schüler sehr interessant zu erfahren, dass die Person als stärker belastet eingestuft wurde als es die erste Schülergruppe gedacht hatte.
Insgesamt bot der Vormittag dann noch einen interessanten Einblick in die Bestände des Staatsarchivs. Diese wurden uns von Frau Dr. Koch im abschließenden Rundgang durch das Magazin gezeigt.

Weitere Informationen zu Angeboten des Staatsarchivs Ludwigsburg an Schulklassen findet man unter:
http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/detail.php?template=hp_artikel&id=14688&id2=8442&sprache=de
Link: Allgemeines zum Staatsarchiv Ludwigsburg








